André-Charles Boulle
Boulle wurde zum berühmtesten französischen Ebenisten der Zeit Ludwigs XIV. Seine Werkstatt verband Möbelkonstruktion mit Furnier, graviertem Messing, Schildpatt und vergoldeten Bronzebeschlägen zu einer Form des Luxusmöbels, die später seinen Namen trug.
- Geboren
- 1642, Paris
- Gestorben
- 1732, Paris
- Handwerk
- Ébéniste / Kunsttischler
- Berühmt für
- Boulle-Marquetry und Hofmöbel

Boulle zeigt, wie weit sich das Tischlerhandwerk am Hof spezialisieren konnte. Ein Möbel aus seiner Werkstatt war Holzbau, Oberflächenkunst, Metallarbeit und repräsentatives Design zugleich.
Paris und der Weg zum Meister
André-Charles Boulle wurde 1642 in Paris geboren. Die genaue Kindheitsbiografie ist weniger dicht dokumentiert als seine spätere Karriere. Sicher ist, dass er bereits vor 1666 Meisterstatus erreicht hatte und neben Möbelbau auch als Zeichner, Graveur und in weiteren künstlerischen Techniken arbeitete.
Diese Vielseitigkeit war für seine spätere Werkstatt entscheidend. Der Ébéniste baute nicht nur massive Holzkonstruktionen, sondern arbeitete mit kostbaren Furnieren und komplexen Oberflächen. Entwurf, Materialkombination und präzise Passung bestimmten den Wert.
Eine Hofwerkstatt mit Sonderstellung
1672 wurde Boulle zum königlichen Ebenisten ernannt und erhielt Werkstatträume im Louvre. Die Nähe zum Hof brachte prestigeträchtige Aufträge, aber auch die Notwendigkeit, große Werkstattabläufe zu organisieren.
Seine berühmte Marqueterie kombinierte insbesondere Schildpatt und Messing. Aus gemeinsam ausgesägten Lagen konnten spiegelbildliche Positiv- und Negativmuster entstehen. Hinzu kamen gravierte Details und vergoldete Bronzebeschläge. Das Möbel wurde so zu einer technisch aufwendigen Oberfläche über einem präzisen hölzernen Korpus.
Warum „Boulle“ zum Stilbegriff wurde
Das Metropolitan Museum beschreibt Boulle als den berühmtesten Ebenisten unter Ludwig XIV. Besonders seine Kommoden um 1710–20 zeigen die Verbindung aus monumentaler Form, dunklen und glänzenden Oberflächen und skulpturalen Bronzebeschlägen.
Später wurde der Begriff „Boulle“ weit über die originale Werkstatt hinaus für Möbel mit ähnlicher Metall-Schildpatt-Marquetry verwendet. Deshalb muss bei einzelnen Stücken zwischen Boulle selbst, seiner Werkstatt und späteren Arbeiten im Boulle-Stil unterschieden werden.
Persönlicher Lebenslauf
- Geburt in Paris.
- Mehrere Söhne arbeiteten später im Umfeld der Werkstatt und führten die Tradition fort.
- Ein Werkstattbrand vernichtete Teile von Material, Modellen und Sammlung – ein schwerer wirtschaftlicher Einschnitt.
- Tod in Paris.
Beruflicher Lebenslauf
- Meisterstatus als Ébéniste.
- Ernennung zum königlichen Ebenisten; Werkstatt im Louvre.
- Kommoden für das Grand Trianon und prägende Entwicklung dieses Möbeltyps.
- Höhepunkt der Werkstatt mit komplexer Marqueterie und vergoldeten Beschlägen.
Oberfläche als Handwerkskunst


Quellen
Geschichte des Tischler- und Schreinerhandwerks
Holz, Möbel, Werkstattorganisation, Zunft und der Weg von der Einzelanfertigung zur Serienproduktion.