Berühmter Handwerker · Bildschnitzerei · Barockskulptur · Dresden

Balthasar Permoser

Vom Salzburger Holzschnitzer über fast fünfzehn Jahre in Italien zum kursächsischen Hofbildhauer: Permosers Werk verbindet Schnitzerei, Elfenbein, monumentale Skulptur und die Leitung eines großen barocken Werkstattverbunds.

165113. August · Kammer bei Traunstein
um 1663/65Lehre in Salzburg
um 1675–1689Venedig, Florenz und Rom
1689Ruf als Hofbildhauer nach Dresden
1711–1728prägende Arbeit am Dresdner Zwinger
173218. Februar · Dresden
Historische Porträtdarstellung Balthasar Permosers als Kupferstich von Moritz Bodenehr
Zeitgenössische Bildquelle: Moritz Bodenehrs Kupferstich entstand vor 1725 und zeigt Permoser zu Lebzeiten. Moritz Bodenehr · gemeinfrei

Balthasar Permoser wurde am 13. August 1651 in Kammer bei Traunstein geboren. Seine frühe Ausbildung gehört zunächst in die Welt der Holzbildhauerei: Nach Unterricht bei einem örtlichen Schnitzer kam er nach der biografischen Überlieferung um 1663/65 in die Salzburger Werkstatt der Bildhauerfamilie Weißenkirchner. Ein anschließender Aufenthalt in Wien bei Tobias Kracker wird in der Forschung als wahrscheinlich beschrieben, ist aber weniger dicht belegt als seine späteren Stationen.

Um 1675 ging Permoser nach Italien. Fast fünfzehn Jahre verbrachte er in Venedig, Florenz und Rom. Antike Skulptur, die römische Barockkunst um Gian Lorenzo Bernini und der Florentiner Hofbildhauer Giovanni Battista Foggini bildeten wichtige Bezugspunkte. In Florenz arbeitete Permoser zunächst als Gehilfe und dann selbständig an der Fassade von Santi Michele e Gaetano. 1689 folgte der Ruf an den kursächsischen Hof nach Dresden. Dort traf die italienisch geprägte Skulpturensprache auf eine Residenz, die unter August dem Starken zu einem der großen europäischen Kunst- und Handwerkszentren ausgebaut wurde.

Lebensweg

Vom Schnitzmesser zur monumentalen Hofskulptur

Kammer im Chiemgau

Permoser wächst im ländlichen Umfeld auf. Die frühesten Ausbildungsangaben führen ihn in die Holzbildhauerei und nach Salzburg.

Lehre in Salzburg

In der Werkstatt der Weißenkirchner lernt er das Bildschnitzerhandwerk. Die Ausbildung erklärt seine spätere Sicherheit im Wechsel zwischen Holz, Elfenbein und Stein, ohne jede spätere Technik schon in die Lehrzeit zurückzuprojizieren.

Wien – wahrscheinlich, nicht gleich sicher

Ein Gesellenaufenthalt beim Bildhauer Tobias Kracker wird in der biografischen Forschung als wahrscheinlich geführt. Er bleibt deshalb hier ausdrücklich als weniger sicherer Abschnitt gekennzeichnet.

Italien

Venedig, Florenz und Rom werden zu entscheidenden Lern- und Arbeitsorten. In Florenz ist Permoser an Santi Michele e Gaetano tätig; zugleich nimmt er antike und hochbarocke Bildideen auf.

Dresdner Hof

Permoser wird als Hofbildhauer nach Dresden berufen. Frühe Dresdner Werkstatt- und Zuschreibungszusammenhänge, darunter die Herkulesfiguren für den Großen Garten, zeigen den Übergang in die sächsische Hofkunst; sie werden hier nicht pauschal als eigenhändige Werke ausgegeben.

Kabinettkunst und Kooperation

Neben monumentaler Skulptur entstehen kleinformatige Arbeiten in Elfenbein und anderen kostbaren Materialien. Im Dresdner Hofmilieu überschneiden sich Bildhauerei, Goldschmiedekunst und Schatzkunst; beim „Bad der Diana“ von 1704 gehört Permoser in den arbeitsteiligen Kontext um Johann Melchior Dinglinger.

Dresdner Zwinger

Unter Permosers Leitung arbeitet ein Team von Bildhauern am umfangreichen Skulpturenschmuck. Der Zwinger ist deshalb weder als reine Einzelleistung Permosers noch als anonyme Werkstattproduktion zu erzählen: Entwurf, Leitung, eigenhändige Arbeiten, Mitarbeiterbeiträge und spätere Kopien müssen getrennt werden.

