Historische Werkstätten · Buch und Papier
Die historische Druckerei
Zeichen für Zeichen und Bogen für Bogen: Die Druckerei verband Schrift, Papier und mechanische Kraft zu vervielfältigten Texten und Bildern.
Handsatz, Korrektur und Buchdruck · Schwerpunkt 16. bis frühes 20. Jahrhundert, mit zehn historischen Darstellungen und dokumentierten Fotografien.

Geschichte: Eine Werkstatt macht Texte vervielfältigbar
Eine historische Druckerei verband geistige und körperliche Arbeit besonders eng. Aus einer Vorlage musste zunächst eine druckbare Form entstehen. Danach wurde diese Form eingefärbt und auf Papier abgedruckt. Beim Buchdruck mit beweglichen Lettern lag die entscheidende Stärke darin, dass sich die einzelnen Zeichen nach dem Auftrag wieder verwenden ließen. Satz, Korrektur, Pressenarbeit und erneutes Ablegen bildeten einen Kreislauf. Eine Presse allein machte deshalb noch keine leistungsfähige Druckerei aus. Ebenso wichtig waren ein ausreichender Schriftvorrat, geeignetes Papier und Menschen, die diese Teile zuverlässig zusammenführten.
Dieses Profil behandelt vor allem den europäischen Buchdruck und seine handwerklichen Arbeitsweisen vom 16. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Die Geschichte des Druckens insgesamt reicht über diesen Rahmen hinaus. Holztafeldruck und bewegliche Zeichen wurden in Ostasien schon vor Gutenbergs europäischen Entwicklungen verwendet. Auch innerhalb Europas bestand die Werkstattgeschichte nicht nur aus immer größeren Buchauflagen. Drucker stellten ebenso Flugblätter, Geschäftsdrucksachen, Bekanntmachungen, Formulare und später Zeitungen her. Solche Aufträge verlangten unterschiedliche Schriften, Formate und Lieferzeiten.
Jost Ammans Berufsbild von 1568 zeigt mehrere Tätigkeiten in einem Raum und veranschaulicht die Zusammenarbeit von Setzern und Druckern. Die hier ebenfalls abgebildete Buchseite aus einem Druck Anton Kobergers von 1493 verbindet Schrift mit einem Holzschnitt. Beide gehören zum Hochdruck: Die druckenden Teile stehen erhöht. Kupferstich und später Lithografie arbeiten nach anderen Prinzipien. Sie können Teil der Geschichte einer Druckanstalt sein, dürfen aber nicht mit dem hier beschriebenen Letternsatz gleichgesetzt werden.

Werkstattraum: Setzerei, Schließplatz und Presse
In der Setzerei lagen die Lettern geordnet in Kästen. Die Arbeitsfläche war geneigt, damit die einzelnen Fächer gut erreichbar und einsehbar blieben. Der Schriftvorrat benötigte erheblich mehr Platz, als ein fertiges Buch vermuten lässt: Jeder Schriftgrad und jede Auszeichnung brauchte passende Zeichen, dazu kamen Zwischenräume, Linien und weiteres Satzmaterial. Die Verteilung der Fächer war nicht beliebig. Häufig gebrauchte Zeichen mussten schnell zu greifen sein, und ähnliche Sorten durften möglichst nicht durcheinandergeraten.
Ein zweiter Bereich diente dem Zusammenstellen und Schließen der Druckform. Auf einer ebenen Unterlage wurden gesetzte Seiten angeordnet, mit nichtdruckendem Material umgeben und in einem Rahmen festgelegt. Für diese Arbeit waren freie Ablageflächen nötig. Eine lockere Form ließ sich nicht einfach gefahrlos zur Presse tragen. Zugleich durfte ein vorbereiteter Auftrag nicht den Zugriff auf Material versperren, das für den nächsten gebraucht wurde. Gerade in größeren Setzereien war die Einrichtung daher eine Frage der Wege und der gemeinsamen Nutzung.
A. A. Stewart beschreibt in seinem Lehrheft über Setzkästen, wie geschlossene Schränke den Vorrat besser gegen Staub schützten. Er diskutiert auch Einrichtungen, bei denen der arbeitende Setzer nicht unmittelbar vor den Kästen seiner Kollegen stand. Das ist eine amerikanische Beschreibung aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die Fotografie des Setzersaals der Seattle Daily Times von 1900 zeigt einen entsprechenden größeren Betriebszusammenhang. Eine kleine frühneuzeitliche Offizin hatte andere Größenverhältnisse, musste aber dieselben Grundaufgaben räumlich lösen: aufbewahren, setzen, prüfen und drucken.

