Christoph Schissler
Christoph Schissler gehörte zu den bedeutendsten Instrumentenmachern des 16. Jahrhunderts. Seine Werkstatt fertigte Astrolabien, Sonnenuhren, Globen, Vermessungsgeräte und astronomische Kompendien – präzise Werkzeuge, die zugleich zu den schönsten Metallarbeiten ihrer Zeit zählen.
- Geboren
- um 1531, Augsburg
- Gestorben
- 14. September 1608, Augsburg
- Handwerk
- Gürtler · Instrumentenmacher · Uhrmacher
- Berühmt für
- Astronomische und geometrische Präzisionsinstrumente

Schisslers Instrumente waren gleichzeitig Werkzeuge und Schaustücke. Messing musste gegossen oder zugerichtet, gesägt, gefeilt, gebohrt, graviert und teilweise vergoldet werden. Skalen mussten mathematisch richtig berechnet und handwerklich so exakt übertragen werden, dass das Gerät tatsächlich funktionierte. In seiner Werkstatt trafen deshalb Metallhandwerk, Geometrie, Astronomie und dekorative Gestaltung unmittelbar aufeinander.
Geburt und Augsburger Umfeld
Christoph Schissler der Ältere wurde um 1531 in Augsburg geboren. Die Reichsstadt war eines der wichtigsten europäischen Zentren für feine Metallarbeit, Uhren und mathematische Instrumente. Handel, höfische Nachfrage und ein dichtes Netz spezialisierter Gewerke schufen ein Umfeld, in dem technisch anspruchsvolle Kleinobjekte einen internationalen Markt fanden.
Über Schisslers Kindheit und die genaue Lehrzeit ist nur wenig bekannt. Das Augsburger Stadtlexikon bezeichnet ihn als Gürtler sowie als „geometrischen und astronomischen Werkmeister“. Der Gürtlerberuf umfasste anspruchsvolle Arbeiten mit Buntmetallen – eine handwerkliche Grundlage, die sich hervorragend mit der Herstellung feinmechanischer Messgeräte verbinden ließ.
Meisterarbeit, Ehe und eigene Werkstatt
1553 legte Schissler seine Meisterarbeit ab und heiratete im selben Jahr. Bereits in den frühen 1550er Jahren baute er eine eigene Werkstatt auf. 1557 besaß er ein Haus am Mittleren Graben in Augsburg. Von dort entwickelte sich sein Betrieb zu einer der berühmtesten Werkstätten für wissenschaftliche Instrumente in Mitteleuropa.
Sein Sortiment war außergewöhnlich breit: Astrolabien, Sonnenuhren, Quadranten, Armillarsphären, Erd- und Himmelsgloben, astronomische Kompendien, Zirkel, Zeichen- und Vermessungsinstrumente. Etwa hundert erhaltene, datierte oder zuweisbare Instrumente dokumentieren die enorme Produktivität der Werkstatt.
Viele Geräte waren für Käufer außerhalb Augsburgs bestimmt. Erhaltene Sonnenuhren sind beispielsweise für englische oder italienische Breitengrade berechnet. Ein erfolgreicher Instrumentenmacher musste deshalb nicht nur sauber arbeiten, sondern die konkrete Nutzung am Zielort bereits bei Konstruktion und Skalierung berücksichtigen.
Instrumente für Höfe, Vermesser und Gelehrte
Schissler belieferte hochrangige Auftraggeber. 1571 reiste er an den Dresdner Hof Kurfürst Augusts von Sachsen, um Instrumente aufzustellen und ihre Benutzung vorzuführen. 1583 führte ihn eine weitere Reise über Wien an den Prager Hof Kaiser Rudolfs II. Der Meister verkaufte damit nicht einfach ein Objekt: Bei komplizierten Geräten gehörten Erklärung, Justierung und praktische Demonstration zum Auftrag.
Seit etwa 1580 beschäftigte sich Schissler zunehmend mit Vermessung. Zwischen 1598 und 1602 vermaß er Augsburg; seine Arbeit bildete die Grundlage für den 1602 von Alexander Mair gestochenen Stadtplan. Anschließend arbeitete er an einer Vermessung des Augsburger Umlands. Hier wird aus dem Instrumentenmacher selbst ein Anwender seiner geometrischen Verfahren.
Zu den späten Höhepunkten gehört eine rund zwei Meter hohe Ringkugel beziehungsweise Armillarsphäre von 1605. Ein astronomisches Kompendium von 1608 gilt als sein letztes erhaltenes Instrument. Sein Sohn Hans Christoph Schissler führte das Instrumentenmacherhandwerk weiter und arbeitete später an den Höfen in Wien und Prag.
Persönlicher Lebenslauf
- Geburt in Augsburg.
- Meisterarbeit und Eheschließung – zwei klassische Schritte zur selbständigen Meisterexistenz.
- Hausbesitz am Mittleren Graben 32 in Augsburg.
- Sein ältester Sohn Hans Christoph Schissler wird ebenfalls Instrumentenmacher und arbeitet zeitweise in der väterlichen Werkstatt.
- Tod am 14. September in Augsburg nach mehr als fünf Jahrzehnten handwerklicher Tätigkeit.
Beruflicher Lebenslauf
- Aufbau einer eigenen Werkstatt für mathematische und astronomische Instrumente.
- Meisterstatus in Augsburg.
- Hochwertige Astrolabien, Sonnenuhren, Kompendien, Globen, Sphären sowie Zeichen- und Messinstrumente.
- Reise an den Dresdner Hof zur Lieferung und Demonstration seiner Instrumente.
- Reise über Wien an den Prager Hof Rudolfs II.
- Vermessung Augsburgs als Grundlage eines neuen Stadtplans.
- Späte Groß- und Präzisionsinstrumente; ein Kompendium von 1608 gilt als sein letztes erhaltenes Werk.
Werkzeuge zwischen Wissenschaft und Kunsthandwerk

