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57 · Juwelier · Goldschmied · Glasmacher · Paris & Wingen-sur-Moder

René Lalique

René Lalique hatte zwei große Werkstattleben. Zuerst revolutionierte er den Schmuck des Jugendstils, indem er Horn, Emaille, Glas und Halbedelsteine gestalterisch neben Gold und Diamanten stellte. Später übertrug er dieselbe Experimentierfreude auf Pressglas, Parfümflakons, Architekturglas und die Serienproduktion des Art déco.

Geboren
6. April 1860 · Aÿ, Champagne
Gestorben
1. Mai 1945 · Paris
Handwerk
Juwelier, Goldschmied, Glasgestalter
Berühmt für
Art-Nouveau-Schmuck und Art-Déco-Glas
René Lalique – Juwelier, Glasmacher und Erfinder einer neuen Materialästhetik
René Lalique, Porträt von Aron Gerschel, 1906. Wikimedia Commons, gemeinfrei. Bildquelle und Lizenz.

Lalique löste Wert und Schönheit bewusst voneinander. Ein Stück musste für ihn nicht deshalb bedeutend sein, weil es möglichst viele Diamanten enthielt. Form, Farbe, Emaille, durchscheinendes Glas, Horn, Körper- und Pflanzenmotive konnten den eigentlichen künstlerischen Wert erzeugen.

Kindheit, Zeichnung und Goldschmiedelehre

René Jules Lalique wurde am 6. April 1860 in Aÿ in der Champagne geboren. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er in Paris, blieb aber der Landschaft seiner Herkunft verbunden. Naturbeobachtung – Pflanzen, Tiere, Insekten und die menschliche Gestalt – wurde später zu einer Hauptquelle seiner Entwürfe.

1876 begann der Sechzehnjährige eine Lehre beim angesehenen Pariser Juwelier und Goldschmied Louis Aucoc. Parallel beziehungsweise anschließend studierte er an der École des Arts Décoratifs in Paris. Danach verbrachte er ungefähr zwei Jahre in England. Die Ausbildung verband klassisches Goldschmiedehandwerk mit Zeichnung und internationaler Gestaltungserfahrung.

Nach seiner Rückkehr arbeitete Lalique als freier Entwerfer für bekannte Schmuckhäuser wie Boucheron, Cartier, Jacta und Gariod. 1885 übernahm er die Werkstatt von Jules Destapes in Paris und trat damit als selbstständiger Juwelier auf.

Emaille, Horn, Glas und der moderne Schmuck

Die klassische Haute Joaillerie des späten 19. Jahrhunderts bewertete Schmuck stark über Edelsteinwert und technische Fassung. Lalique verschob den Schwerpunkt. Er kombinierte Gold mit Horn, Elfenbein, Opal, Halbedelsteinen, Emaille und Glas. Dadurch konnten Farbe und Form wichtiger werden als Karatgewicht.

Emaille spielt in vielen Arbeiten eine zentrale Rolle. Glaspulver wird auf Metall aufgebracht und eingebrannt; mehrere Farben und transparente Schichten erlauben feine Farbwirkungen. Bei der Technik plique-à-jour kann Emaille ohne geschlossene Metallrückwand wie farbiges Glas in einem Miniaturfenster wirken.

Lalique modellierte Libellen, Schlangen, Orchideen, Frauenkörper und Fabelwesen. Materialien wurden nach ihrer optischen und haptischen Wirkung ausgewählt. Horn konnte transluzent dünn geschliffen, Glas geformt, graviert oder mattiert und Metall als konstruktiver Rahmen eingesetzt werden.

Vom Jugendstilschmuck zum industriellen Glas

Um 1900 erreichte Lalique als Schmuckgestalter den Höhepunkt seines frühen Ruhms. Auf der Pariser Weltausstellung wurde sein Stil international bekannt. Émile Gallé bezeichnete ihn als „Erfinder des modernen Schmucks“.

Dann wechselte Lalique den Schwerpunkt. 1907 begann die Zusammenarbeit mit dem Parfümeur François Coty. Statt Duft in standardisierten Flaschen zu verkaufen, entwarf Lalique Flakons, deren Form und Relief gestalterisch zum jeweiligen Parfüm gehörten. Das verband Markenidentität, Verpackung und Glashandwerk.

1913 erwarb Lalique die Glashütte von Combs-la-Ville und entwickelte Methoden für größere Stückzahlen. Pressformen ermöglichten reliefierte Oberflächen in Serie. Säureätzung, Mattierung, Politur und patinierte beziehungsweise farbig hervorgehobene Vertiefungen machten industriell vervielfältigtes Glas dennoch visuell komplex.

1921 errichtete er in Wingen-sur-Moder im Elsass eine neue Glasfabrik. Dort arbeiteten qualifizierte Glasmacher an Tafelglas, Vasen, Schalen und später berühmten Kühlerfiguren. Lalique wurde damit zu einer Schlüsselfigur des Übergangs vom Art Nouveau zum Art déco und von exklusiver Einzelanfertigung zu anspruchsvoller Serienproduktion.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 6. April in Aÿ in der Champagne.
  • Leben zwischen Champagne und Paris; starke Prägung durch Naturbeobachtung und Zeichnung.
  • Beginn der Lehre bei Louis Aucoc.
  • Studium in Paris und zweijähriger Aufenthalt in England.
  • Seine Tochter Suzanne und sein Sohn Marc werden später ebenfalls gestalterisch beziehungsweise unternehmerisch für das Haus Lalique wichtig.
  • Tod am 1. Mai in Paris; Marc Lalique führt die Glasproduktion weiter.

Beruflicher Lebenslauf

  • Goldschmiede- und Juwelierlehre bei Louis Aucoc.
  • Freier Schmuckdesigner für führende Pariser Häuser.
  • Übernahme der Werkstatt Jules Destapes und eigene Juwelierkarriere.
  • Durchbruch mit experimentellem Jugendstilschmuck.
  • Internationaler Triumph auf der Pariser Weltausstellung.
  • Zusammenarbeit mit François Coty und wachsender Schwerpunkt auf Parfümflakons.
  • Erwerb der Glashütte Combs-la-Ville und Ausbau der Serienfertigung.
  • Neue Verrerie d’Alsace in Wingen-sur-Moder.
  • Große Präsenz auf der Pariser Art-Déco-Ausstellung.

Schmuck & Glas zwischen Einzelstück und Serie

Quellen & Weiterführendes