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26 · Kunstschreiner · Möbelfabrikant

David Roentgen

David Roentgen machte aus der Neuwieder Schreinerwerkstatt seines Vaters einen europaweit bekannten Hersteller luxuriöser Möbel. Hinter glatten Furnieren und eleganten Formen verbargen sich raffinierte Mechaniken, geheime Fächer, bewegliche Schreibflächen und eine für das 18. Jahrhundert ungewöhnlich systematische Werkstattorganisation.

Geboren
11. August 1743, Herrnhaag in der Wetterau
Gestorben
12. Februar 1807, Wiesbaden
Handwerk
Kunstschreiner · Ebenist · Möbelfabrikant
Berühmt für
Mechanische Schreibmöbel, Marketerien und die Roentgen-Manufaktur
Rollschreibtisch von David Roentgen
Rollschreibtisch von David Roentgen aus den 1770er Jahren. Bildquelle: Wikimedia Commons.

Roentgens Möbel zeigen, wie weit sich Handwerk im 18. Jahrhundert bereits in Richtung spezialisierter Produktion entwickeln konnte. Ein einziges Spitzenstück vereinte Schreiner, Furnierschneider, Marketeriearbeiter, Beschlagmacher, Graveure und Mechaniker. Roentgen war Meister des Möbelbaus – zugleich aber auch Organisator, Verkäufer und Unternehmer. Genau diese Verbindung machte seine Werkstatt außergewöhnlich.

Kindheit & Familie

David Roentgen wurde 1743 in Herrnhaag geboren. Sein Vater Abraham Roentgen war selbst ein bedeutender Kunstschreiner und hatte eine Möbelwerkstatt aufgebaut, die später in Neuwied ihren Mittelpunkt fand. David wuchs deshalb nicht nur zwischen fertigen Möbeln auf, sondern inmitten von Holzlagern, Werkzeugen, Furnieren, Entwürfen und den wirtschaftlichen Problemen eines anspruchsvollen Handwerksbetriebs.

Die Werkstatt war eng mit der Herrnhuter Brüdergemeine verbunden. Dieses Umfeld prägte sowohl die Lebensführung der Familie als auch die Organisation des Betriebs. Für David Roentgen wurde der väterliche Betrieb zur Schule: Er lernte das Schreinerhandwerk direkt beim Vater und kannte dadurch früh sowohl die handwerkliche als auch die kaufmännische Seite der Produktion.

Weg ins Handwerk

Nach seiner Schreinerlehre arbeitete Roentgen seit etwa 1760 als Geselle in der väterlichen Manufaktur. Bereits um 1767 dürfte er erheblichen Einfluss auf die Werkstatt gehabt haben. Als der Betrieb nach dem Siebenjährigen Krieg unter Absatzproblemen litt, suchte der junge Roentgen nach ungewöhnlichen Lösungen.

1768 beantragte er in Hamburg einen Lotterieverkauf für die Möbelproduktion. Die 1769 durchgeführte Lotterie wurde ein Erfolg: Sie half, Schulden abzubauen, und machte den Namen der Werkstatt weit über Neuwied hinaus bekannt. 1772 übernahm David Roentgen die Manufaktur offiziell und begann, Produktion, Gestaltung und Vertrieb noch stärker zu systematisieren.

Was ihn berühmt machte

Roentgens Werkstatt entwickelte neue Schreibschrank- und Schreibtischtypen, darunter Sekretäre sowie Roll- und Zylinderbureaus. Besonders berühmt wurden Möbel, bei denen sich durch Schlüssel, Knöpfe oder verdeckte Mechanismen ganze Gruppen von Schubladen, Fächern und Schreibflächen bewegten. Bei manchen Stücken war die Mechanik fast ebenso wichtig wie das sichtbare Möbel.

Hinzu kamen feinste Furnier- und Marketeriearbeiten. Roentgen arbeitete mit Spezialisten wie dem Uhrmacher und Mechaniker Peter Kinzing sowie mit Künstlern für Entwürfe der Bildmarketerien zusammen. 1774 erhielt seine Manufaktur ein fürstliches Privileg. Ab 1779 eroberte er den Pariser Markt, 1780 wurde er in die Zunft der Menuisiers-Ebénistes aufgenommen. In den 1780er Jahren reiste er mehrfach nach Russland und belieferte Katharina II. und den russischen Hof.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 11. August in Herrnhaag als Sohn des Kunstschreiners Abraham Roentgen und Susanne Marie Bausch.
  • Heirat mit Katharina Dorothea Scheurer im Elsass.
  • Das Ehepaar hatte sechs Söhne und zwei Töchter; mehrere Kinder starben früh.
  • Revolution und Kriege erschwerten das höfische Luxusgeschäft; Roentgen musste seinen Betrieb stark zurückfahren.
  • Tod am 12. Februar in Wiesbaden.

Beruflicher Lebenslauf

  • Nach der Schreinerlehre Arbeit als Geselle in der Manufaktur seines Vaters.
  • Erfolgreiche Hamburger Möbellotterie; Sanierung und überregionale Bekanntheit des Betriebs.
  • Offizielle Übernahme der Neuwieder Manufaktur.
  • Fürstliches Fabrikenprivileg mit weitreichenden Zunft- und Produktionsrechten.
  • Geschäftserfolg in Paris und Aufnahme in die Zunft der Menuisiers-Ebénistes.
  • Sieben Reisen nach Russland; Lieferungen an Katharina II., Adel und Hof.
  • Die Französische Revolution und die folgenden Kriege beenden die große Wachstumsphase der Manufaktur.

Bilder & Werke

Quellen & Weiterführendes

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