Ein Arbeitstag vom Manuskript zum Korrekturabzug
Der folgende Ablauf ist eine Rekonstruktion für eine handwerkliche Buchdruckerei. Am Morgen liegt ein kurzer Text für eine Bekanntmachung vor. Bevor der Satz beginnt, werden Format, Auflage und gewünschte Hervorhebungen besprochen. Eine besonders große Überschrift kann nur aus vorhandenen Lettern gesetzt werden oder benötigt eine andere Lösung. Auch der Papierbogen begrenzt die Gestaltung. Aus dem Auftrag entsteht deshalb zunächst eine praktische Entscheidung darüber, wie Inhalt, Schriftvorrat und Format zusammenpassen.
Der Setzer stellt den Winkelhaken auf die benötigte Zeilenbreite ein. Zeichen für Zeichen wächst die Zeile. Zwischen den Wörtern liegen Spatien, die unter der Druckhöhe bleiben. Gegen Ende der Zeile muss der verbleibende Raum verteilt werden, ohne die Wortabstände unruhig werden zu lassen. Ist ein Abschnitt fertig, wird er auf ein Setzschiff übertragen. Eine ungeschickte Bewegung kann den mühsam aufgebauten Satz auseinanderfallen lassen. Aufmerksamkeit ist deshalb auch dort erforderlich, wo die Arbeit von außen nur wie das Greifen in kleine Fächer aussieht.
Ein erster Abzug macht den Text lesbar und zeigt Fehler, die im spiegelverkehrten Satz schwerer auffallen. Buchstaben werden ausgetauscht, Abstände verändert oder Zeilen neu umbrochen. Erst nach der Korrektur wird die Form für den Auflagendruck fertig vorbereitet. An der Presse folgen Einrichten, Einfärben und Prüfen. Während ein Auftrag gedruckt wird, kann in der Setzerei schon der nächste entstehen. Fertig ist die Arbeit erst, wenn die Bogen kontrolliert und abgelegt sind und der nicht mehr benötigte Satz wieder geordnet zur Verfügung steht.

Werkzeuge: Kleine Zeichen brauchen genaue Ordnung
Der Setzkasten war ein Arbeitsgerät und ein Speicher zugleich. Seine Fächer enthielten nicht einfach das Alphabet in Schulreihenfolge. Unterschiedliche Kasteneinteilungen berücksichtigten Schrift, Sprache und Gewohnheiten. Der abgebildete deutsche Kasten stammt laut Bildquelle ungefähr aus den 1970er-Jahren. Er erklärt das Ordnungsprinzip, ist aber kein Beleg dafür, wie ein Nürnberger Setzkasten im Jahr 1568 eingeteilt war. Gerade solche Unterschiede sind beim Vergleich von Museumsbeständen wichtig.
Der Winkelhaken nahm eine begrenzte Anzahl Zeilen auf und hielt ihre Breite fest. Das Setzschiff diente als flache Ablage für größere Satzmengen. Ahle oder Setzerwerkzeuge halfen beim Korrigieren, während Schnur den noch nicht endgültig geschlossenen Satz sichern konnte. Zum Schließen kamen Rahmen, Stege und geeignete Spannmittel hinzu. All diese unscheinbaren Teile entschieden darüber, ob die einzelnen Lettern als feste Druckform zusammenhielten. Ein fehlender Zwischenraum konnte dabei ebenso störend sein wie ein fehlendes Zeichen.
An der Presse waren neben dem eigentlichen Druckmechanismus Vorrichtungen zum Halten und Führen des Bogens wichtig. Historische Handpressen arbeiteten mit Deckel und Rähmchen, die den Bogen positionierten und freie Partien schützten. Farbballen, später Walzen, verteilten die Druckfarbe auf der Form. Mess- und Kontrollhilfen begleiteten die Arbeit. Die Kenntnis eines Pressentyps ersetzte jedoch nicht das Einrichten für einen bestimmten Auftrag: Papier, Formgröße und Zustand des Satzes veränderten die Anforderungen an den Druck.

