Grundlagen des Zunftwesens
Tischlerinnen und Tischler – regional auch Schreinerinnen und Schreiner – gestalten und fertigen Möbel, Türen, Fenster, Treppen und Innenausbauten. Der Beruf verbindet Werkstoffwissen, Konstruktion, Gestaltung, Maschinenarbeit, Montage und Kundenkontakt.

Stand 31. August 2026: Die Ausbildung dauert 36 Monate. Rechtsgrundlage ist die Tischlerausbildungsverordnung von 2006. Zuständig ist grundsätzlich die Handwerkskammer.
Beruf auf einen Blick
| Dauer | 3 Jahre / 36 Monate |
|---|---|
| Lernorte | Betrieb, Berufsschule und häufig ÜLU |
| Materialien | Massivholz, Furnier, Holzwerkstoffe, Kunststoffe, Glas, Metall und Beschläge |
| Abschluss | Gesellenprüfung; zuvor Zwischenprüfung |
Was man im Betrieb lernt
Am Anfang stehen Holzarten, Werkstofffeuchte, Handwerkzeuge, Messen, Anreißen, Sägen, Hobeln und sichere Maschinenbedienung. Danach folgen klassische und moderne Verbindungen, Plattenzuschnitt, Furnieren, Oberflächen, Beschläge und Montage. Später planen Auszubildende Kundenaufträge, erstellen Zeichnungen und Stücklisten, nutzen CAD und programmierbare Maschinen, kalkulieren Material und kontrollieren Qualität.
Was die Berufsschule vermittelt
Die Lernfelder führen vom Herstellen einfacher Produkte über Möbel, Systemmöbel, Türen, Fenster und Innenausbauten bis zu Montage, Service und individuellen Kundenaufträgen. Konstruktion, Gestaltung, technisches Zeichnen, Fachrechnen, Werkstoffkunde, CNC-Grundlagen und WiSo werden miteinander verknüpft.
Überbetriebliche Unterweisung
Je nach Region vertieft die ÜLU Maschinenkurse, Oberflächentechnik, CNC, Montage, Sicherheit oder besondere Verbindungstechniken. Sie ersetzt nicht den Betrieb, sondern stellt sicher, dass auch spezialisierte Ausbildungsbetriebe das breite Berufsbild abdecken.
Zwischenprüfung
Die Zwischenprüfung dient der Standortbestimmung und fließt nach der geltenden Ordnung nicht als Teilnote in das Gesellenergebnis ein. Geprüft werden Fertigkeiten und Kenntnisse aus dem bisherigen Verlauf. Die zuständige Kammer informiert über konkreten Termin, Werkstück, Unterlagen und Hilfsmittel.
Praktische Gesellenprüfung
Es gibt zwei Arbeitsaufgaben. Arbeitsaufgabe I dauert höchstens 7 Stunden. Arbeitsaufgabe II bildet einen Kundenauftrag ab und darf höchstens 100 Stunden umfassen; hinzu kommen Dokumentation und ein Fachgespräch von höchstens 30 Minuten. Beide Arbeitsaufgaben werden innerhalb des praktischen Teils gleich gewichtet.
Schriftliche Gesellenprüfung
| Bereich | Dauer | Gewicht schriftlicher Teil |
|---|---|---|
| Gestaltung und Konstruktion | 120 Minuten | 30 % |
| Planung und Fertigung | 120 Minuten | 30 % |
| Montage und Service | 60 Minuten | 20 % |
| Wirtschafts- und Sozialkunde | 60 Minuten | 20 % |
Der praktische und der schriftliche Teil müssen jeweils mindestens ausreichend sein. In mindestens drei schriftlichen Bereichen ist ebenfalls mindestens ausreichend erforderlich; keine der beiden praktischen Aufgaben und kein verbleibender schriftlicher Bereich darf ungenügend sein.
So bereitet man sich vor
- Entwurf früh mit Konstruktion, Material und Fertigungsweg abgleichen.
- Arbeitsproben und Verbindungen wiederholt unter Zeitvorgabe fertigen.
- Zeichnungen, Stücklisten und Kalkulation lückenlos führen.
- Maschinenrüsten und Arbeitsschutz bewusst trainieren.
- Oberflächenmuster vor dem Prüfungsstück anlegen.
- Im Fachgespräch Gestaltung und technische Entscheidungen verständlich begründen.
Typischer Fehler: Ein optisch starkes Gesellenstück mit unzureichender Dokumentation oder ungeklärten konstruktiven Details. Bewertung beginnt bei Planung und Sicherheit, nicht erst am fertigen Möbel.
Vom Gesellen zum Tischlermeister
Die Meisterprüfung besteht aus vier Teilen. Teil I umfasst Meisterprüfungsprojekt, Fachgespräch und Situationsaufgabe. Das Projekt soll höchstens 18 Arbeitstage, das Fachgespräch höchstens 30 Minuten und die Situationsaufgabe höchstens 8 Stunden dauern. Projekt und Fachgespräch werden 3:1 gewichtet; diese Gesamtbewertung wird mit der Situationsaufgabe 2:1 verbunden.
Meisterprüfung vorbereiten
Kandidaten sollten Gestaltung, Konstruktion, Fertigungsplanung, CAD/CNC, Kalkulation, Qualitätsmanagement und Mitarbeiterführung beherrschen. Ein Probeprojekt mit vollständigem Angebot, Zeichnungssatz, Materialliste, Zeitplanung und Präsentation deckt viele Schwachstellen auf. Die Handwerkskammer liefert die verbindlichen örtlichen Vorgaben.
Berufliche Wege
Nach der Gesellenprüfung sind Spezialisierungen in Möbelbau, Innenausbau, Fenster und Fassade, Montage, CNC, Arbeitsvorbereitung, Restaurierung oder Gestaltung möglich. Meistertitel, Technikerabschluss oder Studium eröffnen Betriebsleitung, Selbstständigkeit und Ausbildung.
Weiter im Lexikon
Geschichte des Tischler- und Schreinerhandwerks · Ausbildung und Prüfungen · Innungen und Kammern
Amtliche Quellen
Redaktionell geprüft am 31. August 2026. Verbindliche Prüfungsaufgaben, Fristen und Hilfsmittel bestimmt die zuständige Kammer.