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27 · Plattner · Augsburg

Kolman Helmschmied

Kolman Helmschmied gehörte zu den berühmtesten Plattnern der Renaissance. In seiner Augsburger Werkstatt wurde Stahl nicht nur zum Schutz des Körpers geformt: Harnische wurden zu maßgeschneiderten technischen Systemen, höfischer Repräsentation und beweglicher Metallskulptur.

Geboren
1471, Augsburg
Gestorben
1532, Augsburg
Handwerk
Plattner · Harnischmacher
Berühmt für
Kaiserliche Harnische und Turniergarnituren
Harnisch mit Helm, der Kolman Helmschmied zugeschrieben wird
Harnisch aus Augsburg/Landshut; der Helm wird Kolman Helmschmied zugeschrieben. Metropolitan Museum of Art, Bild über Wikimedia Commons.

Ein Plattenharnisch der Renaissance war kein starrer Metallanzug. Dutzende Teile mussten Schutz, Beweglichkeit, Gewicht und Körperform miteinander versöhnen. Gelenke wurden über geschobene Lamellen beweglich, Oberflächen getrieben, geschliffen, geätzt und teilweise vergoldet. Bei Kolman Helmschmied erreichte dieses Zusammenspiel von Schmiedetechnik, Maßarbeit und höfischer Gestaltung einen internationalen Rang.

Kindheit in einer Plattnerdynastie

Kolman wurde 1471 in Augsburg geboren. Sein Vater Lorenz Helmschmied hatte den Namen der Familie bereits zu einem der wichtigsten im süddeutschen Harnischbau gemacht und arbeitete für Kaiser Friedrich III. und Maximilian I. Kolman wuchs damit in einer Werkstattwelt auf, in der hochwertige Stahlbleche, Ambosse, Treibhämmer, Schleifarbeit und genaue Körpermaße zum Alltag gehörten.

Die Quellen fassen Kolman erstmals 1492, damals noch an der Seite seines Vaters. Das ist für die Geschichte des Handwerks besonders aufschlussreich: Der Übergang von einer Generation zur nächsten geschah nicht plötzlich. Wissen, Formen, Kundenkontakte, Werkstattzeichen und Spezialtechniken wurden über Jahre gemeinsam weitergegeben.

Vom Sohn des Meisters zum führenden Plattner

Über eine formale Lehrzeit Kolmans ist nur wenig überliefert. Seine frühe Mitarbeit in der väterlichen Werkstatt macht jedoch deutlich, wo er sein Handwerk erlernte. Ein Plattner musste Stahlbleche erwärmen, treiben, richten und so verbinden, dass der fertige Harnisch dem Träger möglichst exakt folgte. Besonders anspruchsvoll waren Helmvisiere, Schulterstücke, Ellenbogenkacheln, Kniebuckel und die vielen beweglichen Übergänge zwischen den einzelnen Platten.

Spätestens im zweiten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts stand Kolman selbst in enger Verbindung mit dem Kaiserhof. Der Werkstattname Helmschmied war nun nicht mehr nur mit Lorenz, sondern zunehmend mit dem Sohn verbunden. Damit übernahm Kolman eine Kundschaft, zu der die politisch mächtigsten Männer Europas gehörten.

Stahl für Maximilian I. und Karl V.

Kolman arbeitete für Kaiser Maximilian I. und später für Karl V. Er lieferte außerdem an den Marchese von Mantua und an Herzog Albrecht von Preußen. Seine Harnische gehörten damit zu einem internationalen höfischen Markt, in dem Augsburg neben Innsbruck und norditalienischen Zentren zu den wichtigsten Produktionsorten zählte.

Um 1510 entstand der durch seine Meistermarke beglaubigte Harnisch des Andreas von Sonnenberg. Er gehört zu den frühen gesicherten Arbeiten Kolmans und zeigt bereits den Übergang von spätgotischer Formensprache zur Renaissance. Besonders berühmt wurden außerdem sogenannte Garnituren: austauschbare Verstärkungs- und Ergänzungsteile, mit denen ein Grundharnisch für verschiedene Turnierformen oder Einsatzzwecke angepasst werden konnte. Lorenz und Kolman gehörten zu den maßgeblichen Entwicklern dieses Systems.

Charakteristisch für die Spitzenstücke der Zeit war die enge Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten. Ätzmaler wie Daniel Hopfer übertrugen ornamentale Entwürfe auf Stahl. Kolman stand zudem in enger Beziehung zu Hans Burgkmair dem Älteren. Der fertige Harnisch war deshalb das Ergebnis mehrerer Gewerke – doch Konstruktion, Passform und metalltechnische Umsetzung lagen im Zentrum der Plattnerwerkstatt.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt in Augsburg als Sohn des berühmten Plattners Lorenz Helmschmied.
  • Erste urkundliche Fassbarkeit; Kolman arbeitet noch neben seinem Vater.
  • Sein Sohn Desiderius setzt das Plattnerhandwerk fort. Die Tochter Katharina heiratet den Augsburger Maler und Ätzmaler Jörg Sorg den Älteren.
  • Tod in Augsburg. Die Werkstatttradition wird in der nächsten Generation weitergeführt.

Beruflicher Lebenslauf

  • Mitarbeit im Betrieb seines Vaters Lorenz Helmschmied und Übernahme der hoch spezialisierten Augsburger Plattnertradition.
  • Harnisch des Andreas von Sonnenberg als frühe gesicherte, mit Kolmans Marke verbundene Arbeit.
  • Arbeiten für den Hof Maximilians I.; Beteiligung an der Entwicklung vielseitiger Harnischgarnituren.
  • Hochphase der Werkstatt mit Aufträgen für Karl V. und weitere europäische Fürsten.
  • Führung einer der angesehensten Plattnerwerkstätten Europas.

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Quellen & Weiterführendes

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