Zunftlexikon · Grundlagen

Ausbildung Dachdecker/in – Betrieb, Berufsschule, Gesellen- und Meisterprüfung

Grundlagen, Begriffe und regionale Unterschiede des historischen Zunftwesens.

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Grundlagen des Zunftwesens

Dachdecker und Dachdeckerinnen schützen Gebäude vor Witterung, dichten Dächer und Bauwerke ab, bekleiden Außenwände und verbinden traditionelle Decktechniken mit Bauphysik, energetischer Sanierung, Photovoltaik, Dachbegrünung und moderner Sicherheitstechnik. Diese Seite beschreibt den vollständigen Ausbildungs- und Prüfungsweg bis zur Meisterprüfung.

Reetdachdecker bei der handwerklichen Arbeit auf einem Dach
Reetdachdecker bei der Arbeit. Die Reetdachtechnik ist einer von fünf Schwerpunkten der heutigen Ausbildung. Bildquelle: Sven Türck/Wikimedia Commons.
Aktueller Rechtsstand: 31. August 2026. Grundlage ist die Dachdeckerausbildungsverordnung vom 28. April 2016. Die Ausbildung dauert 36 Monate und wird in einem von fünf Schwerpunkten vertieft. Prüfungstermine, Zulassung und zugelassene Hilfsmittel werden durch die zuständige Handwerkskammer beziehungsweise den Prüfungsausschuss konkretisiert.

Beruf in Kürze

Abschluss Dachdecker/Dachdeckerin, anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk
Ausbildungsdauer 36 Monate
Lernorte Ausbildungsbetrieb, Berufsschule und verpflichtende überbetriebliche Ausbildungsstätten
Zuständige Stelle Regional zuständige Handwerkskammer
Rechtsgrundlage Dachdeckerausbildungsverordnung von 2016
Fortbildungsabschluss Dachdeckermeister/Dachdeckermeisterin

Die fünf Schwerpunkte

  • Dachdeckungstechnik: geneigte Dächer unter anderem mit Dachziegeln, Dachsteinen, Schiefer, Platten oder Schindeln decken.
  • Abdichtungstechnik: flache und geneigte Flächen sowie Bauwerke mit bahnenförmigen oder flüssigen Werkstoffen abdichten.
  • Außenwandbekleidungstechnik: Fassadenbekleidungen einschließlich Unterkonstruktion, Dämmung, An- und Abschlüssen herstellen.
  • Energietechnik an Dach und Wand: Energiesammler und Energieumsetzer wie Photovoltaik- und Solarthermieelemente vorbereiten und in die Gebäudehülle integrieren.
  • Reetdachtechnik: Dachflächen mit Reet durch Binden, Schrauben oder Nähen decken und typische Details ausführen.

Der Schwerpunkt vertieft einen Teil des Berufs. Die gemeinsamen Kernkompetenzen der Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik bleiben für alle Auszubildenden wichtig und prüfungsrelevant.

Was im Ausbildungsbetrieb gelernt wird

Erstes Ausbildungsjahr: Baugrundlagen und Sicherheit

  • Baustellen einrichten, sichern und räumen
  • persönliche Schutzausrüstung und Absturzsicherung richtig einsetzen
  • Gerüste, Leitern, Transport- und Hebemittel beurteilen und benutzen
  • Werkstoffe prüfen, lagern, zuschneiden und bearbeiten
  • einfache Dachflächen einteilen und mit Dachziegeln oder Dachsteinen decken
  • Grundlagen von Mauerwerk, Stahlbeton, Holz und Bekleidungen anwenden
  • Längen, Flächen, Neigungen und Materialmengen berechnen

Zweites Ausbildungsjahr: Dachaufbau, Entwässerung und Abdichtung

  • Dachrinnen, Fallrohre und Notentwässerungen planen und montieren
  • wärmegedämmte Dachaufbauten mit ihren Funktionsschichten herstellen
  • Dächer mit Ziegeln, Dachsteinen, Schiefer, Faserzementplatten oder Schindeln decken
  • Dachflächen mit Kunststoff- oder Bitumenbahnen abdichten
  • Außenwandflächen bekleiden
  • Unterkonstruktionen, Windsogsicherung, Wärme-, Feuchte-, Brand- und Schallschutz berücksichtigen
  • Arbeitsabläufe, Materiallisten und Detailzeichnungen erstellen

Drittes Ausbildungsjahr: Details, Schwerpunkt und Instandhaltung

  • komplexe An- und Abschlüsse, Kehlen, Grate, Traufen, Firste und Durchdringungen herstellen
  • geneigte Dächer mit Metall oder – im Schwerpunkt – Reet decken
  • Dach- und Bauwerksabdichtungen einschließlich Details ausführen
  • Fassadenanschlüsse und Außenwanddetails herstellen
  • Energiesammler, Blitzschutzanlagen und Einbauteile montieren
  • Dächer und Außenwände prüfen, warten, reparieren und sanieren
  • Aufträge nach technischen, wirtschaftlichen und ökologischen Kriterien ausführen und dokumentieren

