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Zimmermann · Ratszimmermeister · Baumeister

George Bähr

1666–1738 · Fürstenwalde im Osterzgebirge · Dresden

Vom Zimmergesellen zum Dresdner Ratszimmermeister: George Bähr verband handwerkliche Konstruktion, Bauorganisation und architektonischen Entwurf. Sein bekanntestes Werk ist die Dresdner Frauenkirche – ein Bau, dessen Entstehung zugleich zeigt, wie sehr große Projekte von Rat, Maurern, Zimmerleuten, Steinmetzen, Spezialisten und langen Planungsdebatten abhingen.

Dresdner Frauenkirche um 1897, der von George Bähr entworfene barocke Kirchenbau vor der Zerstörung 1945
Die Frauenkirche um 1897 – historische Aufnahme des noch erhaltenen Barockbaus vor 1945. Bildarchiv Foto Marburg / Wikimedia Commons · Public Domain

1666 · Fürstenwalde

Ein Zimmermann, dessen frühe Ausbildung im Dunkeln bleibt

George Bähr wurde am 15. März 1666 in Fürstenwalde bei Lauenstein im Erzgebirge geboren. Die Deutsche Biographie nennt seinen Vater vorsichtig als vermutlich einen Leinweber. Über Bährs Bildungsgang und die Stationen seiner handwerklichen Ausbildung ist dagegen nur wenig belastbar überliefert. Eine konkrete Lehrwerkstatt oder ein bestimmter Lehrmeister lässt sich deshalb nicht seriös ergänzen.

Sicher fassbar wird sein Berufsweg erst in Dresden. Gerade diese Lücke gehört zur Biografie: Späteres Können ist kein Beleg für erfundene Lehrjahre.

1693–1738 · Dresden

Vom Zimmergesellen zum Ratszimmermeister

Seit 1693 ist Bähr in Dresden zunächst als Zimmergeselle nachweisbar. 1705 ernannte ihn der Rat zum Ratszimmermeister. Nach 1730 unterschrieb er selbst mit „Architekt und Zimmermeister“. Sein Berufsweg führte damit aus dem praktischen Bauhandwerk in Aufgaben, die Entwurf, Konstruktion, Kosten, Baustellenleitung und die Koordination verschiedener Gewerke verbanden.

Die Deutsche Biographie betont zudem, dass Bähr meist mit dem Ratsmaurermeister C. Fehre zusammenarbeitete. Große Bauwerke waren auch bei einem berühmten Namen keine Ein-Mann-Leistung.

Bauaufgaben vor und neben der Frauenkirche

Kirchen, Umbauten und eine nur teilweise lückenlos belegte Bautätigkeit

Als erstes größeres Werk gilt sicher die Kirche in Dresden-Loschwitz von 1704 bis 1708. Es folgten der Umbau seines eigenen Dresdner Wohnhauses ab 1711, die Kirche in Schmiedeberg im Erzgebirge von 1713 bis 1716 sowie die Kirche in Forchheim bei Lengefeld von 1719 bis 1726. Neben der Frauenkirche arbeitete Bähr unter anderem an Kirchen in Hohnstein, Kesselsdorf und Seußlitz sowie an Umbauten der Dresdner Dreikönigskirche.

Bei weiteren Zuschreibungen ist Zurückhaltung nötig. Schon die fachbiografische Literatur weist darauf hin, dass Bährs ausgedehnte Bautätigkeit nur zum Teil urkundlich einwandfrei belegt ist.

1722–1743 · Dresdner Neumarkt

Die Frauenkirche: Planung, Streit, Bau und Vollendung nach Bährs Tod

1722 beschloss der Dresdner Rat den Neubau der Frauenkirche und beauftragte Ratszimmermeister George Bähr. Die Planung zog sich über mehrere Entwürfe, Kostenfragen und konstruktive Debatten. Die offizielle Baugenehmigung wurde am 26. Juli 1726 erteilt; am 26. August 1726 folgte die Grundsteinlegung.

Die Kirche wurde am 28. Februar 1734 geweiht, obwohl Hauptkuppel, Orgel und weitere Teile noch nicht fertiggestellt waren. 1736 wurde die große Silbermann-Orgel eingebaut. Bähr starb am 16. März 1738 und erlebte die Vollendung nicht mehr. Am 27. Mai 1743 wurde das Kreuz aufgesetzt; ein Dankgottesdienst am 27. November 1743 markierte das Ende der siebzehnjährigen Bauzeit.

Die „Steinerne Glocke“ war kein fertiger Gedanke vom ersten Strich an.Die Kuppelkonstruktion entwickelte sich während Planung und Bau. Gerade daran wird sichtbar, wie Entwurf, Material, Statik, Kosten und praktische Baustellenorganisation ineinandergriffen.

Handwerkliche Praxis

Was wir über seine Werkzeuge wissen – und was nicht

Direkt für George Bähr persönlich belegt: In den hier verwendeten belastbaren Quellen ist kein geschlossener persönlicher Werkzeugbestand Bährs dokumentiert. Einzelne Äxte, Dechsel, Sägen oder Stemmeisen werden deshalb nicht als „Bährs Werkzeuge“ ausgegeben.

Für Zimmermanns- und Bauwerkstätten seiner Zeit fachlich belegt: Holzbearbeitung, Abbund, Fügen und Vermessen verlangten unter anderem Beile und Äxte, Dechsel, Sägen, Stemm- und Bohrwerkzeuge sowie Mess- und Anreißgeräte. Bei einem Ratszimmermeister kamen Entwurf, Aufmaß, Kostenrechnung, Materialdisposition und Abstimmung mit Maurern, Steinmetzen und weiteren Gewerken hinzu.

Quellenkritik

Die Legende vom Sturz oder Selbstmord gehört nicht in die Biografie

Ältere Erzählungen behaupteten, Bähr sei von einem Gerüst gestürzt oder habe sich wegen Zweifeln an seiner Konstruktion das Leben genommen. Diese Geschichten wurden durch archivalische Forschung widerlegt. Sicher ist sein Tod am 16. März 1738 in Dresden nach längerer Krankheit. Bei der genauen medizinischen Einordnung formulieren moderne Darstellungen unterschiedlich; deshalb wird hier keine Diagnose zur unumstrittenen Tatsache erklärt.

Bilder, Pläne und Erinnerungsorte

Acht unterschiedliche Bildbelege rund um George Bähr

Im Zunftlexikon weiterforschen

George Bähr im Handwerks- und Regionalnetz

Weiterführende Quellen

Quellenbasis