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61 · Schmied · Maschinenbau · Winningen, Köln & Zwickau

August Horch

August Horch begann in der Schmiede seines Vaters, zog als Geselle durch Mitteleuropa und wurde erst danach Maschinenbauingenieur. Aus diesem handwerklich-technischen Weg entstanden zwei Automobilunternehmen: Horch und später Audi. Sein Name steht damit nicht nur für eine Marke, sondern für den Übergang vom Schmiedefeuer zur frühen Automobilindustrie.

Geboren
12. Oktober 1868 · Winningen an der Mosel
Gestorben
3. Februar 1951 · Münchberg
Handwerk
Schmied, Maschinenbauer, Automobilingenieur
Berühmt für
Gründung von Horch und Audi sowie technische Neuerungen im frühen Automobilbau
August Horch im Jahr 1906
August Horch 1906, wenige Jahre nach dem Aufbau seiner Automobilproduktion in Sachsen. Historische Aufnahme, Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Horch ist ein besonders gutes Beispiel dafür, wie sich das Handwerk im 19. Jahrhundert veränderte. Seine ersten Werkzeuge gehörten in eine Dorfschmiede. Später arbeitete er im Brückenbau, an Maschinen und Schiffsmotoren, studierte Maschinenbau und stand schließlich vor der Frage, wie sich ein noch junges Verkehrsmittel technisch zuverlässig und in guter Qualität fertigen ließ.

Kindheit in der Schmiede von Winningen

August Horch wurde am 12. Oktober 1868 in Winningen an der Mosel geboren. Sein Vater Karl Friedrich Horch war Schmied und Winzer, seine Mutter Helene, geborene Michel, starb bereits 1874. August besuchte die Volksschule seines Heimatorts. Die väterliche Schmiede gehörte zu jener lokalen Handwerkswelt, in der Werkzeuge, Hufeisen, Beschläge, Wagen- und Reparaturarbeiten zum täglichen Bedarf eines Dorfes gehörten.

Nach der Schule trat Horch in die Werkstatt seines Vaters ein und erlernte das Schmiedehandwerk. Die Sächsische Biografie und das Deutsche Historische Museum führen diesen handwerklichen Einstieg ausdrücklich als Ausgangspunkt seines Lebenswegs. Nach bestandener Gesellenprüfung ging Horch ab 1884 auf Wanderschaft.

Diese Jahre führten ihn durch Deutschland, Österreich-Ungarn, Serbien und Bulgarien. Er arbeitete nicht ausschließlich als klassischer Dorfschmied, sondern sammelte Erfahrungen in unterschiedlichen technischen Betrieben und Gewerken. Gerade darin lag der Sinn der Wanderschaft: Ein Geselle lernte andere Werkstätten, Verfahren, Arbeitsorganisationen und Maschinen kennen, bevor er sich dauerhaft band.

Vom Schmiedegesellen zum Maschinenbauingenieur

1888 begann Horch am Technikum Mittweida ein Studium des Maschinen- und Motorenbaus. Der Schritt bedeutete keinen Bruch mit seinem Handwerk, sondern dessen Erweiterung. Metall musste nun nicht nur geformt und angepasst, sondern auch rechnerisch dimensioniert, gezeichnet und als Teil komplexer Maschinen verstanden werden.

Nach dem Abschluss arbeitete Horch zunächst auf einer Rostocker Werft im Konstruktionsbüro für Schiffsmaschinen. Ab 1892 war er in Leipzig an Maschinen- und Motorenprojekten beteiligt. 1896 wechselte er zu Benz & Cie. nach Mannheim und übernahm dort die Leitung des Motorwagenbaus. Damit kam er unmittelbar in eines der wichtigsten frühen Zentren des Automobilbaus.

Horch wollte das Automobil technisch konsequenter weiterentwickeln, als es ihm in der bestehenden Unternehmensstruktur möglich erschien. Deshalb gründete er am 14. November 1899 in Köln-Ehrenfeld A. Horch & Cie. Anfangs übernahm die Werkstatt Reparaturen und Ausrüstungsarbeiten; bald entstanden eigene Fahrzeuge.

