Jacob Stainer
Jacob Stainer aus Absam wurde zum berühmtesten Geigenbauer des deutschsprachigen Barock. Seine Instrumente waren im 17. und 18. Jahrhundert außerordentlich geschätzt. Gerade bei seiner Ausbildung muss jedoch zwischen gesicherten Fakten und späteren Cremona-Erzählungen unterschieden werden.
- Geboren
- um 1618, wahrscheinlich Absam
- Gestorben
- Herbst 1683, Absam
- Handwerk
- Geigenbauer
- Berühmt für
- eigenständigen Tiroler Geigenbau

Stainers Lebensweg zeigt, wie schnell sich handwerkliche Biografie mit Legende vermischt. Seine Instrumente sind real und gut greifbar; die oft wiederholte Behauptung, er sei nachweislich Schüler Nicolò Amatis gewesen, ist dagegen nicht urkundlich belegt.
Herkunft und Familie
Stainer wurde um 1618, wahrscheinlich in Absam bei Hall in Tirol, geboren. Sein Vater Hans war Bergmann; die Mutter Barbara Ponberger starb früh. Die Region um Hall war durch Bergbau, Handel und handwerkliche Spezialberufe geprägt.
1645 heiratete Jacob Margarete Holzhammer, eine Tochter des Bergmeisters des Salzamtes Hall. Das Paar hatte neun Kinder, von denen vier früh starben. Stainers Werkstatt blieb stark auf seine Person konzentriert; eine große Schule von Schülern wie bei manchen italienischen Geigenbauerfamilien ist für ihn nicht belegt.
Wo lernte Stainer den Geigenbau?
Die genaue Lehrzeit ist eines der ungelösten Kapitel seiner Biografie. Stilistische und instrumentenkundliche Beobachtungen verbinden seine frühen Arbeiten mit der norditalienischen Geigenbautradition. Daraus entstand die Vorstellung einer Ausbildung in Cremona, häufig sogar direkt bei Nicolò Amati.
Eine Urkunde, die eine solche Amati-Lehre bestätigt, ist bislang nicht bekannt. Für das Lexikon ist diese Unterscheidung entscheidend: Cremonesische Einflüsse können überzeugend sein, ohne dass aus ihnen automatisch ein dokumentiertes Lehrverhältnis wird.
Warum Stainer so berühmt wurde
Stainer entwickelte ein eigenes Modell mit charakteristischer Wölbung und klanglicher Ästhetik. Seine Geigen wurden in Mitteleuropa lange höher geschätzt als viele italienische Instrumente, bevor sich im 19. Jahrhundert Stradivari- und Guarneri-Modelle stärker durchsetzten.
Sein Ruf führte zugleich zu zahllosen Nachahmungen und falschen Stainer-Zetteln. Deshalb ist die heutige Instrumentenkunde stark mit Fragen von Zuschreibung, Etiketten und Bauvergleich beschäftigt.
Persönlicher Lebenslauf
- Geburt wahrscheinlich in Absam.
- Heirat mit Margarete Holzhammer in Absam.
- Neun Kinder; vier sterben früh.
- Tod in Absam.
Beruflicher Lebenslauf
- Stainer ist im Zusammenhang mit Instrumentenhandel und Arbeit in Salzburg fassbar.
- Aufträge und Kontakte unter anderem nach München.
- Erwerb eines Hauses in Absam; feste Werkstattbasis.
- Ehrentitel als erzherzoglicher Diener; steigender überregionaler Ruf.
Instrument und Werkstattspur

