← Alle berühmten Handwerker & Meister Zunftbild · Werkstattbiografien
Werkstattbiografie Persönlicher & beruflicher Lebenslauf Bilder & Werke Mit Quellen
35 · Bildschnitzer · Hofbildhauer

Balthasar Permoser

Balthasar Permoser begann bei Holz und Elfenbein, lernte in Salzburg und Wien und verbrachte fast fünfzehn Jahre in Italien. In Dresden wurde aus dem Bildschnitzer ein Hofbildhauer, dessen Werkstatt den Zwinger mitprägte und italienische Barockplastik in eine unverwechselbare sächsische Form übersetzte.

Geboren
13. August 1651 · Kammer bei Traunstein
Gestorben
18. Februar 1732 · Dresden
Handwerk
Bildschnitzer · Bildhauer · Elfenbeinschnitzer
Berühmt für
Skulpturenschmuck des Dresdner Zwingers
Porträt des Bildhauers Balthasar Permoser von Moritz Bodenehr
Balthasar Permoser in einem Porträtstich von Moritz Bodenehr. Bildquelle und Lizenz

Permosers Lebensweg ist beinahe ein Musterbeispiel dafür, wie weit handwerkliche Ausbildung in der frühen Neuzeit führen konnte. Am Anfang standen örtliche Schnitzerei, Werkstattlehre und Gesellenzeit. Später kamen Rom, Florenz, höfische Auftraggeber und monumentale Steinplastik hinzu. Trotz aller Kunstgeschichte blieb die Grundlage dieselbe: Materialkenntnis, Werkzeugbeherrschung, Zeichnung, Modell und die Organisation einer großen Werkstatt.

Kindheit zwischen Gutshof und Schnitzhandwerk

Balthasar Permoser wurde 1651 in Kammer bei Traunstein geboren. Sein Vater Christian bewirtschaftete das Neumayr-Gut; die Familie lebte in vergleichsweise gesicherten Verhältnissen. Der Gutsbezirk stand in Beziehung zum Salzburger Kloster Nonnberg, weshalb Permoser sich später mehrfach als „von Salzburg“ bezeichnete.

Sein Weg zur Bildhauerei begann nicht an einer Akademie. Nach ersten Unterweisungen bei einem örtlichen Bildschnitzer kam er als Jugendlicher nach Salzburg. Damit begann eine klassische handwerkliche Ausbildung: Formen wurden nicht nur gezeichnet, sondern unmittelbar aus Holz und anderen Materialien herausgearbeitet.

Lehrjahre, Gesellenzeit und fast fünfzehn Jahre Italien

Um 1663/65 begann Permoser seine Lehrzeit in der Salzburger Werkstatt der Bildhauerfamilie Weißenkirchner. Wohl seit 1671 arbeitete er als Geselle in Wien bei Tobias Kracker. Diese Stationen gaben ihm das technische Fundament für größere plastische Arbeiten.

Um 1675 zog Permoser nach Italien und blieb dort fast fünfzehn Jahre. Venedig, Rom und besonders Florenz erweiterten seinen Blick auf antike Skulptur und den italienischen Hochbarock. In Florenz arbeitete er mit Giovanni Battista Foggini, zunächst als Gehilfe und später als selbständiger Meister. Neben monumentalen Steinskulpturen blieb er zunächst vor allem für fein gearbeitete Holz- und Elfenbeinstatuetten bekannt.

Handwerkliche Entwicklung: Bei Permoser lässt sich der Übergang vom kleinformatigen Bildschnitzen zur monumentalen Hofplastik besonders deutlich verfolgen. Die größere Dimension änderte das Material und die Organisation – nicht aber die Notwendigkeit präziser handwerklicher Vorbereitung.

Dresden, Dinglinger und der Zwinger

1689 wurde Permoser als Hofbildhauer nach Dresden berufen; im folgenden Jahr war er in der sächsischen Residenz tätig. Früh entstanden die Herkulesfiguren für den Großen Garten. Gleichzeitig arbeitete er weiterhin an kostbaren Kabinettstücken aus Elfenbein und Ebenholz. Dabei kam es auch zur Zusammenarbeit mit dem Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger, unter anderem beim berühmten „Bad der Diana“.

Seine größte Dresdner Aufgabe begann nach 1709. Für den ab 1711 errichteten Zwinger arbeitete Permoser eng mit Matthäus Daniel Pöppelmann zusammen. Er leitete die plastische Ausstattung und war an einer kaum überschaubaren Menge von Figuren, Vasen, Kartuschen, Kapitellen, Konsolen und Brunnen beteiligt. Besonders das Nymphenbad und die kraftvollen Figuren des Zwingers zeigen, wie Architektur und Bildhauerhandwerk ineinandergreifen.

Permoser wurde damit nicht nur wegen einzelner Statuen berühmt. Seine eigentliche Bedeutung liegt auch in der Führung einer großen Bildhauerwerkstatt. Entwürfe mussten in Modelle übersetzt, Aufgaben auf Mitarbeiter verteilt und Skulpturen so ausgeführt werden, dass sie mit Pöppelmanns Architektur ein zusammenhängendes Ganzes bildeten.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 13. August in Kammer bei Traunstein als Sohn des Gutsbesitzers Christian Permoser und Anna Pendl.
  • Erste Unterweisung bei einem örtlichen Bildschnitzer; anschließend Übersiedlung zur Ausbildung nach Salzburg.
  • Langer Italienaufenthalt mit Arbeitsstationen in Rom und Florenz. Die italienische Kunst prägt seine spätere Formensprache dauerhaft.
  • Dresden wird sein wichtigster Lebensmittelpunkt, unterbrochen von Reisen und auswärtigen Aufträgen.
  • Permoser blieb unverheiratet. Sein Leben ist in den Quellen stärker durch Werkstätten, Reisen und Aufträge als durch private Familiennachrichten greifbar.
  • Tod am 18. Februar in Dresden; Bestattung auf dem Alten Katholischen Friedhof.

Beruflicher Lebenslauf

  • Beginn der Bildhauerlehre in der Salzburger Werkstatt der Weißenkirchner.
  • Gesellentätigkeit in Wien bei Tobias Kracker.
  • Italienische Wander- und Meisterjahre; Arbeit in Florenz mit Giovanni Battista Foggini und eigenständige Aufträge.
  • Berufung zum kursächsischen Hofbildhauer und Beginn der Dresdner Tätigkeit.
  • Großplastik für den Großen Garten sowie zahlreiche Kleinplastiken aus Holz, Elfenbein und Ebenholz.
  • Zusammenarbeit mit Johann Melchior Dinglinger am „Bad der Diana“.
  • Leitung und Mitgestaltung des umfangreichen Skulpturenprogramms am Dresdner Zwinger.
  • Arbeit als einer der prägenden Bildhauer des Dresdner Barock und Leiter zahlreicher Werkstattkräfte.

Porträt, Zwinger und Meisterwerk

Quellen & Weiterführendes

PASSENDES FACHHANDWERK

Geschichte des Bildschnitzerhandwerks

Lindenholz, Schnitzeisen, Altäre, Werkstattorganisation und die Ausbildung vom Lehrling zum Meister.

Handwerksgeschichte lesen →