Bei diesen frühen Wagen setzte Horch auf Lösungen, die für bessere Gebrauchseigenschaften sorgen sollten: Er arbeitete an einem besonders ruhig laufenden Motor, verwendete früh die Kardanwelle zur Kraftübertragung und setzte leichte Aluminiumgussteile für Motor- und Getriebegehäuse sowie hochfeste Stähle für Zahnräder ein. Audi ordnet mehrere dieser Anwendungen als frühe beziehungsweise in Deutschland wegweisende Lösungen ein.

Zwei Firmengründungen: Horch und Audi

Das erste Horch-Unternehmen zog 1902 nach Reichenbach und 1904 nach Zwickau. Mit wachsendem Kapitalbedarf wurde aus der Gründerwerkstatt eine Aktiengesellschaft. Horch blieb technischer Direktor, musste seine Entscheidungen nun aber gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat vertreten.

1909 eskalierten die Konflikte mit der kaufmännischen Leitung und dem Aufsichtsrat. Horch verließ das Unternehmen, das seinen eigenen Namen trug. Noch im selben Jahr gründete er in Zwickau eine zweite Automobilfirma. Den Namen Horch durfte er wegen des Markenrechts nicht erneut verwenden.

Die Lösung wurde berühmt: Das deutsche „Horch!“ wurde ins Lateinische übertragen – „Audi!“. Seit 1910 firmierte das neue Unternehmen als Audi Automobilwerke. Besonders die Erfolge bei der Internationalen Österreichischen Alpenfahrt von 1912 bis 1914 machten Audi weithin bekannt. Horch setzte Zuverlässigkeitsfahrten gezielt ein, um die Qualität seiner Konstruktionen unter realer Belastung zu beweisen.

Seine persönliche Rolle im aktiven Automobilbau nahm später ab. In den 1920er Jahren arbeitete Horch zunehmend als Sachverständiger und Gutachter. 1932 entstand die Auto Union aus Audi, Horch, DKW und Wanderer; Horch wurde in den Aufsichtsrat berufen. Die vier Ringe erinnern bis heute an diesen Zusammenschluss.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 12. Oktober in Winningen als Sohn des Schmieds und Winzers Karl Friedrich Horch und seiner Frau Helene.
  • Früher Tod seiner Mutter; August wächst anschließend im neu geordneten Familienhaushalt des Vaters auf.
  • Schmiedelehre beim Vater und mehrjährige Gesellenwanderschaft durch Mittel- und Südosteuropa.
  • Heirat mit Anna Elisabeth Schulz in Leipzig.
  • Die Ehe bleibt nach den biografischen Quellen ohne leibliche Kinder; Eberhard und Liselotte Reichenbach werden als Adoptivkinder Teil der Familie.
  • Tod seiner ersten Frau Anna Elisabeth sowie seines Adoptivsohns Eberhard.
  • Zweite Ehe mit Else Kolmar, geborene Moll.
  • Tod am 3. Februar in Münchberg. Beisetzung in seinem Geburtsort Winningen.

Beruflicher Lebenslauf

  • Schmiedelehre in der väterlichen Werkstatt in Winningen und Gesellenprüfung.
  • Wanderschaft und praktische Arbeit in Deutschland, Österreich-Ungarn, Serbien und Bulgarien.
  • Studium des Maschinen- und Motorenbaus am Technikum Mittweida.
  • Konstrukteur im Schiffsmaschinenbau auf einer Rostocker Werft.
  • Maschinenbauarbeit in Leipzig, darunter Verbrennungsmotorenprojekte.
  • Leitung des Motorwagenbaus bei Benz & Cie. in Mannheim.
  • Gründung von A. Horch & Cie. in Köln.
  • Eigene Horch-Motorwagen kommen auf die Straße.
  • Umzüge nach Reichenbach und Zwickau; Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft.
  • Ausscheiden aus den Horch-Werken und Gründung eines zweiten Automobilunternehmens.
  • Der neue Markenname Audi wird etabliert.
  • Drei aufeinanderfolgende Audi-Erfolge bei der Österreichischen Alpenfahrt.
  • Rückzug aus der aktiven Leitung und Arbeit als Automobil-Sachverständiger in Berlin.
  • Mit der Gründung der Auto Union Aufsichtsratsmitglied und technischer Berater.

