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28 · Instrumentenmacher · Nürnberg

Georg Hartmann

Georg Hartmann verband Mathematik, Astronomie, Metallbearbeitung und serielle Werkstattorganisation. Seine Astrolabien, Sonnenuhren und Messinstrumente zeigen, dass wissenschaftliche Erkenntnis im 16. Jahrhundert oft erst durch präzise Handarbeit zu einem benutzbaren Werkzeug wurde.

Geboren
9. Februar 1489, Eggolsheim
Gestorben
April 1564, Nürnberg
Handwerk
Instrumentenmacher · Mechaniker
Berühmt für
Astrolabien, Sonnenuhren und Artillerie-Messgeräte
Astrolabium von Georg Hartmann aus dem Jahr 1527
Astrolabium Georg Hartmanns, 1527. History of Science Museum Oxford; Bild über Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Hartmann war weder nur Gelehrter noch nur Metallhandwerker. Er rechnete, zeichnete und konstruierte – und organisierte zugleich die Herstellung physischer Instrumente aus Messing, Papier, Holz und anderen Materialien. Gerade diese Verbindung macht ihn für eine Geschichte des Handwerks so spannend: Wissen musste in Linien, Skalen, Teilungen und bewegliche Bauteile übersetzt werden, bevor es auf einem Tisch, in einer Kirche oder bei der Artillerie praktisch nutzbar war.

Herkunft, Studium und Italien

Georg Hartmann wurde am 9. Februar 1489 in Eggolsheim bei Forchheim geboren. Über seine Kindheit ist nur wenig überliefert. Sicher ist dagegen, dass er früh einen ungewöhnlichen Bildungsweg einschlug. 1506 ist er als Student an der Universität Köln belegt; er beschäftigte sich mit Theologie und Mathematik.

In den folgenden Jahren führte ihn sein Weg nach Italien. Dort kam er mit der mathematischen und astronomischen Instrumentenkultur der Renaissance in Berührung. In Rom beobachtete er unter anderem die Abweichung der Magnetnadel von der geographischen Nordrichtung. Diese Verbindung von Beobachtung, Rechnung und Instrument war später kennzeichnend für seine Arbeit.

Nürnberg: vom Entwurf zum Instrument

Um 1518 bis 1520 ließ sich Hartmann in Nürnberg nieder. Er übernahm kirchliche Ämter und bewegte sich zugleich im humanistischen und handwerklichen Umfeld der Reichsstadt. Die Deutsche Biographie nennt Kontakte zu Willibald Pirckheimer, Albrecht Dürer und Philipp Melanchthon.

Kurz vor 1523 richtete Hartmann eine Werkstatt ein, die sich auf wissenschaftliche Instrumente spezialisierte. Hier entstanden Sonnenuhren, Astrolabien, Quadranten und astronomische Kompendien. Für manche Produkte entwickelte er gedruckte oder gestochene Vorlagen, die auf Trägermaterial geklebt und weiterverarbeitet werden konnten. Das erleichterte Wiederholung und Standardisierung – ein früher Schritt hin zu einer arbeitsteiligen Kleinserienproduktion präziser Instrumente.

Die erhaltenen Astrolabien zeigen, wie anspruchsvoll diese Arbeit war. Kreislinien mussten exakt konstruiert, Grade und Sternpositionen sauber übertragen, Messingteile ausgeschnitten, graviert, gebohrt und beweglich vernietet werden. Schon kleine Fehler konnten die Funktion des Instruments beeinträchtigen.

Astrolabien, Sonnenuhren und Artillerie

Hartmanns Werkstatt wurde besonders für Astrolabien und tragbare Sonnenuhren bekannt. Das British Museum bewahrt mehrere signierte Instrumente. Ein Astrolabium von 1532 zeigt charakteristische Formen und zahlreiche gestanzte Beschriftungen; ein Diptychon von 1562 gehört zu den letzten überlieferten Instrumenten seines Lebens.

Ab etwa 1540 wandte sich Hartmann stärker militärischen Messaufgaben zu. Er entwickelte Instrumente zur Bestimmung von Geschützkalibern und Kugelgewichten. Das zeigt, wie breit das Tätigkeitsfeld eines mathematischen Instrumentenmachers sein konnte: dieselbe Fähigkeit zur exakten Teilung und Berechnung wurde für Astronomie, Zeitmessung, Vermessung und Artillerie eingesetzt.

1533 veröffentlichte Hartmann außerdem eine Anleitung zur Herstellung von Klappsonnenuhren. Zeichnungen und Manuskripte zu Sonnenuhren, Astrolabien und weiteren Geräten sind erhalten. Seine Bedeutung liegt damit nicht nur in einzelnen Objekten, sondern auch in der systematischen Weitergabe von Konstruktionswissen.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 9. Februar in Eggolsheim bei Forchheim.
  • Studium in Köln; Beschäftigung mit Theologie und Mathematik.
  • Studien- und Reisejahre in Italien, unter anderem in Rom.
  • Niederlassung in Nürnberg und Tätigkeit in kirchlichen Ämtern.
  • Über Ehe, Kinder und den häuslichen Alltag ist in den gängigen biografischen Quellen deutlich weniger überliefert als über seine wissenschaftliche und handwerkliche Tätigkeit.
  • Tod Anfang April in Nürnberg; die Quellen nennen den 8. beziehungsweise 9. April.

Beruflicher Lebenslauf

  • Aufbau einer Nürnberger Werkstatt für mathematische und astronomische Instrumente.
  • Produktion von Astrolabien, Sonnenuhren, Quadranten und Kompendien; Entwicklung wiederholbarer Konstruktionsvorlagen.
  • Veröffentlichung einer Anleitung zur Herstellung von Diptychon-Sonnenuhren.
  • Zusätzliche Herstellung von Artillerie- und Kalibermessgeräten.
  • Fortführung einer europaweit beachteten Nürnberger Instrumentenproduktion.

Präzision in Messing und Papier

Quellen & Weiterführendes

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