John Harrison
John Harrison kam nicht aus einer akademischen Sternwarte, sondern aus dem Holzhandwerk. Als Tischler und autodidaktischer Uhrmacher machte er aus präziser Mechanik ein Navigationswerkzeug und widmete Jahrzehnte der Frage, wie eine Uhr auf einem bewegten Schiff zuverlässig weiterlaufen kann.
- Geboren
- 24. März 1693 · Foulby bei Wakefield, Yorkshire
- Gestorben
- 24. März 1776 · London
- Handwerk
- Tischler · Uhrmacher · Feinmechaniker
- Berühmt für
- Marinezeitmesser H1–H4 und die Bestimmung des Längengrads

Harrisons Geschichte ist ein starkes Beispiel dafür, wie handwerkliche Erfahrung in ein wissenschaftliches Problem hineinwachsen kann. Seine frühen Uhren verwendeten sogar hölzerne Räder und zeigten, wie ernst er Reibung, Materialverhalten und Temperatur nahm.
Vom Tischlerhandwerk zur Uhrmacherei
John Harrison wurde 1693 in Foulby in Yorkshire geboren. Er arbeitete zunächst als Tischler und Zimmermann und eignete sich die Uhrmacherei weitgehend selbst an. Seine Herkunft prägte seine technischen Lösungen: Holz war für ihn kein primitives Material, sondern ein präzise zu bearbeitender Werkstoff mit bekannten Reibungs- und Formeigenschaften.
Schon in jungen Jahren baute Harrison Pendeluhren. Im Laufe der 1720er-Jahre erreichten seine Präzisionsuhren für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Ganggenauigkeiten. Er entwickelte unter anderem Lösungen zur Temperaturkompensation und ein reibungsarmes Hemmungssystem, das später als Grasshopper Escapement bekannt wurde.
Warum eine Schiffsuhr so schwer zu bauen war
Eine gute Standuhr arbeitet in einem ruhigen Raum. Auf See ändern sich dagegen Temperatur und Luftfeuchtigkeit, das Schiff rollt und stampft, Schmiermittel verändern sich und jedes Bauteil ist permanent Bewegung ausgesetzt. Genau diese Bedingungen machten das Längenproblem zu einem handwerklich-mechanischen Problem ersten Ranges.
1714 setzte das britische Parlament hohe Belohnungen für eine praktikable Methode zur Bestimmung des Längengrads aus. Harrison konzentrierte sich darauf, die genaue Zeit eines Ausgangsortes auf See zu bewahren. Verglich ein Navigator diese Zeit mit dem lokalen Sonnenstand, ließ sich daraus der Längengrad berechnen.
H1 bis H4: vier Jahrzehnte Entwicklungsarbeit
Harrisons erster großer Marinezeitmesser H1 wurde 1735 fertig und 1736 auf einer Reise nach Lissabon erprobt. H2 folgte, kam aber nicht zur entscheidenden Seeprüfung, weil Harrison selbst Konstruktionsprobleme erkannte. An H3 arbeitete er rund neunzehn Jahre.
Der Durchbruch kam mit einem völlig anderen Ansatz: H4 sah eher wie eine sehr große Taschenuhr aus als wie seine früheren Maschinen. Auf der Jamaika-Reise 1761/62 zeigte der Zeitmesser eine Genauigkeit, die die praktische Längengradbestimmung möglich machte. Die anschließende Auseinandersetzung um die Bedingungen der ausgeschriebenen Belohnung zog sich noch Jahre hin.
Persönlicher Lebenslauf
- Geburt am 24. März in Foulby bei Wakefield in Yorkshire.
- Arbeit als Tischler und selbständige Beschäftigung mit Uhren und Präzisionsmechanik.
- Harrison sucht in London Unterstützung für seine Lösung des Längenproblems und tritt in Kontakt mit Astronomen und Uhrmachern.
- Sein Sohn William begleitet H4 auf der entscheidenden Reise nach Jamaika und dokumentiert den Versuch.
- Harrison stirbt am 24. März, seinem 83. Geburtstag, in London.
Beruflicher Lebenslauf
- Bau früher Pendeluhren, teilweise mit hölzernen Rädern; Entwicklung eigener Lösungen gegen Reibung und Temperaturfehler.
- Fertigstellung von H1, seinem ersten großen Marinezeitmesser.
- Seeerprobung von H1 auf einer Reise nach Lissabon.
- Langjährige Arbeit an H3 und parallel zunehmende Erkenntnis, dass ein kleineres Uhrwerk Vorteile haben könnte.
- Entwicklung des kompakten H4 auf Grundlage hochpräziser Uhrmacherei.
- Jamaika-Test von H4; die Leistungsfähigkeit eines tragbaren Marinezeitmessers wird praktisch demonstriert.
- Nach langem Streit erhält Harrison durch Parlamentsentscheidung eine weitere hohe Zahlung für seine Arbeit.
Mechanik für die Navigation


Quellen & Weiterführendes
Geschichte des Uhrmacherhandwerks
Uhrwerk, Hemmung, Präzision, Werkzeuge und die Entwicklung der Zeitmessung vom Handwerk zur Feinmechanik.