Vom Schmied zum Automobilbauer

Quellen & Weiterführendes

Berühmter Handwerker · Schmiedegeselle · Maschinenbauer · Automobilpionier · 1868–1951

August Horch – von der Schmiede in die Automobilfabrik

August Horchs Weg begann nicht am Zeichentisch, sondern im Handwerk. Nach der Gesellenprüfung als Schmied ging er auf Wanderschaft, studierte Maschinen- und Motorenbau und arbeitete sich über Schiffbau und Motorenkonstruktion bis zum Automobil vor. Mit Horch und später Audi prägte er den frühen Fahrzeugbau in Zwickau – als Konstrukteur, Unternehmer und Organisator von Werkstatt- und Fabrikarbeit.

1884–1887 Schmiedegeselle auf Wanderschaft1896 Betriebsleiter bei Benz & Co.1899 Gründung von August Horch & Cie.1910 Eintragung der Audi Automobilwerke
August Horch in einem Horch-PKW bei der Prinz-Heinrich-Fahrt 1908
August Horch in einem Horch-PKW, 1908. Bundesarchiv, Bild 183-T1129-501 via Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 DE.

Handwerk vor Hochschule

August Horch wurde am 12. Oktober 1868 in Winningen an der Mosel geboren. Sein Vater Karl Horch war Schmied und Winzer. Der Sohn lernte zunächst selbst das Schmiedehandwerk und bestand die Gesellenprüfung. Von 1884 bis 1887 ging er auf Wanderschaft und arbeitete in Deutschland, Österreich-Ungarn, Serbien und Bulgarien. Damit begann seine technische Laufbahn mit Material, Werkzeug, Reparatur und praktischer Arbeit – lange bevor Automobile sein Beruf wurden.

Von 1888 bis 1890 absolvierte Horch am Technikum Mittweida in Sachsen eine Ausbildung zum Ingenieur für Maschinen- und Motorenbau. Es folgten Stationen im Schiffsmaschinenbau in Rostock und bei der Entwicklung eines Verbrennungsmotors für ein Torpedoschiff in Leipzig. 1896 holte Carl Benz ihn nach Mannheim und ernannte ihn zum Betriebsleiter des Motorenwagenbaus.

Vom Gesellenbrief zur eigenen Automobilfirma

1868

Geboren in Winningen an der Mosel als Sohn des Schmieds und Winzers Karl Horch.

1884–1887

Nach der Schmiedegesellenprüfung arbeitet Horch auf Wanderschaft in mehreren Ländern Mittel- und Südosteuropas.

1888–1890

Ausbildung zum Ingenieur für Maschinen- und Motorenbau am Technikum Mittweida.

1896

Carl Benz beruft Horch zum Betriebsleiter des Motorenwagenbaus bei Benz & Co. in Mannheim.

1899

In Köln-Ehrenfeld gründet Horch mit einem Teilhaber die Firma August Horch & Cie. – zunächst mit Reparaturen und eigener Fahrzeugkonstruktion.

1902 / 1904

Der Betrieb zieht erst nach Reichenbach im Vogtland und anschließend nach Zwickau. Dort beginnt die prägende sächsische Phase.

1909

Nach Streitigkeiten mit Teilhabern verlässt Horch das von ihm gegründete Unternehmen und verliert die Rechte am Firmennamen.

1910

Sein neues Unternehmen wird als Audi Automobilwerke GmbH eingetragen – „Audi“ ist die lateinische Entsprechung des Imperativs „Horch!“.

Die Werkstatt wird zur Fabrik

Horch gehört zu jener Generation, in der sich Fahrzeugbau von der experimentellen Einzelanfertigung zu einer arbeitsteiligen Industrie entwickelte. Der Schritt war größer als nur „mehr Autos bauen“: Motoren, Kupplungen, Getriebe, Wellen, Rahmen, Lenkung, Bremsen und Karosserien mussten zuverlässig zusammenarbeiten und wiederholbar gefertigt werden. Aus dem Können einzelner Handwerker entstand ein System aus Konstruktion, Werkstatt, Prüfständen, Zulieferern und Serienorganisation.