Späte Jahre und Tod

Permoser stirbt am 18. Februar 1732 in Dresden. Seine späten religiösen Arbeiten und die für das eigene Grab bestimmte Kreuzigungsgruppe zeigen, dass sich sein Werk nicht auf höfische Festarchitektur reduzieren lässt.

Zuschreibungen sauber lesen

Eigenhändig, Werkstatt, Ensemble oder spätere Ergänzung?

Direkt zugeordnet

Werke wie die Marmorbüste des Marsyas im Metropolitan Museum of Art oder der „Grinning Satyr“ der National Gallery of Art werden institutionell Balthasar Permoser zugeordnet.

Werkstatt und Kooperation

Große Hofprojekte entstanden arbeitsteilig. Beim Dresdner Zwinger leitete Permoser einen Bildhauerverbund; bei Schatzkunstobjekten konnte sein plastischer Beitrag Teil eines größeren Gemeinschaftswerks sein.

Zwinger heute

Schlösserland Sachsen weist darauf hin, dass der heutige Skulpturenbestand zahlreiche spätere Kopien und Rekonstruktionen enthält. Eine heutige Figur am Zwinger ist deshalb nicht automatisch ein eigenhändiges Original Permosers.

Zuschreibungen

Wo eine Autorschaft nur traditionell oder stilistisch zugeschrieben wird, wird das auch so bezeichnet. Berühmtheit ersetzt keinen Objektbeleg.

Werke und Leistungen

Von Florenz bis zum Dresdner Zwinger

um 1680–1685 · direkt zugeordnet

Marsyas

Die Marmorbüste im Metropolitan Museum of Art gehört in Permosers italienische Phase. Sie macht die Nähe zu dramatischer barocker Skulptur und virtuoser Oberflächenbehandlung sichtbar.

um 1700 · direkt zugeordnet

Grinning Satyr

Die Elfenbeinfigur der National Gallery of Art zeigt die kleinformatige Seite der Werkstatt. Sie steht nicht im Gegensatz zur Monumentalskulptur, sondern zeigt dieselbe Freude an bewegter Physiognomie in einem kostbaren Material.

1704 · Gemeinschaftswerk

Bad der Diana

Das Grüne Gewölbe ordnet die Goldarbeit Johann Melchior Dinglinger, die Elfenbeinfiguren Balthasar Permoser und die Emailmalerei Georg Friedrich Dinglinger zu. Das Objekt ist damit ein besonders klares Beispiel dafür, wie spezialisierte Hofwerkstätten gemeinsam ein Werk schufen.

1711–1728 · Leitung und Werkstatt

Dresdner Zwinger

Permoser prägte unter Pöppelmanns architektonischer Leitung den Skulpturenschmuck und führte ein größeres Team. Drei Nymphen des Nymphenbads werden ihm zugeschrieben und gehören zu den ältesten erhaltenen Figuren des Ensembles.

ab 1721 · mehrere Fassungen

Christus an der Martersäule

Von diesem Thema sind mehrere Fassungen überliefert. Die Dresdner Skulptur von 1723 wird hier als konkrete Werkfassung gezeigt; die spätere signierte Fassung von 1728 gehört zu Permosers späten religiösen Arbeiten.

um 1725 · Datierung ungefähr

Die Verdammnis

Das Museum der bildenden Künste Leipzig führt die expressive Figur als Werk Balthasar Permosers um 1725. Gerade bei einer ungefähren Datierung wird hier kein künstlich exaktes Jahr behauptet.

1730/31 · für das eigene Grabmal

Kreuzigungsgruppe

Die Deutsche Fotothek dokumentiert die Sandsteingruppe als 1730/1731 geschaffenes Werk für Permosers eigenes Grabmal; ihre Höhe wird mit 3,42 Metern angegeben. Der heutige Bestand auf dem Alten Katholischen Friedhof ist stark restauriert und darf nicht als unverändert erhaltene Originalaufstellung gelesen werden.

Florenz · Zuschreibung vorsichtig

Heiliger Kajetan

Die Statue an Santi Michele e Gaetano wird Permoser zugeschrieben und steht für den Florentiner Arbeitskontext. Die Zuschreibung wird hier bewusst nicht stärker formuliert, als es die Bild- und Objektüberlieferung zulässt.

Werkstattorganisation

Ein Meistername – viele spezialisierte Hände

Beim Zwinger führte Permoser keinen Ein-Mann-Betrieb. Zu den jüngeren Bildhauern in seinem Umfeld gehörten unter anderem Benjamin Thomae, Paul Heermann, Christian Kirchner, Johann Joachim Kretzschmar und Matthäus Oberschall. Großprojekte verlangten Entwurf, Modell, Steinbearbeitung, Ausführung, Montage und laufende Anpassung an die Architektur. Gerade deshalb ist die Trennung zwischen Permosers Leitung, eigenhändigen Figuren, Werkstattarbeiten und späteren Ergänzungen ein zentraler Bestandteil einer seriösen Werkbiografie.

