August Horch
August Horch begann in der Schmiede seines Vaters, zog als Geselle durch Mitteleuropa und wurde erst danach Maschinenbauingenieur. Aus diesem handwerklich-technischen Weg entstanden zwei Automobilunternehmen: Horch und später Audi. Sein Name steht damit nicht nur für eine Marke, sondern für den Übergang vom Schmiedefeuer zur frühen Automobilindustrie.
- Geboren
- 12. Oktober 1868 · Winningen an der Mosel
- Gestorben
- 3. Februar 1951 · Münchberg
- Handwerk
- Schmied, Maschinenbauer, Automobilingenieur
- Berühmt für
- Gründung von Horch und Audi sowie technische Neuerungen im frühen Automobilbau

Horch ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie sich das Handwerk im 19. Jahrhundert veränderte. Seine ersten Werkzeuge gehörten in eine Dorfschmiede. Später arbeitete er im Brückenbau, an Maschinen und Schiffsmotoren, studierte Maschinenbau und stand schließlich vor der Frage, wie sich ein noch junges Verkehrsmittel technisch zuverlässig und in guter Qualität fertigen ließ.
Kindheit in der Schmiede von Winningen
August Horch wurde am 12. Oktober 1868 in Winningen an der Mosel geboren. Sein Vater Karl Friedrich Horch war Schmied und Winzer, seine Mutter Helene, geborene Michel, starb bereits 1874. August besuchte die Volksschule seines Heimatorts. Die väterliche Schmiede gehörte zu jener lokalen Handwerkswelt, in der Werkzeuge, Hufeisen, Beschläge, Wagen- und Reparaturarbeiten zum täglichen Bedarf eines Dorfes gehörten.
Nach der Schule trat Horch in die Werkstatt seines Vaters ein und erlernte das Schmiedehandwerk. Die Sächsische Biografie und das Deutsche Historische Museum führen diesen handwerklichen Einstieg ausdrücklich als Ausgangspunkt seines Lebenswegs. Nach bestandener Gesellenprüfung ging Horch ab 1884 auf Wanderschaft.
Diese Jahre führten ihn durch Deutschland, Österreich-Ungarn, Serbien und Bulgarien. Er arbeitete nicht ausschließlich als klassischer Dorfschmied, sondern sammelte Erfahrungen in unterschiedlichen technischen Betrieben und Gewerken. Gerade darin lag der Sinn der Wanderschaft: Ein Geselle lernte andere Werkstätten, Verfahren, Arbeitsorganisationen und Maschinen kennen, bevor er sich dauerhaft band.
Vom Schmiedegesellen zum Maschinenbauingenieur
1888 begann Horch am Technikum Mittweida ein Studium des Maschinen- und Motorenbaus. Der Schritt bedeutete keinen Bruch mit seinem Handwerk, sondern dessen Erweiterung. Metall musste nun nicht nur geformt und angepasst, sondern auch rechnerisch dimensioniert, gezeichnet und als Teil komplexer Maschinen verstanden werden.
Nach dem Abschluss arbeitete Horch zunächst auf einer Rostocker Werft im Konstruktionsbüro für Schiffsmaschinen. Ab 1892 war er in Leipzig an Maschinen- und Motorenprojekten beteiligt. 1896 wechselte er zu Benz & Cie. nach Mannheim und übernahm dort die Leitung des Motorwagenbaus. Damit kam er unmittelbar in eines der wichtigsten frühen Zentren des Automobilbaus.
Horch wollte das Automobil technisch konsequenter weiterentwickeln, als es ihm in der bestehenden Unternehmensstruktur möglich erschien. Deshalb gründete er am 14. November 1899 in Köln-Ehrenfeld A. Horch & Cie. Anfangs übernahm die Werkstatt Reparaturen und Ausrüstungsarbeiten; bald entstanden eigene Fahrzeuge.
Bei diesen frühen Wagen setzte Horch auf Lösungen, die für bessere Gebrauchseigenschaften sorgen sollten: Er arbeitete an einem besonders ruhig laufenden Motor, verwendete früh die Kardanwelle zur Kraftübertragung und setzte leichte Aluminiumgussteile für Motor- und Getriebegehäuse sowie hochfeste Stähle für Zahnräder ein. Audi ordnet mehrere dieser Anwendungen als frühe beziehungsweise in Deutschland wegweisende Lösungen ein.
