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52 · Schlosser · Mechaniker · Rüsselsheim

Adam Opel

Adam Opel ist heute vor allem mit einer Automarke verbunden. Sein eigener Lebensweg war jedoch der eines Schlossergesellen, Wanderhandwerkers, Nähmaschinenbauers und Fahrradfabrikanten. Automobile wurden bei Opel erst vier Jahre nach seinem Tod gebaut.

Geboren
9. Mai 1837 · Rüsselsheim
Gestorben
8. September 1895 · Rüsselsheim
Handwerk
Schlosser, Mechaniker, Nähmaschinen- und Fahrradbau
Berühmt für
Gründung der Opel-Werkstatt und industrielle Fertigung von Nähmaschinen und Fahrrädern
Historisches Porträt von Adam Opel
Adam Opel um 1891. Historisches Porträt, gemeinfrei.

Opels Biografie ist klassische Wanderschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts: Der Sohn eines Meisters verlässt die vorgesehene väterliche Werkstatt, zieht durch europäische Industriezentren, lernt neue Maschinen kennen und bringt das Wissen anschließend in den Heimatort zurück.

Kindheit in einer Schlosserfamilie

Adam Opel wurde am 9. Mai 1837 in Rüsselsheim geboren. Sein Vater Philipp Wilhelm Opel war Schlossermeister. Als ältester Sohn sollte Adam nach damaliger Familienlogik eigentlich die Werkstatt übernehmen. Er lernte das Schlosserhandwerk und wurde Geselle, wollte seinen beruflichen Horizont jedoch erweitern.

Seine Gesellenwanderung führte ihn durch mehrere europäische Zentren. Überliefert sind Stationen unter anderem in Lüttich, Brüssel und schließlich Paris; Quellen zur Reise nennen auch weitere Stationen. In Paris begegnete er einer Technik, die seine Zukunft bestimmen sollte: der Nähmaschine.

1859 trat Opel bei dem Pariser Nähmaschinenhersteller Journeaux et Leblond ein. Dort lernte er nicht nur den Mechanismus einer Nähmaschine, sondern moderne Fertigungs- und Organisationsmethoden kennen. Eine Nähmaschine besteht aus vielen kleinen Metallteilen, deren Bewegung exakt aufeinander abgestimmt sein muss – ein ideales Feld für einen ausgebildeten Schlosser und Mechaniker.

Die erste Nähmaschine aus Rüsselsheim

Ende August 1862 kehrte der 25-Jährige nach Rüsselsheim zurück und richtete gegen den anfänglichen Widerstand seines Vaters im Elternhaus eine kleine Werkstatt ein. Die erste eigene Nähmaschine entstand in monatelanger Arbeit. Der Schneidermeister Hummel kaufte sie und soll sie vierzig Jahre genutzt haben.

1863 zog Opel mit seiner ersten Fertigung in den ehemaligen Kuhstall eines Onkels. Sein Bruder Georg lieferte aus Paris Stahl, Schiffchen, Nadeln und auch komplette Maschinen zum Weiterverkauf. Die frühe Firma war also zugleich Werkstatt, Montagebetrieb, Händler und Entwicklungsbetrieb.

Opel reagierte auf Kundenwünsche und baute spezielle Maschinen für unterschiedliche Anwendungen. Das half beim Wachstum. 1868 entstand eine neue Fabrik mit zweigeschossiger Produktionshalle, Dampfmaschine sowie Wohn- und Bürogebäude. Rund vierzig Menschen arbeiteten dort. Damit war aus der kleinen Gesellenwerkstatt ein industrieller Mechanikbetrieb geworden.

Vom Nähmaschinenbau zum Fahrrad

1886 verließen nach Opel-Angaben rund 18.000 Nähmaschinen die Fabrik. Adam Opel suchte zugleich nach neuen Produkten. Auf einer Parisreise 1884 hatte er das Hochrad kennengelernt. 1886 entstand das erste eigene Fahrrad in Rüsselsheim; 1887 markierte ein illustrierter Katalog den systematischen Beginn des Fahrradgeschäfts.

Auch hier zeigte sich Opels Fähigkeit, neue Technik schnell industriell zu organisieren. Das Hochrad wurde bereits 1888 durch modernere Niederräder ergänzt beziehungsweise ersetzt. Seine fünf Söhne warben als erfolgreiche Radrennfahrer für die Marke. Nach Adams Tod wuchs Opel später zum größten Fahrradhersteller der Welt.

Eine wichtige historische Korrektur gehört auf diese Seite: Adam Opel selbst baute keine Automobile. Er starb 1895. Erst 1899 erwarben seine Witwe Sophie und die Söhne die Anhaltische Motorwagenfabrik von Friedrich Lutzmann und begannen mit der Automobilproduktion. Die Autogeschichte ist Fortsetzung seines Unternehmens, aber nicht seine persönliche Handwerksleistung.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 9. Mai in Rüsselsheim als Sohn des Schlossermeisters Philipp Wilhelm Opel.
  • Ausbildung im Schlosserhandwerk und anschließende Gesellenwanderung.
  • Rückkehr aus Paris in den Heimatort und Beginn der Selbstständigkeit.
  • Heirat mit Sophie Scheller. Sie übernimmt neben Familienaufgaben auch die Buchhaltung des Unternehmens.
  • Das Paar hat fünf Söhne, die später als Radrennfahrer und Unternehmer eine zentrale Rolle in der Firma spielen.
  • Tod am 8. September. Sophie und die Söhne führen das Unternehmen weiter.

Beruflicher Lebenslauf

  • Schlosserausbildung und Wanderjahre durch europäische Handwerks- und Industriezentren.
  • Arbeit bei einem Pariser Nähmaschinenhersteller und Erlernen moderner Fertigungsmethoden.
  • Eigene kleine Werkstatt im Elternhaus in Rüsselsheim.
  • Erste separate Produktionsstätte im ehemaligen Kuhstall eines Onkels.
  • Neue Fabrik mit Dampfmaschine und rund vierzig Beschäftigten.
  • 18.000 Nähmaschinen pro Jahr; zugleich Bau des ersten Opel-Fahrrads.
  • Systematischer Einstieg in das Fahrradgeschäft.
  • Moderne Niederräder erweitern die Fahrradproduktion.
  • Adam Opel stirbt; die spätere Automobilproduktion beginnt erst 1899.

Nähmaschine & Fahrradproduktion

Quellen & Weiterführendes