Horch war dabei weder ein einsamer Erfinder noch alleiniger Hersteller seiner Fahrzeuge. Ingenieure, Meister, Mechaniker, Former, Schmiede, Dreher, Fräser, Karosseriebauer und viele weitere Fachkräfte machten die Automobile überhaupt möglich. Seine besondere Rolle lag darin, technische Ideen, praktische Fertigung und Unternehmensorganisation zusammenzuführen.

Belegte Leistungen und Unternehmensgeschichte

Horch & Cie., 1899

Die Gründung in Köln-Ehrenfeld markiert Horchs Schritt in die Selbständigkeit. Neben Reparaturen konzentrierte sich der Betrieb früh auf eigene Personenkraftwagen.

Zwickau, 1904

Mit dem Umzug nach Zwickau wurde Sachsen zum Zentrum der Horch-Produktion. Das August Horch Museum zeigt heute einen rekonstruierten Horch 14–17 PS Tonneau als Fahrzeugtyp des Zwickauer Produktionsbeginns.

Audi, 1910

Nach dem Ausscheiden aus der ersten Firma durfte Horch seinen Familiennamen nicht erneut als Marke verwenden. Das neue Unternehmen wurde am 25. April 1910 als Audi Automobilwerke GmbH registriert.

Alpenfahrten 1911–1914

Audi-Fahrzeuge traten bei der Österreichischen Alpenfahrt an. Die Erfolge machten die junge Marke bekannt; sie waren das Ergebnis von Konstruktion, Fertigung, Fahrern und Werkstattteams.

Werkzeuge und Werkstattpraxis

Direkt für August Horch belegt

Gesichert sind seine Ausbildung und Gesellenprüfung als Schmied, die praktische Wanderschaft, die anschließende Maschinenbauausbildung und seine Arbeit in Motoren- und Fahrzeugbetrieben. Ein im August Horch Museum gezeigtes Hochrad wird als von Horch 1886 gebaut bezeichnet; diese Zuordnung wird hier als Museumszuschreibung behandelt, nicht als Beleg für eine vollständig erhaltene persönliche Werkzeugausstattung.

Für Handwerk und Werkstattzeit belegt

Zum Schmiedehandwerk seiner Ausbildungszeit gehören Feuerstelle, Amboss, Hämmer und Zangen. Im frühen Motoren- und Automobilbau kamen Feilen, Bohrer, Messmittel, Schraub- und Spannwerkzeuge sowie zunehmend Werkzeugmaschinen hinzu. Diese Werkzeuge gehören zum fachlichen Umfeld – sie werden nicht pauschal als persönlicher Besitz Horchs ausgegeben.

Zwickau: aus einer Firmengeschichte wird eine Industrieregion

1904 zog Horchs Unternehmen nach Zwickau. Wenige Jahre später entstand dort auch Audi. Die Stadt entwickelte sich damit zu einem wichtigen Zentrum des deutschen Automobilbaus. 1932 wurden Audi, Horch, DKW und die Automobilsparte von Wanderer zur Auto Union zusammengeschlossen; die vier Ringe standen für diese vier Marken. Horch selbst wurde 1933 in den Aufsichtsrat der Auto Union gewählt.

Für das Zunftlexikon ist diese Entwicklung besonders interessant: Sie zeigt, wie traditionelle Metallberufe, Maschinenbau und neue industrielle Facharbeit ineinandergriffen. Der Automobilbau verdrängte Handwerk nicht einfach – er bündelte und spezialisierte zahlreiche handwerkliche Fähigkeiten in einer neuen Produktionsform.

Bilder aus Werkstatt, Unternehmen und Nachwirkung

Im Zunftlexikon weiterlesen

Quellen und Vertiefung

Bildnachweise und Lizenzangaben stehen jeweils direkt an den Abbildungen. Spätere Fahrzeuge und Unternehmensobjekte werden als Unternehmens- bzw. Nachwirkung gezeigt und nicht als persönliche Einzelarbeiten Horchs ausgegeben.