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48 · Tischler · Klavierbauer · Harz, Seesen & New York

Heinrich Engelhard Steinweg

Heinrich Engelhard Steinweg – in den USA Henry E. Steinway – kam aus ärmlichen Verhältnissen, lernte Holzverarbeitung und Orgelbau und machte den Instrumentenbau zu einem Familienhandwerk. Aus seiner Seesener Werkstatt entstand nach der Auswanderung nach New York Steinway & Sons.

Geboren
22. Februar 1797 · Wolfshagen im Harz
Gestorben
7. Februar 1871 · New York
Handwerk
Tischlermeister, Orgel- und Klavierbauer
Berühmt für
Aufbau der Steinweg-Werkstatt und Gründung von Steinway & Sons
Historisches Studioporträt von Heinrich Engelhard Steinweg alias Henry E. Steinway
Henry E. Steinway, geboren Heinrich Engelhard Steinweg. Historisches Studioporträt; die korrekten Lebensdaten sind 1797–1871.

Steinwegs Lebenslauf verbindet drei Handwerksebenen: das genaue Arbeiten des Tischlers, das akustische und mechanische Wissen des Orgel- und Instrumentenbauers und schließlich die organisierte Familienproduktion einer Klavierfabrik. Sein Ruhm beruht nicht auf einer einzigen isolierten Erfindung, sondern auf einem Familienbetrieb, in dem zahlreiche konstruktive Verbesserungen zusammenkamen.

Kindheit, Armut & erste Holzarbeiten

Heinrich Engelhard Steinweg wurde am 22. Februar 1797 in Wolfshagen im Oberharz als Sohn eines Försters geboren. Die Deutsche Biographie beschreibt seine Jugend als von ärmlichen Lebensumständen geprägt. Seit 1812 war er Vollwaise. Damit fehlten ihm jene familiären Sicherheiten, die viele Handwerkslehren überhaupt erst ermöglichten.

Er arbeitete bei einem Tischler in Goslar und eignete sich Kenntnisse der Holzbearbeitung an. Zwischen 1815 und 1819 war er Soldat. Auch in dieser Zeit beschäftigte er sich mit kleineren Musikinstrumenten und handwerklicher Arbeit. 1819 begann er eine Lehre bei einem Orgelbauer in Goslar.

Bereits 1820 ließ er sich in Seesen als „Tischlermeister und musikalischer Instrumentenmacher“ nieder. Diese Berufsbezeichnung beschreibt sein Profil sehr gut: Holzbau und Musikinstrument gehörten für ihn zusammen. Zunächst fertigte und reparierte er unter anderem Gitarren, Mandolinen und Zithern und beschäftigte sich mit Orgel und Klavier.

Vom Instrumentenmacher zum Klavierbauer

1825 erhielt Steinweg das Bürgerrecht in Seesen und heiratete Julianne Henriette Thiemer. Die Werkstatt wurde zugleich zum Familienbetrieb. Die überlieferten Quellen unterscheiden sich geringfügig bei der Gesamtzahl der Kinder; das Smithsonian dokumentiert neun Kinder namentlich, während die Deutsche Biographie zehn nennt und davon acht als erwachsen geworden beschreibt. Sicher ist: Mehrere Söhne arbeiteten später aktiv im Klavierbau mit.

1836 baute Steinweg seinen ersten Flügel sowie ein Tafelklavier. Die Firmengeschichte erzählt von dem berühmten „Küchenflügel“, weil der Bau im eigenen Haus beziehungsweise in der Küche stattgefunden haben soll. Technisch entscheidend ist weniger die Anekdote als der Schritt vom allgemeinen Instrumentenbau zu einem komplexen Saiteninstrument.