Überbetriebliche Ausbildung

Die Dachdeckerausbildungsverordnung schreibt Ausbildungszeiten in überbetrieblichen Ausbildungsstätten vor. Dort werden Techniken geübt, die ein einzelner Betrieb nicht in ausreichender Breite oder zum passenden Zeitpunkt vermitteln kann. Dazu können Deckungen, Abdichtungen, Metallarbeiten, Fassadentechnik, Sicherheit, Gerüst- und Anschlusstechniken sowie Schwerpunktinhalte gehören. Ausbildungsbetrieb, Berufsschule und überbetriebliche Bildungsstätte müssen deshalb eng zusammenarbeiten.

Was in der Berufsschule gelernt wird

Der KMK-Rahmenlehrplan enthält 17 Lernfelder mit insgesamt 880 Richtstunden. Die Lernfelder 1 bis 9 sind wegen der Zwischenprüfung in den ersten drei Ausbildungshalbjahren zu behandeln.

Ausbildungsjahr Schwerpunkte der Berufsschule
1. Jahr Baustelleneinrichtung, Dachziegel- und Dachsteindeckung, Mauerwerk, Stahlbeton, Holzkonstruktionen sowie Beschichten und Bekleiden von Bauteilen.
2. Jahr Niederschlagswasser ableiten, gedämmte Ziegel- und Dachsteindeckungen, Schiefer/Faserzement/Schindeln, Dachabdichtungen und Außenwandbekleidungen.
3. Jahr Metalldeckungen, Details geneigter Dächer oder Reetdeckung, Abdichtungsdetails und Bauwerksabdichtung, Wandanschlüsse, Energiesammler, Blitzschutz, Einbauteile und Instandhaltung.

Bauphysik, technisches Zeichnen, Mathematik, Materialkunde, Kundenauftrag, Qualität, Nachhaltigkeit und Arbeitssicherheit werden in die Lernfelder integriert. Die Gebäudehülle wird als zusammenhängendes energetisches System betrachtet.

Zwischenprüfung

Die Zwischenprüfung findet in der Regel vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres statt und bezieht sich auf die ersten drei Ausbildungshalbjahre.

  • Praktischer Prüfungsbereich: drei Arbeitsproben in insgesamt fünf Stunden. Teilflächen werden gedeckt, abgedichtet und bekleidet; Sicherheit, Arbeitsorganisation und Qualität gehören zur Bewertung.
  • Schriftlicher Prüfungsbereich Dach- und Wandtechnik: 120 Minuten. Geprüft werden Werk- und Hilfsstoffe, Berechnungen, Skizzen, Fachzeichnungen, Sicherheit, Umweltschutz, Arbeitsorganisation und Qualitätssicherung.

Gesellenprüfung im Detail

Prüfungsbereich Form und Dauer Gewichtung
Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik Arbeitsaufgabe, insgesamt 14 Stunden; darin situatives Fachgespräch von höchstens 20 Minuten 60 %
Dachdeckungen und Außenwandbekleidungen schriftlich, 150 Minuten 15 %
Abdichtungen schriftlich, 90 Minuten 15 %
Wirtschafts- und Sozialkunde schriftlich, 60 Minuten 10 %

Die praktische Arbeitsaufgabe berücksichtigt den Ausbildungsschwerpunkt. Erwartet werden eine fachgerechte Ausführung, sichere Arbeitsweise, Arbeitsorganisation, wirtschaftlicher Materialeinsatz, Qualitätssicherung und die Begründung des Vorgehens.

Bestanden ist die Prüfung, wenn das Gesamtergebnis mindestens ausreichend ist, mindestens drei Prüfungsbereiche mindestens ausreichend sind und kein Prüfungsbereich ungenügend ist. Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann in einem der drei schriftlichen Bereiche eine etwa 15-minütige mündliche Ergänzungsprüfung stattfinden; bisheriges Ergebnis und Ergänzungsprüfung werden dann 2:1 gewichtet.

So bereitest du dich auf die Gesellenprüfung vor

  • Die Prüfungsanforderungen der eigenen Kammer mindestens sechs Monate vorher beschaffen.
  • Eine vollständige praktische Arbeitsaufgabe mehrfach unter realer Zeitbegrenzung ausführen.
  • Arbeitsplatz, Absturzsicherung, Materialfluss und Werkzeugreihenfolge vor Beginn planen.
  • Dachflächen, Decklängen, Lattweiten, Materialmengen, Entwässerung und Zuschnitt regelmäßig berechnen.
  • Detailzeichnungen und Schichtenfolgen aus dem Gedächtnis erstellen und anschließend mit Regelwerk und Herstellerangaben kontrollieren.
  • Zu jeder Ausführung bauphysikalische Funktion, Werkstoffwahl, Befestigung und mögliche Fehler erklären können.
  • Schwerpunkttechniken nicht isoliert üben; gemeinsame Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik bleibt prüfungsrelevant.
  • Berichtsheft, ÜLU-Nachweise und Zulassungsunterlagen frühzeitig prüfen lassen.
Typischer Prüfungsfehler: Eine handwerklich saubere Oberfläche genügt nicht, wenn Unterkonstruktion, Schichtenfolge, Befestigung, Entwässerung oder Arbeitssicherheit nicht stimmen. Bewertet wird die funktionsfähige Gesamtlösung.