Zwei Firmengründungen: Horch und Audi
Das erste Horch-Unternehmen zog 1902 nach Reichenbach und 1904 nach Zwickau. Mit wachsendem Kapitalbedarf wurde aus der Gründerwerkstatt eine Aktiengesellschaft. Horch blieb technischer Direktor, musste seine Entscheidungen nun aber gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat vertreten.
1909 eskalierten die Konflikte mit der kaufmännischen Leitung und dem Aufsichtsrat. Horch verließ das Unternehmen, das seinen eigenen Namen trug. Noch im selben Jahr gründete er in Zwickau eine zweite Automobilfirma. Den Namen Horch durfte er wegen des Markenrechts nicht erneut verwenden.
Die Lösung wurde berühmt: Das deutsche „Horch!“ wurde ins Lateinische übertragen – „Audi!“. Seit 1910 firmierte das neue Unternehmen als Audi Automobilwerke. Besonders die Erfolge bei der Internationalen Österreichischen Alpenfahrt von 1912 bis 1914 machten Audi weithin bekannt. Horch setzte Zuverlässigkeitsfahrten gezielt ein, um die Qualität seiner Konstruktionen unter realer Belastung zu beweisen.
Seine persönliche Rolle im aktiven Automobilbau nahm später ab. In den 1920er Jahren arbeitete Horch zunehmend als Sachverständiger und Gutachter. 1932 entstand die Auto Union aus Audi, Horch, DKW und Wanderer; Horch wurde in den Aufsichtsrat berufen. Die vier Ringe erinnern bis heute an diesen Zusammenschluss.
Persönlicher Lebenslauf
- Geburt am 12. Oktober in Winningen als Sohn des Schmieds und Winzers Karl Friedrich Horch und seiner Frau Helene.
- Früher Tod seiner Mutter; August wächst anschließend im neu geordneten Familienhaushalt des Vaters auf.
- Schmiedelehre beim Vater und mehrjährige Gesellenwanderschaft durch Mittel- und Südosteuropa.
- Heirat mit Anna Elisabeth Schulz in Leipzig.
- Die Ehe bleibt nach den biografischen Quellen ohne leibliche Kinder; Eberhard und Liselotte Reichenbach werden als Adoptivkinder Teil der Familie.
- Tod seiner ersten Frau Anna Elisabeth sowie seines Adoptivsohns Eberhard.
- Zweite Ehe mit Else Kolmar, geborene Moll.
- Tod am 3. Februar in Münchberg. Beisetzung in seinem Geburtsort Winningen.
Beruflicher Lebenslauf
- Schmiedelehre in der väterlichen Werkstatt in Winningen und Gesellenprüfung.
- Wanderschaft und praktische Arbeit in Deutschland, Österreich-Ungarn, Serbien und Bulgarien.
- Studium des Maschinen- und Motorenbaus am Technikum Mittweida.
- Konstrukteur im Schiffsmaschinenbau auf einer Rostocker Werft.
- Maschinenbauarbeit in Leipzig, darunter Verbrennungsmotorenprojekte.
- Leitung des Motorwagenbaus bei Benz & Cie. in Mannheim.
- Gründung von A. Horch & Cie. in Köln.
- Eigene Horch-Motorwagen kommen auf die Straße.
- Umzüge nach Reichenbach und Zwickau; Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft.
- Ausscheiden aus den Horch-Werken und Gründung eines zweiten Automobilunternehmens.
- Der neue Markenname Audi wird etabliert.
- Drei aufeinanderfolgende Audi-Erfolge bei der Österreichischen Alpenfahrt.
- Rückzug aus der aktiven Leitung und Arbeit als Automobil-Sachverständiger in Berlin.
- Mit der Gründung der Auto Union Aufsichtsratsmitglied und technischer Berater.
Vom Schmied zum Automobilbauer


Quellen & Weiterführendes
- Audi: Portrait August Horch 1868–1951
- Audi: Unternehmenshistorie – von Horch zu Audi
- Deutsches Historisches Museum / LeMO: August Horch
- Sächsische Biografie: August Horch
- Wikimedia Commons und Bundesarchiv: historische Porträt- und Fahrzeugabbildungen mit ausgewiesenem Lizenzstatus.
Geschichte des Schmiedehandwerks
Feuer, Amboss, Metallformung und die handwerkliche Ausgangsbasis vieler späterer Maschinenberufe.