Tilman Riemenschneider
Tilman Riemenschneider stieg vom zugewanderten Gesellen zum wohlhabenden Würzburger Meister, Großwerkstattinhaber und Ratsherrn auf. Seine Figuren aus Holz und Stein gehören zu den bekanntesten Werken der deutschen Spätgotik.
- Geboren
- um 1460 in Heiligenstadt
- Gestorben
- 1531 in Würzburg
- Handwerk
- Bildschnitzer · Bildhauer
- Berühmt für
- Altäre und Skulpturen

Geburt und Familie
Riemenschneider wurde um 1460 in Heiligenstadt im Eichsfeld geboren. Sein Vater war in einem städtisch-administrativen Umfeld tätig und arbeitete später als Münzmeister in Osterode.
Die Familie verließ Heiligenstadt wohl in den 1460er Jahren. Über Riemenschneiders private Kindheit gibt es nur wenige belastbare Nachrichten. Deutlich wird aber, dass er nicht aus einer Würzburger Werkstattdynastie stammte, sondern als Zugewanderter Karriere machte.
Jugend, Lehre und Wanderschaft
Wo Riemenschneider genau lernte, ist nicht dokumentiert. Erfurt, Ulm und der Oberrhein werden in der Forschung als mögliche Stationen diskutiert, doch ein sicherer Lehrmeister lässt sich nicht nennen.
1483 ist Riemenschneider als Geselle in Würzburg nachweisbar. Zwei Jahre später erwarb er das Bürgerrecht und das Meisterrecht. Die Heirat mit Anna Uchenhofer, einer Witwe aus einer angesehenen Handwerkerfamilie, erleichterte ihm den Aufbau von Haushalt und Werkstatt.
Vom Gesellen zur Großwerkstatt
Riemenschneider arbeitete mit Holz und Stein. Seine Werkstatt fertigte Altäre, Grabmäler, Heiligenfiguren und umfangreiche Figurenprogramme. Mit wachsendem Erfolg beschäftigte er Gesellen und Mitarbeiter. Nicht jedes Werk, das den Namen Riemenschneider trägt, wurde vollständig von seiner eigenen Hand ausgeführt.
Das ist für die Handwerksgeschichte zentral: Der Meister war Entwerfer, Qualitätskontrolleur, Unternehmer und häufig selbst ausführender Spezialist. Große Aufträge entstanden als Werkstattleistung.
Was Riemenschneider berühmt machte
Seine Figuren wirken durch feine Gesichter, bewegte Gewänder und eine ungewöhnlich empfindsame Körpersprache. Besonders bekannt sind der Marienaltar in Creglingen, das Heilig-Blut-Retabel in Rothenburg ob der Tauber und zahlreiche Grabmäler.
Riemenschneider wurde außerdem politisch aktiv und saß im Würzburger Rat. Während des Bauernkriegs 1525 geriet er als Ratsherr in die Auseinandersetzungen zwischen Stadt und Fürstbischof. Er wurde inhaftiert. Die oft erzählte Behauptung, ihm seien dabei die Hände gebrochen worden, ist nicht sicher belegt.
Persönlicher Lebenslauf
- Geburt in Heiligenstadt.
- Familie zieht nach Osterode.
- Bürgerrecht in Würzburg; Heirat mit Anna Uchenhofer.
- Mehrfache Familien- und Haushaltsveränderungen nach dem Tod von Ehepartnerinnen.
- Inhaftierung im Zusammenhang mit dem Bauernkrieg.
- Tod am 7. Juli in Würzburg.
Beruflicher Lebenslauf
- Ausbildung und Gesellenwanderung; genaue Stationen nicht gesichert.
- Als Geselle in Würzburg belegt.
- Meister und selbständiger Werkstattinhaber.
- Aufstieg zu einem der gefragtesten Bildschnitzer der Region.
- Mitglied des Würzburger Rats, zeitweise Bürgermeister.
