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36 · Kunstschreiner · Möbeltischler

Abraham Roentgen

Abraham Roentgen lernte Schreinerei und Schnitzerei beim Vater, wanderte über die Niederlande bis nach London und brachte englische und holländische Möbelideen nach Deutschland. In Neuwied entwickelte er aus einer Kunstschreinerwerkstatt eine frühe Manufaktur – und legte damit das Fundament für die spätere europäische Karriere seines Sohnes David.

Geboren
30. Januar 1711 · Mülheim bei Köln
Gestorben
1. März 1793 · Herrnhut bei Löbau
Handwerk
Kunstschreiner · Möbeltischler · Schnitzer
Berühmt für
Neuwieder Möbelwerkstatt und frühe Roentgen-Manufaktur
Porträt des Kunstschreiners Abraham Roentgen von Johannes Juncker
Abraham Roentgen im Porträt von Johannes Juncker. Bildquelle und Lizenz

Abraham Roentgens Biografie verbindet fast alle klassischen Stationen des alten Handwerks: Familienwerkstatt, Lehre, Wanderschaft, fremde Werkstattkulturen, eigene Niederlassung und schließlich die Übergabe an die nächste Generation. Zugleich zeigt sie, wie sich aus der traditionellen Werkstatt im 18. Jahrhundert eine arbeitsteilige Manufaktur entwickeln konnte.

Kindheit in einer Schreinerfamilie

Abraham Roentgen wurde 1711 in Mülheim bei Köln geboren. Sein Vater Gottfried war Schreinermeister und Schnitzer. Bei ihm lernte Abraham nicht nur das konstruktive Möbelhandwerk, sondern auch Schnitzerei und dekorative Oberflächenarbeit. Die Werkstatt des Vaters war damit zugleich Ausbildungsort und familiärer Alltag.

1739 heiratete Abraham in Marienborn Susanne Marie Bausch, die Tochter eines Frankfurter Schuhmachers. Das Paar hatte sechs Söhne und zwei Töchter. Unter den Kindern wurde vor allem David Roentgen berühmt, der den väterlichen Betrieb später zu einer der angesehensten europäischen Luxusmöbelmanufakturen ausbaute.

Wanderschaft durch Holland und England

Nach der Lehre beim Vater ging Roentgen von 1731 bis 1738 auf Wanderschaft. Seine Route führte über Den Haag, Rotterdam und Amsterdam bis nach London. Dort arbeitete er als „journey-man“ selbständig für Händler und Ausstatter. In den letzten Londoner Jahren kam er wahrscheinlich auch mit dem bedeutenden Ebenisten John Channon in Kontakt.

Diese Jahre waren weit mehr als Reisezeit. Roentgen lernte andere Möbeltypen, Konstruktionen und Geschmacksvorstellungen kennen. Englische Formen und holländische Schnitz- und Furniertraditionen blieben in seinen frühen Möbeln noch Jahrzehnte sichtbar. Die Wanderschaft wurde so zu einem direkten technischen Wissenstransfer zwischen europäischen Werkstattzentren.

1737 schloss er sich der Herrnhuter Brüdergemeine an und kehrte 1738 nach Deutschland zurück. Nach einer Missionsreise nach Carolina und der Rückkehr nach Herrnhaag eröffnete er 1742 dort eine eigene Werkstatt.

Von der Werkstatt zur Neuwieder Manufaktur

1750 zog Roentgen auf Einladung des Grafen Johann Friedrich Alexander zu Wied nach Neuwied. Dort erhielt er Bedingungen, die für einen Handwerker ungewöhnlich günstig waren: Befreiung vom Zunftzwang und Privilegien für die zollfreie Einfuhr benötigter Materialien. Dadurch konnte er seine Werkstatt anders organisieren als ein gewöhnlicher zünftiger Einzelbetrieb.

Roentgen fertigte bestimmte Möbel nicht mehr ausschließlich nach Einzelauftrag. Von erfolgreichen Modellen entstanden kleine Serien von drei bis fünf Exemplaren. Formen und Konstruktionen wurden vereinheitlicht, Schablonen und vorbereitete Furniere wiederverwendet. Auf der Frankfurter Messe bot er seine Arbeiten einem überregionalen Publikum an. So entstand eine frühe Form von Manufakturproduktion, ohne dass die handwerkliche Qualität aufgegeben wurde.

Seine Möbel verbanden englische und französische Formen mit feiner Schnitzarbeit, später mit geometrischen und naturalistischen Marketerien aus kostbaren Hölzern, Elfenbein und Perlmutt. Zu seinen Auftraggebern gehörten bürgerliche und höfische Kunden. Die wirtschaftliche Krise nach dem Siebenjährigen Krieg brachte den Betrieb jedoch an den Rand des Scheiterns. Eine von Sohn David organisierte Möbellotterie half bei der Entschuldung. 1772 übergab Abraham die Geschäftsführung offiziell an David.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 30. Januar in Mülheim bei Köln als Sohn des Schreinermeisters und Schnitzers Gottfried Roentgen.
  • Beitritt zur Herrnhuter Brüdergemeine nach Begegnung mit der religiösen Bewegung um Nikolaus Graf von Zinzendorf.
  • Heirat mit Susanne Marie Bausch in Marienborn.
  • Missionsreise nach Carolina und anschließende Rückkehr nach Herrnhaag.
  • Sechs Söhne und zwei Töchter; mehrere Familienmitglieder verbinden ihr Leben später ebenfalls mit Handwerk und Technik.
  • Übersiedlung nach Herrnhut nach dem weitgehenden Rückzug aus dem Neuwieder Betrieb.
  • Tod am 1. März in Herrnhut.

Beruflicher Lebenslauf

  • Lehre beim Vater in Schreinerei und Schnitzhandwerk.
  • Wanderschaft über die Niederlande nach London; Tätigkeit als Geselle und selbständig arbeitender „journey-man“.
  • Eröffnung einer eigenen Werkstatt in Herrnhaag.
  • Übersiedlung nach Neuwied und Aufbau eines privilegierten Kunstschreinerbetriebs.
  • Nachweisbares Angebot auf der Frankfurter Messe; systematischer überregionaler Vertrieb.
  • Ausbau zur Manufaktur mit kleinen Serien, wiederverwendbaren Schablonen und zunehmend aufwendigen Marketerien.
  • Möbellotterie zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Betriebs, maßgeblich von David Roentgen vorangetrieben.
  • Offizielle Übergabe der Geschäftsführung an Sohn David.
  • Endgültiger Rückzug aus dem Neuwieder Betrieb.

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Quellen & Weiterführendes

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