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Berühmter Handwerker · Ulm · um 1425–1491

Jörg Syrlin der Ältere

Schreiner, Werkstattleiter und Gestalter anspruchsvoller Holzarchitektur. Sein Name ist eng mit dem Ulmer Münster verbunden – doch bei den berühmten Figuren des Chorgestühls muss sauber zwischen Syrlins Schreinerarbeit und der Bildhauerarbeit Michel Erharts unterschieden werden.

1449–1491in Ulmer Quellen über Jahrzehnte greifbar
1468Dreisitz im Ulmer Münster
1469–1474Chorgestühl: Schreiner- und Konstruktionsarbeit Syrlins
1482Fischkastenbrunnen mit Michel Erhart
Historische Aufnahme des spätgotischen Chorgestühls im Ulmer Münster, dessen Schreinerarbeit Jörg Syrlin dem Älteren zugeschrieben ist
Syrlins bekanntestes Werkensemble: das Ulmer Chorgestühl. Die Schreiner- und Konstruktionsleistung ist Syrlin zugeordnet; die lebensgroßen Büsten und Figuren schreibt das Ulmer Münster heute Michel Erhart zu. Historische Aufnahme · gemeinfrei

Jörg Syrlin der Ältere gehört zu den großen Namen der Ulmer Spätgotik. Seine Bedeutung liegt nicht nur in einzelnen Kunstwerken, sondern vor allem in der Verbindung von präziser Schreinerarbeit, konstruktivem Denken, repräsentativer Ausstattung und einer leistungsfähigen Werkstatt. Gerade das berühmte Chorgestühl im Ulmer Münster zeigt, wie stark ein spätmittelalterliches Großprojekt arbeitsteilig organisiert war.

Deshalb wird hier nicht jedes geschnitzte Gesicht pauschal Syrlin zugeschrieben. Die Quellen sichern seine Rolle als Schreiner und Werkstattleiter deutlich besser als eine persönliche Autorschaft an sämtlichen Figuren. Die heutige institutionelle Einordnung des Ulmer Münsters nennt Jörg Syrlin für die Schreinerarbeit und Michel Erhart für die Büsten und Figuren.

Biografie aus Quellen

Vom Ulmer Schreiner zum Leiter einer bedeutenden Werkstatt

Geburt in Ulm

Syrlin wurde um 1425 in Ulm geboren. Sein Vater Haintz war Zimmermann in Söflingen und kam Anfang des 15. Jahrhunderts in die Reichsstadt Ulm, wo er das Bürgerrecht erwarb. Damit wuchs Jörg Syrlin in einem handwerklich geprägten Umfeld auf; seine eigene Laufbahn ist anschließend als Schreiner- und Bildhauerkarriere belegt.

In Ulmer Quellen nachweisbar

Die Rentbücher der Ulmer Frauenpflege nennen Syrlin über Jahrzehnte bis 1491. Diese kontinuierliche Überlieferung zeigt einen dauerhaft in Ulm tätigen Meister, nicht einen nur vorübergehend beschäftigten Künstler.

Signiertes Evangelienpult

Ein Evangelienpult aus Ottenbach wird in der Forschung als frühes signiertes und datiertes Werk Syrlins geführt. Es zeigt, dass er schon vor den großen Ulmer Aufträgen als selbständig auftretender Schreiner greifbar ist.

Der sogenannte Hochzeitsschrank

Auch der sogenannte Hochzeitsschrank gehört zu den frühen, mit Syrlin verbundenen Arbeiten. Möbel und kirchliche Ausstattung zeigen, wie breit die Aufgaben einer anspruchsvollen Schreinerwerkstatt sein konnten.

Dreisitz im Ulmer Münster

Der Dreisitz gehört zu den besonders wichtigen sicheren Arbeiten Syrlins im Münster. Konstruktion, Maßwerk und ornamentale Holzarbeit führen direkt zu den noch größeren Aufgaben der folgenden Jahre.

Das Chorgestühl

Signaturen dokumentieren Beginn und Vollendung des Chorgestühls. Besonders bemerkenswert ist die elegante, ohne Nägel und Scharniere auskommende Konstruktion. Das Werk wurde zu einem weithin beachteten Beispiel spätgotischer Schreinerkunst.

Eigene Werkstatt in Ulm

Für 1475 ist Syrlin als Hausbesitzer in der Ulmer Gasse belegt. Die lange Quellenreihe und die Größe seiner Aufträge sprechen für eine etablierte Werkstatt mit Gesellen und arbeitsteiliger Produktion.

