Jörg Syrlin der Ältere
Jörg Syrlin der Ältere führte das Schreinerhandwerk in eine außergewöhnliche bildhauerische Dimension. Das Ulmer Chorgestühl mit seinen Gelehrten- und Sibyllenbüsten gehört zu den bedeutendsten Holzarbeiten des 15. Jahrhunderts.
- Geboren
- um 1425 in Ulm
- Gestorben
- 1491 in Ulm
- Handwerk
- Schreiner · Bildhauer
- Berühmt für
- Chorgestühl im Ulmer Münster

Geburt und Familie
Jörg Syrlin wurde um 1425 in Ulm geboren. Sein Vater Haintz war als Zimmermann beziehungsweise Holzhandwerker im Ulmer Raum tätig. Syrlin wuchs also in einem Umfeld auf, in dem Holzkonstruktion kein abstraktes Wissen, sondern tägliche Praxis war.
Diese Herkunft erklärt nicht automatisch sein späteres Können, zeigt aber den handwerklichen Boden seiner Karriere. In Ulm trafen Bauhütte, Schreiner, Bildhauer, Maler und zahlreiche weitere Gewerke am Münster aufeinander.
Lehre und Weg zum Meister
Die Details seiner Lehre sind nicht vollständig dokumentiert. Syrlin erscheint jedoch im 15. Jahrhundert als ausgebildeter Schreiner und Bildhauer. Seine Arbeiten setzen höchste Kenntnisse in Holzverbindung, Maßhaltigkeit, Schnitztechnik und Entwurf voraus.
Anders als bei freistehenden Figuren musste ein Chorgestühl gleichzeitig Möbel, Architektur und Bildprogramm sein. Sitze, Rücken, Baldachine und Skulpturen bildeten ein konstruktives Ganzes.
Die Ulmer Werkstatt
Syrlin leitete eine größere Werkstatt und war wirtschaftlich erfolgreich. 1475 ist ein Hausbesitz in Ulm belegt. Seine Werkstatt verband Schreinerarbeit mit hoch entwickelter figürlicher Schnitzerei.
Das berühmte Chorgestühl des Ulmer Münsters entstand ab 1468. Die Büsten von Philosophen, antiken Autoren und Sibyllen zeigen, wie stark das Werk über eine reine liturgische Möblierung hinausging.
Warum Syrlin berühmt wurde
Das Ulmer Chorgestühl zählt zu den bedeutendsten erhaltenen spätgotischen Chorgestühlen Europas. Seine Figuren besitzen individuelle Gesichtszüge, komplizierte Kopfbedeckungen und feinste Oberflächen.
Syrlins Ruhm ist deshalb ein hervorragendes Beispiel dafür, dass Schreinerarbeit im späten Mittelalter nicht nur „Möbelbau“ bedeutete. Konstruktion, Ornament, Bildhauerei und Raumwirkung konnten in einem einzigen Auftrag verschmelzen.
Persönlicher Lebenslauf
- Geburt in Ulm als Sohn eines Holzhandwerkers.
- Aufbau von Haushalt und Werkstatt in Ulm.
- Hausbesitz in Ulm ist belegt.
- Tod in Ulm.
Beruflicher Lebenslauf
- Ausbildung im Holz- und Schreinerhandwerk.
- Als Handwerker in Ulm greifbar.
- Großauftrag für das Chorgestühl des Ulmer Münsters.
- Leitung einer bedeutenden Ulmer Holzwerkstatt.
Werke aus dem Ulmer Chorgestühl
Quellen
Geschichte des Tischler- und Schreinerhandwerks
Holz, Möbel, Werkstattorganisation, Zunft und der Weg von der Einzelanfertigung zur Serienproduktion.