Ein Klavier verlangt mehrere Handwerke zugleich: Resonanzboden und Gehäuse müssen aus ausgewähltem, gelagertem Holz gefertigt werden; Stege übertragen die Saitenschwingung; der Rahmen muss hohe Zugkräfte aufnehmen; Mechanik, Hämmer und Tastatur verlangen sehr kleine Toleranzen. 1839 erhielt Steinweg auf einer Gewerbeausstellung in Braunschweig einen ersten Preis für einen Flügel und zwei Tafelklaviere.

Die Seesener Werkstatt produzierte um diese Zeit nur ungefähr zehn Instrumente pro Jahr. Es handelte sich noch nicht um eine Großfabrik, sondern um qualitätsorientierten handwerklichen Klavierbau. Wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten der 1840er Jahre trugen schließlich zur Auswanderungsentscheidung bei.

Von Steinweg zu Steinway

1850 wanderte Heinrich mit seiner Frau, drei Töchtern und vier Söhnen nach New York aus. Ein Sohn war bereits zuvor in die USA gegangen; der älteste Sohn Theodor blieb zunächst in Deutschland und führte die dortige Werkstatt weiter. In New York arbeiteten Heinrich und mehrere Söhne anfangs für andere Klavierhersteller und lernten so den amerikanischen Markt und Produktionsmethoden kennen.

1853 gründeten Vater und Söhne Steinway & Sons. Aus Heinrich Engelhard Steinweg wurde im amerikanischen Umfeld Henry E. Steinway. Schon 1854 gewannen Steinway-Tafelklaviere einen ersten Preis auf der Ausstellung des Metropolitan Mechanics Institute; 1855 folgte eine Goldmedaille des American Institute für ein übersaitiges Tafelklavier mit Eisenrahmen.

Die große technische Entwicklung von Steinway & Sons war Familienarbeit. Zahlreiche Patente wurden von den Söhnen erarbeitet. Die übersaitete Anordnung, massive Metallrahmen und Verbesserungen von Resonanzboden und Mechanik erlaubten kräftigere, größere Instrumente, die den Anforderungen wachsender Konzertsäle entsprachen. Deshalb wäre es falsch, jede spätere Steinway-Innovation Heinrich allein zuzuschreiben. Sein entscheidender Beitrag war, die handwerkliche Grundlage und das Familienunternehmen geschaffen zu haben, in dem diese Entwicklungen möglich wurden.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 22. Februar in Wolfshagen im Harz als Sohn eines Försters.
  • Nach dem Verlust der Eltern Vollwaise; Jugend unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen.
  • Militärdienst; daneben weitere Beschäftigung mit Holz und Instrumenten.
  • Heirat mit Julianne Henriette Thiemer in Seesen. Die große Familie wird später zum Kern des Klavierunternehmens.
  • Auswanderung mit einem großen Teil der Familie nach New York.
  • Schweres Familienjahr: Zwei Söhne, Henry Jr. und Charles, sterben.
  • Tod am 7. Februar in New York.

Beruflicher Lebenslauf

  • Arbeit bei einem Tischler in Goslar; Aufbau von Fähigkeiten in der Holzbearbeitung.
  • Lehre bei einem Orgelbauer in Goslar.
  • Niederlassung in Seesen als Tischlermeister und musikalischer Instrumentenmacher.
  • Bau des ersten dokumentierten Flügels und eines Tafelklaviers.
  • Erster Preis auf der Braunschweiger Gewerbeausstellung für Klaviere.
  • Auswanderung nach New York; zunächst Arbeit in bestehenden Klavierfabriken.
  • Gründung von Steinway & Sons mit seinen Söhnen.
  • Erster Preis bei der Ausstellung des Metropolitan Mechanics Institute.
  • Goldmedaille für ein übersaitiges Tafelklavier mit Eisenrahmen.

Klavierbau zwischen Holz, Eisen & Saitenzug

Der Klavierbau knüpft an Tischler-, Metall- und Instrumentenmacherwissen an. Weitere historische Instrumentenbauer finden sich in der Übersicht Berühmte Handwerker & Meister.

Quellen & Weiterführendes

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