Materialien: Schriftmetall, Druckfarbe und Papier
Eine Letter bestand aus einem Körper mit einem erhöhten Schriftbild. Die druckenden Oberflächen mussten innerhalb einer Form aufeinander abgestimmt sein. Zu niedrige Teile nahmen nicht ausreichend am Abdruck teil; zu hohe konnten das Druckbild und das Papier beeinträchtigen. Das gebräuchliche Schriftmetall enthielt Blei mit weiteren Legierungsbestandteilen, insbesondere Antimon und Zinn. Die genaue Zusammensetzung hing vom Verfahren ab. Schriftgießerei und Druckerei waren miteinander verbunden, mussten aber nicht im selben Betrieb stattfinden.
Das nichtdruckende Material war ebenso unverzichtbar. Spatien bestimmten Wortzwischenräume, Blindmaterial füllte größere freie Stellen aus, und Durchschuss vergrößerte den Abstand zwischen Zeilen. Weißraum war dadurch in der Werkstatt etwas sehr Handfestes: Er musste mit Material hergestellt werden, das tiefer als die druckende Fläche lag. Die Gestaltung einer Seite wurde nicht nur gezeichnet oder gedacht, sondern aus vielen Teilen zusammengesetzt.
Druckfarbe musste sich gleichmäßig verteilen und auf dem gewählten Papier ein brauchbares Ergebnis liefern. Auch das Papier war kein neutraler Untergrund. Oberfläche, Dicke und Feuchtezustand beeinflussten den Abdruck. Edmund G. Gress stellt 1917 dieselben Schriften auf unterschiedlich ausgearbeitetem Papier gegenüber. Die Vergleichstafel zeigt, warum eine gut gestaltete Schrift unter verschiedenen Bedingungen anders erscheinen kann. Für den Drucker bedeutete das, Materialwahl und Presseneinstellung gemeinsam zu beurteilen. Historische Rezepte und Behandlungsweisen sind dabei zeitgebundene Quellen, keine heutigen Materialempfehlungen.

Herstellung: Vom geschlossenen Satz zum bedruckten Bogen
Bei einem mehrseitigen Werk mussten die Seiten auf dem Druckbogen so liegen, dass sie nach dem Falzen in der richtigen Reihenfolge erschienen. Dieses Ausschießen verlangte räumliches Vorstellen und genaue Kontrolle. Zwei aufeinanderfolgende Buchseiten lagen dabei nicht zwangsläufig nebeneinander in der Form. Neben den Seitenzahlen waren Bund, Kopf und Außenrand zu berücksichtigen. Ein Fehler konnte einen ganzen Bogen unbrauchbar machen, auch wenn jede einzelne Zeile fehlerfrei gesetzt war.
Vor dem Auflagendruck wurde die Form eingerichtet. Ein gleichmäßiger Abdruck bedeutete nicht, mit möglichst großer Kraft auf jedes Material zu drücken. Unterschiedliche Flächen innerhalb der Form konnten verschiedene Anforderungen stellen. Die Zurichtung glich solche Unterschiede gezielt aus. Dann wurde Farbe aufgetragen, der Bogen angelegt und der Druck ausgeführt. Beim beidseitigen Bedrucken musste auch die Lage der zweiten Seite zum ersten Abdruck stimmen. Regelmäßiges Prüfen half, nachlassende Farbe, verschobene Teile oder Beschädigungen rechtzeitig zu erkennen.
Die eiserne Stanhope-Handpresse veranschaulicht eine wichtige Veränderung des Pressenbaus. Ihr Gestell und ihre Kraftübertragung unterscheiden sich von älteren hölzernen Formen. Das Deutsche Technikmuseum zeigt ein Exemplar von 1835 und stellt es neben spätere Schnellpressen und Tiegelmaschinen. Die hier verwendete Zeichnung stammt dagegen aus der Encyclopædia Britannica von 1911; sie bildet nicht dieses konkrete Berliner Museumsstück ab. Nach dem Drucken gingen die Bogen je nach Auftrag an Faltung, Zusammentragen und Buchbinderei oder wurden als einzelne Drucksachen ausgeliefert.

