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51 · Büchsenmacher · Maschinenbauer · Schorndorf & Cannstatt

Gottlieb Daimler

Gottlieb Daimlers Weg zum Motorenpionier begann nicht mit dem Automobil, sondern an der Werkbank eines Büchsenmachers. Feilen, Bohren, Passungen und Metallpräzision bildeten die handwerkliche Grundlage für jene kleinen schnelllaufenden Verbrennungsmotoren, die er später gemeinsam mit Wilhelm Maybach entwickelte.

Geboren
17. März 1834 · Schorndorf
Gestorben
6. März 1900 · Cannstatt
Handwerk
Büchsenmacher, Maschinenbauer, Motorenkonstrukteur
Berühmt für
Schnelllaufender Verbrennungsmotor, Reitwagen und Motorisierung von Fahrzeugen
Historisches Porträt von Gottlieb Daimler in den 1890er Jahren
Gottlieb Daimler in den 1890er Jahren. Historische Fotografie, gemeinfrei.

Daimler wollte einen Motor, der nicht an eine einzelne stationäre Maschine gebunden war. Dafür musste er kleiner, leichter und schneller laufen als viele damalige Gasmotoren. Diese Aufgabe war ebenso eine Werkstattfrage wie eine theoretische: Zylinder, Ventile, Lager, Zündung und Kraftübertragung mussten zuverlässig zusammenspielen.

Kindheit & Herkunft in Schorndorf

Gottlieb Wilhelm Daimler wurde am 17. März 1834 in Schorndorf geboren. Die Familie lebte dort seit Generationen. Über seine frühe Kindheit ist weniger überliefert als über seine spätere Ausbildung. Entscheidend ist, dass er zunächst keinen akademischen Ingenieurweg einschlug.

1848 begann der Vierzehnjährige in Schorndorf eine Lehre als Büchsenmacher. 1852 schloss er sie erfolgreich ab. Das Büchsenmacherhandwerk verlangte präzise Metallbearbeitung: Läufe mussten gebohrt und gerichtet, Schlösser angepasst, Federn gehärtet und zahlreiche kleine Teile mit Feile und Messzeug aufeinander abgestimmt werden. Diese Genauigkeit blieb ein Fundament seiner späteren Maschinenarbeit.

Nach der Lehre sammelte Daimler praktische Erfahrungen im Maschinenbau in Frankreich. Erst danach besuchte er von 1857 bis 1859 die Polytechnische Schule in Stuttgart. Seine technische Bildung wuchs also aus der Kombination von Handwerk, Wanderschaft und Studium.

Maschinenbau, Maybach und die Versuchswerkstatt

Nach weiteren Tätigkeiten in Frankreich und England übernahm Daimler 1863 die Werkstätteninspektion der Maschinenfabrik des Bruderhauses in Reutlingen. Dort begegnete er 1864 Wilhelm Maybach, der zu seinem wichtigsten technischen Mitstreiter werden sollte.

1868 wurde Daimler Werkstättenvorsteher der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe, 1872 technischer Leiter der Gasmotorenfabrik Deutz. Dort lernte er das Viertaktprinzip Nikolaus August Ottos aus unmittelbarer industrieller Praxis kennen. Daimler und Maybach wollten das Konzept jedoch für einen anderen Zweck weiterentwickeln: Der Motor sollte kompakt und schnelllaufend genug werden, um Fahrzeuge anzutreiben.

Nach dem Bruch mit der Deutzer Leitung zog Daimler 1882 nach Cannstatt und richtete im Garten seiner Villa eine Versuchswerkstatt ein. Dort arbeiteten er und Maybach an einem kleinen Motor mit Glührohrzündung. Ende 1883 war eine Konstruktion patentfähig; 1884 folgte die wegen ihrer Form „Standuhr“ genannte Maschine.

Werkstatttechnisch war die hohe Drehzahl entscheidend. Ein leichter Motor konnte bei höherer Drehzahl vergleichsweise viel Leistung abgeben. Dafür mussten Lagerung, Gemischbildung, Zündung und bewegte Teile präziser werden. Daimlers Motoridee war deshalb keine bloße Verkleinerung bestehender Maschinen.

Reitwagen, Motorkutsche und universeller Motor

1885 wurde eine Variante des Motors in den sogenannten Reitwagen eingebaut. Das zweirädrige Versuchsfahrzeug gilt als frühes motorisiertes Zweirad. 1886 folgte die Motorisierung einer Kutsche. Daimler dachte den Verbrennungsmotor jedoch nicht ausschließlich als „Automotor“: Er sollte ebenso Boote, Arbeitsmaschinen und andere Fahrzeuge antreiben können.

1887 bezog das Unternehmen neue Räume auf dem Seelberg in Cannstatt. 1890 entstand mit Kapitalgebern die Daimler-Motoren-Gesellschaft. Das Verhältnis zu den Investoren war schwierig. Maybach schied 1891 aus; Daimler wurde 1893 aus dem Unternehmen gedrängt. 1895 kehrten beide zurück.

Daimlers Ruhm beruht daher auf einer Kette von Leistungen: vom Büchsenmacher über den Maschinenbauer zum Unternehmer, vom stationären Gasmotor zum leichten schnelllaufenden Verbrennungsmotor und von dort zur praktischen Motorisierung verschiedener Verkehrsmittel. Viele konkrete Konstruktionen entstanden in enger Zusammenarbeit mit Maybach; die Geschichte sollte deshalb nicht als Werk eines einzigen Mannes erzählt werden.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 17. März in Schorndorf.
  • Büchsenmacherlehre in Schorndorf.
  • Heirat mit Emma Kurtz; Aufbau einer Familie parallel zu wechselnden beruflichen Stationen.
  • Tod seiner ersten Frau Emma.
  • Erneute schwere Herzbeschwerden und Kuraufenthalt in Florenz.
  • Zweite Ehe mit Lina Hartmann, geborene Schwend.
  • Tod am 6. März; Beisetzung auf dem Uff-Kirchhof in Stuttgart-Bad Cannstatt.

Beruflicher Lebenslauf

  • Praktische Maschinenbauerfahrung in Frankreich und Studium am Stuttgarter Polytechnikum.
  • Werkstätteninspektor im Bruderhaus Reutlingen.
  • Beginn der langfristigen Zusammenarbeit mit Wilhelm Maybach.
  • Werkstättenvorsteher bei der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe.
  • Technischer Leiter der Gasmotorenfabrik Deutz.
  • Eigene Versuchswerkstatt in Cannstatt.
  • Entwicklung des kleinen schnelllaufenden Motors und der „Standuhr“.
  • Motor im Reitwagen.
  • Motorisierung einer Kutsche.
  • Gründung der Daimler-Motoren-Gesellschaft.
  • Rückkehr Daimlers und Maybachs zur DMG nach Konflikten mit Kapitalgebern.

Motor, Reitwagen & Werkstatt

Quellen & Weiterführendes