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39 · Uhrmacher · Instrumentenmacher · London

George Graham

George Graham kam als Uhrmacherlehrling nach London, arbeitete sich in die Werkstatt von Thomas Tompion vor und wurde schließlich dessen Partner und Nachfolger. Seine Uhren, Hemmungen und astronomischen Instrumente machten ihn zu einem der präzisesten Mechaniker des frühen 18. Jahrhunderts. Bei ihm verschmelzen Uhrmacherhandwerk und Wissenschaft nahezu vollständig.

Geboren
7. Juli 1673 · Horsgill, Cumberland
Gestorben
November 1751 · London
Handwerk
Uhrmacher · Feinmechaniker · Instrumentenmacher
Berühmt für
Dead-beat-Hemmung, Quecksilberpendel und Präzisionsinstrumente
Historischer Porträtstich des Uhrmachers George Graham
George Graham als Uhrmacher. Die Digitalisierung des Yale Center for British Art steht unter CC0. Bildquelle und Lizenz

Graham ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie wissenschaftlicher Fortschritt auf handwerklicher Genauigkeit beruhte. Astronomen konnten nur so gut beobachten, wie ihre Uhren und Messinstrumente gebaut waren. Jede schlecht polierte Lagerstelle, jede ungleichmäßige Teilung und jede temperaturbedingte Längenänderung eines Pendels konnte Messergebnisse verfälschen. Der Uhrmacher wurde dadurch zum unverzichtbaren Partner der Wissenschaft.

Herkunft aus Cumberland

George Graham wurde nach den Unterlagen der Royal Society am 7. Juli 1673 in Horsgill in der Pfarrei Kirklinton, Cumberland, geboren. Er wuchs in einem quäkerisch geprägten Umfeld auf. Über seine Kindheit ist weniger bekannt als über seine spätere Werkstattkarriere; sicher greifbar wird sein Weg mit der Uhrmacherlehre in London.

1688 wurde Graham bei dem Londoner Uhrmacher Henry Aske in die Lehre gegeben. Eine Uhrmacherlehre verlangte weit mehr als das Zusammensetzen fertiger Teile. Zahnräder mussten geteilt und geschnitten, Wellen gedreht, Zapfen poliert, Federn geformt und feinste Lagerungen angepasst werden. Die Fähigkeit, kleinste Abweichungen zu erkennen und zu korrigieren, wurde zum Kern von Grahams späterer Arbeit.

Von Henry Aske in die Werkstatt Thomas Tompions

Noch während beziehungsweise unmittelbar nach seiner Ausbildungszeit kam Graham mit Thomas Tompion in Kontakt, dem bedeutendsten englischen Uhrmacher seiner Generation. Um 1696 arbeitete er für Tompion. 1704 heiratete er dessen Nichte Elizabeth Tompion; 1711 wurde er offizieller Geschäftspartner. Als Tompion 1713 starb, führte Graham die berühmte Werkstatt in der Fleet Street weiter.

Diese Nachfolge war keine bloße Erbschaft eines Namens. Graham übernahm eine Werkstatt, deren Ruf auf Präzision beruhte, und entwickelte deren Technik weiter. Er führte Tompions Nummerierung fort, verbesserte Hemmungen und arbeitete zugleich immer stärker für Astronomen und wissenschaftliche Auftraggeber.

Uhrmacherarbeit war damals ein Netzwerk vieler Spezialisten. Gehäuse, Gravuren, Zifferblätter und einzelne Komponenten konnten von unterschiedlichen Handwerkern stammen. Der Meister musste Konstruktion, Qualitätskontrolle und Endmontage so beherrschen, dass aus diesen Teilen ein zuverlässiges Instrument wurde.

Wenn eine Uhr zum wissenschaftlichen Messgerät wird

Graham wird mit mehreren wichtigen Verbesserungen der Uhrentechnik verbunden. Die sogenannte dead-beat beziehungsweise ruhende Hemmung verringerte störende Rückwirkungen des Hemmungsrades auf das Pendel. Für Pendeluhren entwickelte er außerdem eine Temperaturkompensation mit Quecksilber: Die temperaturbedingte Längenänderung des Pendelstabes sollte durch die Ausdehnung des Quecksilbers ausgeglichen werden.

Bei Taschenuhren perfektionierte Graham die Zylinderhemmung aus Vorarbeiten Tompions. Ab der Mitte der 1720er Jahre nutzte seine Werkstatt diese Konstruktion regelmäßig. Solche Verbesserungen wirken im Einzelnen klein, waren aber für die Uhrmacherei entscheidend: Weniger Reibung, gleichmäßigere Kraftübertragung und besser kontrollierte Schwingungen bedeuteten genauere Zeitmessung.

Graham fertigte zudem wissenschaftliche Instrumente für bedeutende Astronomen und Observatorien. Die Royal Society nennt unter anderem Arbeiten für Edmond Halley und James Bradley sowie Apparate für geodätische und astronomische Messungen. 1721 wurde Graham selbst Fellow der Royal Society. Damit erhielt ein praktischer Handwerker Zugang zu einer der wichtigsten wissenschaftlichen Institutionen Europas.

Handwerk und Wissenschaft: Grahams Werk zeigt, dass „wissenschaftliches Instrument“ keine Gegenwelt zum Handwerk war. Ein astronomisches Gerät war Wissenschaft gerade deshalb, weil ein hochqualifizierter Handwerker Metallflächen, Lager, Teilkreise und Uhrwerke so präzise herstellen konnte, dass Messwerte Vertrauen verdienten.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt am 7. Juli in Horsgill in Cumberland.
  • Beginn der Uhrmacherlehre bei Henry Aske in London.
  • Heirat mit Elizabeth Tompion, einer Nichte des Uhrmachers Thomas Tompion.
  • Graham und seine Frau übernehmen nach Tompions Tod die Werkstatttradition in der Fleet Street.
  • Wahl zum Fellow der Royal Society – eine außergewöhnliche Anerkennung für einen praktischen Uhr- und Instrumentenmacher.
  • Tod in seinem Haus in der Fleet Street. Die Quellen nennen für den genauen Todestag den 16. beziehungsweise 20. November.
  • Beisetzung in Westminster Abbey im selben Grab wie Thomas Tompion.

Beruflicher Lebenslauf

  • Uhrmacherlehre bei Henry Aske; anschließend Aufnahme in die Clockmakers' Company.
  • Beginn der Arbeit für Thomas Tompion.
  • Offizielle Partnerschaft mit Tompion in dessen renommierter Londoner Werkstatt.
  • Nach Tompions Tod Fortführung des Betriebs als dessen Nachfolger.
  • Entwicklung beziehungsweise praktische Durchsetzung wichtiger Verbesserungen an Pendelhemmung und Temperaturkompensation.
  • Fellow der Royal Society.
  • Master der Worshipful Company of Clockmakers.
  • Herstellung hochpräziser Uhren und astronomischer Instrumente für wissenschaftliche Auftraggeber und Observatorien.

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Quellen & Weiterführendes

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