Die Materialbreite ist ungewöhnlich: Überliefert sind Arbeiten beziehungsweise Werkstattzusammenhänge in Stein, Elfenbein, Holz, Terrakotta, Stuck, Silber und Böttgersteinzeug. Diese Vielfalt erklärt, warum Permoser zugleich in Bildschnitzer-, Bildhauer-, Hofkunst- und Schatzkunstgeschichte gehört.

Werkzeuge mit Belegstufe

Was lässt sich über Permosers Werkzeuge sagen?

Direkt für Permoser persönlich belegt: In den für dieses Profil geprüften Kernquellen ist keine vollständige persönliche Werkzeugliste und kein geschlossen erhaltener Werkzeugbestand Permosers dokumentiert.

Für Bildschnitzer- und Bildhauerwerkstätten fachlich belegt: Schnitzeisen und Hohleisen, Klüpfel, Schnitzmesser, Raspeln und Feilen sowie Bohr- und Haltevorrichtungen gehören zum historischen Bearbeitungskontext. Diese Funktionen beschreiben die Werkstattpraxis; sie sind keine Behauptung, ein bestimmtes erhaltenes Werkzeug habe Permoser persönlich gehört.

Historische Werkzeuge im ZunftlexikonZum Werkzeuglexikon – vorhandene Profile und weiterer Ausbau →

Schnitzeisen, Hohleisen und Holzbildhauer-Klüpfel sind bereits als eigene Ausbaupunkte vorgemerkt. Bis belastbare Einzelprofile vorhanden sind, werden keine erfundenen oder unpassenden Detailanker gesetzt.

Bildquellen mit Einordnung

Sieben weitere Motive – jedes mit Objekt- und Rechtehinweis

Die Bildstrecke unterscheidet eigenhändig beziehungsweise institutionell zugeordnete Werke, Werkstatt- und Ensemblekontext sowie vorsichtig formulierte Zuschreibungen. Historische Originalobjekte werden nicht durch künstlich erzeugte Bilder ersetzt.

Recherche und Gegenprüfung

Kernquellen für dieses Profil

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35 · Bildschnitzer · Hofbildhauer

Balthasar Permoser

Balthasar Permoser begann bei Holz und Elfenbein, lernte in Salzburg und Wien und verbrachte fast fünfzehn Jahre in Italien. In Dresden wurde aus dem Bildschnitzer ein Hofbildhauer, dessen Werkstatt den Zwinger mitprägte und italienische Barockplastik in eine unverwechselbare sächsische Form übersetzte.

Geboren
13. August 1651 · Kammer bei Traunstein
Gestorben
18. Februar 1732 · Dresden
Handwerk
Bildschnitzer · Bildhauer · Elfenbeinschnitzer
Berühmt für
Skulpturenschmuck des Dresdner Zwingers
Porträt des Bildhauers Balthasar Permoser von Moritz Bodenehr
Balthasar Permoser in einem Porträtstich von Moritz Bodenehr. Bildquelle und Lizenz

Permosers Lebensweg ist beinahe ein Musterbeispiel dafür, wie weit handwerkliche Ausbildung in der frühen Neuzeit führen konnte. Am Anfang standen örtliche Schnitzerei, Werkstattlehre und Gesellenzeit. Später kamen Rom, Florenz, höfische Auftraggeber und monumentale Steinplastik hinzu. Trotz aller Kunstgeschichte blieb die Grundlage dieselbe: Materialkenntnis, Werkzeugbeherrschung, Zeichnung, Modell und die Organisation einer großen Werkstatt.

Kindheit zwischen Gutshof und Schnitzhandwerk

Balthasar Permoser wurde 1651 in Kammer bei Traunstein geboren. Sein Vater Christian bewirtschaftete das Neumayr-Gut; die Familie lebte in vergleichsweise gesicherten Verhältnissen. Der Gutsbezirk stand in Beziehung zum Salzburger Kloster Nonnberg, weshalb Permoser sich später mehrfach als „von Salzburg“ bezeichnete.

Sein Weg zur Bildhauerei begann nicht an einer Akademie. Nach ersten Unterweisungen bei einem örtlichen Bildschnitzer kam er als Jugendlicher nach Salzburg. Damit begann eine klassische handwerkliche Ausbildung: Formen wurden nicht nur gezeichnet, sondern unmittelbar aus Holz und anderen Materialien herausgearbeitet.