Fischkastenbrunnen

Der Fischkastenbrunnen auf dem Ulmer Marktplatz entstand im Zusammenwirken von Jörg Syrlin und Michel Erhart. Das Objekt macht die Kooperation von Architekturentwurf, Schreinerwissen und Bildhauerei im spätgotischen Ulm besonders anschaulich.

Tod in Ulm

Syrlin starb 1491 in Ulm. Seine Werkstatttradition wurde unter anderem durch seinen gleichnamigen Sohn fortgeführt.

Zuschreibungen sauber trennen

Die „Syrlin-Frage“: Wer schnitzte die berühmten Köpfe?

Ältere Forschung schrieb große Teile der Figuren am Chorgestühl Jörg Syrlin selbst zu. Heute wird stärker zwischen Konstruktion, Schreinerarbeit, ornamentaler Ausstattung und figürlicher Bildhauerei unterschieden. Das Ulmer Münster nennt für das Chorgestühl die Schreinerarbeit Jörg Syrlins und die lebensgroßen Büsten und Figuren Michel Erharts.

Auch die Neue Deutsche Biographie betont, dass Syrlins eigener Anteil an der Plastik nicht bei jedem Teil eindeutig zu bestimmen ist. Zugleich war er Mitglied der Ulmer Schreiner- und Wagnerzunft, nicht der für Bildhauer relevanten Kramerzunft. Schreiner durften jedoch nach dem Konstanzer Spruchbrief auch schnitzerisch arbeiten. Die sinnvollste Einordnung lautet daher: Syrlin war der zentrale Schreiner, Konstrukteur und Werkstattleiter des Ensembles; die figürliche Plastik ist arbeitsteilig zu betrachten und wird heute wesentlich Michel Erhart zugeschrieben.

Werke und Werkstatt

Was Jörg Syrlin zugeschrieben werden kann

Belegt

Evangelienpult, 1458

Frühe signierte und datierte Arbeit. Sie belegt Syrlin schon vor den großen Münsteraufträgen als eigenständig auftretenden Schreiner.

Belegt

Hochzeitsschrank, 1465

Ein wichtiges Möbelwerk für die Entwicklung von Syrlins Werkstattprofil und seine Arbeit außerhalb monumentaler Kirchenausstattung.

Belegt

Dreisitz, 1468

Das Gestühl im Ulmer Münster gehört zu den sicheren Schlüsselwerken und verbindet Konstruktion, Architekturformen und fein ausgeführte Holzdetails.

Schreinerarbeit belegt

Chorgestühl, 1469–1474

Syrlins konstruktive und schreinerische Leistung ist klar belegt. Die Figuren und Büsten werden nach heutiger Einordnung nicht pauschal ihm, sondern wesentlich Michel Erhart zugeschrieben.

Archivalisch belegt

Hochaltarretabel des Ulmer Münsters

Ein wiedergefundener Vertrag dokumentiert Syrlins Auftrag für die Schreinarchitektur beziehungsweise den „sarch“ des 1474 in Auftrag gegebenen Hochaltarretabels. Das Retabel wurde 1531 zerstört; Rekonstruktionen stützen sich deshalb auf Archivalien und kunsthistorische Forschung.

Gemeinschaftsarbeit

Fischkastenbrunnen, 1482

Der Ulmer Brunnen verbindet Syrlins Anteil mit der Bildhauerarbeit Michel Erharts. Er ist ein anschauliches Beispiel für die Zusammenarbeit spezialisierter Werkstätten.

Werkstattpraxis

Mit welchen Werkzeugen arbeitete Syrlins Werkstatt?

Direkt für Jörg Syrlin persönlich belegt: In den hier ausgewerteten Quellen ist keine vollständige persönliche Werkzeugliste oder erhaltene Werkzeugkiste Syrlins dokumentiert.

Für das Schreinerhandwerk seiner Werkstattzeit fachlich belegt: Sägen, Hobel, Stemmeisen, Bohrer, Zirkel, Werkbank und Klüpfel gehören zu den grundlegenden Bearbeitungs- und Konstruktionswerkzeugen historischer Holzwerkstätten. Diese Zuordnung beschreibt den Handwerkskontext und keine persönliche Besitzliste.

Bilder, Werke und Zusammenarbeit

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Recherche und Gegenprüfung

Kernquellen für dieses Profil