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53 · Goldschmied · Juwelier · Sankt Petersburg

Peter Carl Fabergé

Peter Carl Fabergé führte keine einsame Künstlerwerkstatt, in der jedes Objekt allein aus seiner Hand entstand. Er baute ein hochorganisiertes Netzwerk aus Werkmeistern, Goldschmieden, Edelsteinfassern, Graveuren, Emailleuren und Designern auf – und machte diese Werkstattorganisation selbst zu einem Teil seines Erfolgs.

Geboren
30. Mai 1846 · Sankt Petersburg
Gestorben
24. September 1920 · Lausanne
Handwerk
Goldschmied, Juwelier, Werkstattleiter
Berühmt für
Haus Fabergé, kaiserliche Ostereier und virtuose Goldschmiedearbeit
Historisches Porträt von Peter Carl Fabergé
Peter Carl Fabergé. Historisches Porträt, gemeinfrei.

Fabergés Ruhm wird oft auf die mit Edelsteinen besetzten Ostereier reduziert. Tatsächlich lag die Besonderheit des Hauses in der Verbindung vieler Gewerke: Edelmetall wurde gegossen, getrieben, graviert und guillochiert; Emaille in zahlreichen Farben über fein strukturierte Flächen gelegt; Steine geschnitten und gefasst; Miniaturmechanismen, Uhren und Überraschungen eingebaut.

Familie, Dresden & europäische Lehrjahre

Peter Carl Fabergé wurde am 30. Mai 1846 in Sankt Petersburg geboren. Sein Vater Gustav Fabergé war Goldschmied und hatte 1842 in der russischen Hauptstadt ein Schmuckatelier eröffnet. Die Familie stammte aus einer hugenottischen Tradition und war über mehrere europäische Regionen nach Russland gelangt.

Anfang der 1860er Jahre zog die Familie nach Dresden. Carl besuchte dort bis zum Sommer 1863 die Handelsschule. Für seine ästhetische Ausbildung wurde das Grüne Gewölbe wichtig: Die sächsische Schatzkammer zeigte ihm historische Goldschmiedekunst, Edelsteinobjekte, Emailarbeiten und höfische Kunstkammerstücke auf höchstem Niveau.

Zwischen 1863 und 1867 folgte eine ausgedehnte europäische Bildungsreise. Fabergé lernte bei Goldschmieden in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, darunter Friedmann in Frankfurt und die Firma Schlöss in Paris. Mehrere Monate verbrachte er in Florenz. Diese Reise verband klassische handwerkliche Weiterbildung mit intensivem Museumsstudium.

Restaurieren, studieren und eine Werkstatt organisieren

Nach der Rückkehr nach Sankt Petersburg erhielt Fabergé ab 1867 Zugang zu den Sammlungen der Kaiserlichen Eremitage. Dort arbeitete er an Katalogisierung, Reparatur und Restaurierung historischer Schmuckstücke, von skythischen Goldarbeiten bis zu französischen Tabatieren des 18. Jahrhunderts. Peter Hiskias Pendin, führender Werkmeister im Atelier seines Vaters, fungierte als handwerklicher Mentor.

1872 übernahm Carl die väterliche Werkstatt. Er veränderte das Geschäftsmodell. Statt sich ausschließlich auf wertvolle Steine zu konzentrieren, behandelte er Gestaltung, Materialwirkung und handwerkliche Raffinesse als Wert an sich. Gold konnte mit Silber, farbigem Stein, Holz, Bergkristall und Emaille kombiniert werden.

Die Produktion war arbeitsteilig. Bedeutende Werkmeister wie Mikhail Perkhin, Henrik Wigström und August Holmström führten eigene Werkstätten beziehungsweise Teams unter dem Dach des Hauses. Designer entwarfen, Goldschmiede fertigten Korpusse, Graveure schnitten Oberflächen, Guillocheure erzeugten geometrische Muster, Emailleure brannten transparente Farbschichten darüber und Fasser setzten Edelsteine. Bei komplexen Objekten waren zahlreiche Spezialisten beteiligt.

Kaiserliche Eier und eine Werkstatt von rund 500 Menschen

1882 gewann Fabergé auf der gesamtrussischen Ausstellung in Moskau eine Goldmedaille. Die kaiserliche Familie wurde aufmerksam. 1885 erhielt das Haus die Ernennung zum Goldschmied mit besonderem Auftrag der Kaiserlichen Krone und den Auftrag für das erste kaiserliche Osterei.

Diese Eier waren keine bloßen Schmuckschalen. Sie konnten Miniaturen, Porträts, Modelle, Uhren oder mechanische Überraschungen enthalten. Die Fertigung eines einzigen komplexen Stücks konnte mehr als ein Jahr beanspruchen. Das Metropolitan Museum betont, dass Designer, Edelsteinschneider, Fasser, Graveure, Emailleure und Polierer zusammenarbeiteten.

Innerhalb von vier Jahrzehnten wuchs das Haus vom kleinen Atelier zu einem Unternehmen mit ungefähr 500 Handwerkern und Designern. Fabergés besondere Rolle lag daher nicht darin, jedes Stück persönlich am Werktisch herzustellen. Er gab ästhetische Richtung, Qualitätsanspruch und Geschäftsstrategie vor und koordinierte außergewöhnlich leistungsfähige Werkmeister.

1917 setzte die Russische Revolution der Produktion ein Ende. Das Unternehmen wurde aufgelöst, Fabergé verließ Russland und starb 1920 im Exil in Lausanne. Die berühmten Eier sind heute nur der sichtbarste Teil eines viel größeren Werkstattkosmos aus Uhren, Dosen, Blumen, Rahmen, Schmuck, Silberwaren und kleinen Luxusobjekten.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 30. Mai in Sankt Petersburg als Sohn des Goldschmieds Gustav Fabergé.
  • Übersiedlung der Familie nach Dresden und Besuch der Handelsschule.
  • Große Bildungsreise durch Europa mit handwerklichen Stationen und Museumsstudium.
  • Rückkehr nach Sankt Petersburg und intensive Beschäftigung mit historischen Goldarbeiten in der Eremitage.
  • Fabergé gründet eine eigene Familie; auch Angehörige der nächsten Generation werden in das Unternehmen eingebunden.
  • Verlust des Unternehmens infolge der Revolution, Flucht aus Russland und letzte Jahre im Exil.
  • Tod am 24. September in Lausanne.

Beruflicher Lebenslauf

  • Sein Vater Gustav hatte bereits vier Jahre vor Carls Geburt ein Schmuckatelier in Sankt Petersburg gegründet.
  • Handwerkliche Fortbildung bei europäischen Goldschmieden.
  • Restaurierungs- und Studienarbeit an der Eremitage.
  • Übernahme der väterlichen Werkstatt.
  • Goldmedaille auf der Pan-Russian Exhibition in Moskau.
  • Kaiserlicher Auftrag und erstes Imperial Easter Egg.
  • Ausbau zu einem internationalen Unternehmen mit rund 500 Handwerkern und Designern.
  • Ende der Fabergé-Produktion infolge der Russischen Revolution.

Gold, Emaille & Werkmeister

Fabergés Werk steht in direkter Verbindung zur Geschichte des Goldschmiedehandwerks.

Quellen & Weiterführendes

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