Lehrjahre, Gesellenzeit und fast fünfzehn Jahre Italien

Um 1663/65 begann Permoser seine Lehrzeit in der Salzburger Werkstatt der Bildhauerfamilie Weißenkirchner. Wohl seit 1671 arbeitete er als Geselle in Wien bei Tobias Kracker. Diese Stationen gaben ihm das technische Fundament für größere plastische Arbeiten.

Um 1675 zog Permoser nach Italien und blieb dort fast fünfzehn Jahre. Venedig, Rom und besonders Florenz erweiterten seinen Blick auf antike Skulptur und den italienischen Hochbarock. In Florenz arbeitete er mit Giovanni Battista Foggini, zunächst als Gehilfe und später als selbständiger Meister. Neben monumentalen Steinskulpturen blieb er zunächst vor allem für fein gearbeitete Holz- und Elfenbeinstatuetten bekannt.

Handwerkliche Entwicklung: Bei Permoser lässt sich der Übergang vom kleinformatigen Bildschnitzen zur monumentalen Hofplastik besonders deutlich verfolgen. Die größere Dimension änderte das Material und die Organisation – nicht aber die Notwendigkeit präziser handwerklicher Vorbereitung.

Dresden, Dinglinger und der Zwinger

1689 wurde Permoser als Hofbildhauer nach Dresden berufen; im folgenden Jahr war er in der sächsischen Residenz tätig. Früh entstanden die Herkulesfiguren für den Großen Garten. Gleichzeitig arbeitete er weiterhin an kostbaren Kabinettstücken aus Elfenbein und Ebenholz. Dabei kam es auch zur Zusammenarbeit mit dem Hofjuwelier Johann Melchior Dinglinger, unter anderem beim berühmten „Bad der Diana“.

Seine größte Dresdner Aufgabe begann nach 1709. Für den ab 1711 errichteten Zwinger arbeitete Permoser eng mit Matthäus Daniel Pöppelmann zusammen. Er leitete die plastische Ausstattung und war an einer kaum überschaubaren Menge von Figuren, Vasen, Kartuschen, Kapitellen, Konsolen und Brunnen beteiligt. Besonders das Nymphenbad und die kraftvollen Figuren des Zwingers zeigen, wie Architektur und Bildhauerhandwerk ineinandergreifen.

Permoser wurde damit nicht nur wegen einzelner Statuen berühmt. Seine eigentliche Bedeutung liegt auch in der Führung einer großen Bildhauerwerkstatt. Entwürfe mussten in Modelle übersetzt, Aufgaben auf Mitarbeiter verteilt und Skulpturen so ausgeführt werden, dass sie mit Pöppelmanns Architektur ein zusammenhängendes Ganzes bildeten.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 13. August in Kammer bei Traunstein als Sohn des Gutsbesitzers Christian Permoser und Anna Pendl.
  • Erste Unterweisung bei einem örtlichen Bildschnitzer; anschließend Übersiedlung zur Ausbildung nach Salzburg.
  • Langer Italienaufenthalt mit Arbeitsstationen in Rom und Florenz. Die italienische Kunst prägt seine spätere Formensprache dauerhaft.
  • Dresden wird sein wichtigster Lebensmittelpunkt, unterbrochen von Reisen und auswärtigen Aufträgen.
  • Permoser blieb unverheiratet. Sein Leben ist in den Quellen stärker durch Werkstätten, Reisen und Aufträge als durch private Familiennachrichten greifbar.
  • Tod am 18. Februar in Dresden; Bestattung auf dem Alten Katholischen Friedhof.

Beruflicher Lebenslauf

  • Beginn der Bildhauerlehre in der Salzburger Werkstatt der Weißenkirchner.
  • Gesellentätigkeit in Wien bei Tobias Kracker.
  • Italienische Wander- und Meisterjahre; Arbeit in Florenz mit Giovanni Battista Foggini und eigenständige Aufträge.
  • Berufung zum kursächsischen Hofbildhauer und Beginn der Dresdner Tätigkeit.
  • Großplastik für den Großen Garten sowie zahlreiche Kleinplastiken aus Holz, Elfenbein und Ebenholz.
  • Zusammenarbeit mit Johann Melchior Dinglinger am „Bad der Diana“.
  • Leitung und Mitgestaltung des umfangreichen Skulpturenprogramms am Dresdner Zwinger.
  • Arbeit als einer der prägenden Bildhauer des Dresdner Barock und Leiter zahlreicher Werkstattkräfte.

Porträt, Zwinger und Meisterwerk

Quellen & Weiterführendes