Vom Gesellen zum Dachdeckermeister

Die Meisterprüfung umfasst vier selbstständige Teile: meisterhafte Fachpraxis, Fachtheorie, betriebswirtschaftliche/kaufmännische/rechtliche Kenntnisse sowie Berufs- und Arbeitspädagogik. Vorbereitungskurse und Prüfungen werden von Handwerkskammern und Bildungszentren angeboten. Termine, Gebühren, Anrechnungsmöglichkeiten und Zulassung sind vor Ort zu prüfen.

Teil I – Meisterprüfungsprojekt, Fachgespräch und Situationsaufgabe

Das Meisterprüfungsprojekt bildet einen Kundenauftrag ab und umfasst Planung, Durchführung und Dokumentation. Möglich ist beispielsweise eine anspruchsvolle Dachdeckung mit Kehle oder geschweifter Fläche beziehungsweise eine komplexe Dachabdichtung mit Außen- und Innenecke, Randabschluss, Durchdringung, Einlauf, Wandanschluss und Dehnungsfuge.

  • Planungs- und Kalkulationsunterlagen: 20 % des Projekts
  • durchgeführte Arbeiten: 60 %
  • Dokumentation: 20 %

Das Projekt soll höchstens drei Arbeitstage dauern. Das anschließende Fachgespräch dauert höchstens 30 Minuten. Hinzu kommt eine Situationsaufgabe von höchstens acht Stunden. Projekt und Fachgespräch werden 3:1 gewichtet; ihre gemeinsame Bewertung zählt gegenüber der Situationsaufgabe 2:1. Insgesamt muss mindestens eine ausreichende Leistung erreicht werden; keine der drei Einzelleistungen darf unter 30 Punkten liegen.

Teil II – Fachtheorie

Die drei Handlungsfelder sind Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik, Auftragsabwicklung sowie Betriebsführung und Betriebsorganisation. In jedem Handlungsfeld ist mindestens eine fallorientierte Aufgabe zu bearbeiten. Die schriftliche Prüfung soll je Handlungsfeld höchstens drei Stunden dauern; pro Tag dürfen sechs Stunden nicht überschritten werden.

Vorbereitung auf die Meisterprüfung

  • Das Meisterprojekt wie einen echten Kundenauftrag mit Aufmaß, Entwurf, Material, Zeit, Kosten, Ausführung und Abnahme planen.
  • Projektentscheidungen hinsichtlich Regelwerk, Bauphysik, Sicherheit, Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit begründen.
  • Kritische Details mehrfach als Muster ausführen und dokumentieren.
  • Fachgespräche mit Gegenfragen zu Alternativen, Schäden, Nachträgen und Reklamationen simulieren.
  • Fallaufgaben zu Dachaufbau, Abdichtung, Entwässerung, Kalkulation, Personal, Softwareeinsatz und Betriebsorganisation bearbeiten.
  • Teil III mit Angebotskalkulation, Finanzierung und Recht sowie Teil IV mit einer realistischen Ausbildungssituation verbinden.

Weiterbildung und berufliche Wege

Nach der Gesellenprüfung sind Spezialisierungen unter anderem in Schiefer-, Reet-, Metall-, Abdichtungs-, Fassaden-, Energie- und Solartechnik, Dachbegrünung, Bauleitung, Kalkulation, Begutachtung oder Restaurierung möglich. Der Meisterabschluss eröffnet Wege in Betriebsleitung, Ausbildung und Selbstständigkeit.

Weiterführende Bereiche

Amtliche Quellen

Redaktioneller Stand: 31. August 2026. Die Seite erläutert den bundesweiten Rahmen. Maßgeblich sind die zum jeweiligen Ausbildungs- und Prüfungszeitpunkt geltenden Vorschriften und die Mitteilungen der zuständigen Handwerkskammer.

AUTOR · RECHERCHE · EINORDNUNG

Über Recherche und Quellenkritik

M. Achberger

Für das Zunftlexikon werden historische Ordnungen, Museumsbestände, wissenschaftliche Nachschlagewerke und digitale Originalquellen miteinander verglichen. Regionale und zeitliche Unterschiede werden ausdrücklich gekennzeichnet.

Historische Recherche · Quellenkritik · Handwerksgeschichte

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