Ausbildung: Lesefähigkeit, Handgriff und typografisches Urteil
Setzen verlangte eine Verbindung aus Fingerfertigkeit und sprachlicher Aufmerksamkeit. Ein Lehrling musste die Lage der Zeichen lernen, ähnlich aussehende Lettern unterscheiden und beschädigte Stücke erkennen. Dabei war es nicht genug, schnell zu greifen. Ein falsch abgelegter Buchstabe verursachte später einen neuen Fehler. Die Ordnung des Kastens wurde von allen getragen, die ihn benutzten. Das Zurücksortieren nach dem Druck war deshalb Teil der fachlichen Arbeit und kein beliebig austauschbarer Hilfsdienst.
Mit zunehmender Übung kamen Zeilenausschluss, Umbruch und Korrektur hinzu. Lange Wörter, wechselnde Schriftgrößen, Tabellen oder Gedichte stellten unterschiedliche Aufgaben. Der Setzer musste die Absicht der Vorlage verstehen und zugleich die Grenzen des vorhandenen Materials beachten. Stewarts Lehrheft Typesetting von 1919 richtet sich ausdrücklich an Anfänger und behandelt diese Schritte bis zum Seitenaufbau und Ablegen. Es zeigt auch, dass Handsatz im Zeitalter der Setzmaschine weiterhin als anspruchsvolle Tätigkeit vermittelt wurde.
Gress’ Vergleich von Schriftgrößen, Satzbreiten und Zeilenabständen macht die gestalterische Seite sichtbar. Eine größere Schrift benötigt nicht einfach nur mehr Platz. Zeilenlänge und Abstand beeinflussen, wie der Leser den Text erfasst. Solches Urteil entsteht durch das Vergleichen von Abzügen. An der Presse wiederum muss ein Lernender Farbe, Anlegen und Druckbild zusammen beurteilen. Der Beruf umfasste damit mehrere Erfahrungsfelder. Die Geschichte des Buchdruckerhandwerks ordnet diese Arbeit in die weitere Entwicklung des Berufs ein.

Berufsordnung, Familienbetrieb und öffentliche Wirkung
Druckereien waren auf zahlreiche Beziehungen angewiesen: zu Verfassern und Auftraggebern, Papierlieferanten, Schriftgießern, Buchhändlern und Buchbindern. Ein längeres Werk band Geld, bevor sein Verkauf Einnahmen brachte. Der Schriftvorrat war Kapital, das in einem noch nicht abgelegten Satz vorübergehend festlag. Auflagenhöhe, Korrekturen und Lieferfristen hatten deshalb unmittelbare wirtschaftliche Bedeutung. Ein Betrieb konnte sich nicht allein durch schöne Buchstaben erhalten; er musste Material, Zeit und Absatz miteinander abstimmen.
Die gesellschaftliche Stellung der Drucker unterschied sich nach Ort und Zeit. Berufsorganisationen, obrigkeitliche Erlaubnisse und die Kontrolle gedruckter Inhalte lassen sich nicht durch eine einzige allgemeine Zunftregel erklären. Ein Verbot eines Textes betraf eine andere Ebene als die technische Ausbildung oder eine innerbetriebliche Arbeitsordnung. Druckermarken auf Titelblättern und am Buchende verwiesen auf den verantwortlichen Betrieb und wurden zugleich zu wiedererkennbaren Zeichen. Die abgebildeten Marken von John Daye und Androw Myllar spielen mit bildlichen Anspielungen auf ihre Namen.
Wie eng Haus und Unternehmen verbunden sein konnten, zeigt Plantin-Moretus in Antwerpen. Plantin verlegte seine Druckerei 1576 an den Vrijdagmarkt; 1876 verkaufte Edward Moretus das Anwesen an die Stadt. Das Museum erschließt auch die Arbeit der Frauen über mehrere Generationen. Seine Darstellung nennt unter anderem Töchter, die früh Korrekturen lasen. Damit wird eine Tätigkeit sichtbar, die ein auf den Meister und die Presse beschränktes Berufsbild leicht übergeht. Familienarbeit, Leitung und praktische Mitwirkung müssen jeweils aus den erhaltenen Quellen erschlossen werden.

Arbeitsbedingungen: Stehen, Heben und Aufmerksamkeit
Langes Stehen am Setzkasten, wiederholte kleine Greifbewegungen und angestrengtes Sehen prägten die Setzerarbeit. Der Umfang des Schriftvorrats täuscht leicht über sein Gewicht hinweg: Metalllettern und geschlossene Formen waren schwer. Ihr Transport erforderte sichere Griffe und freie Wege. Fiel eine Form auseinander, war nicht nur Material gefährdet. Viele Stunden Satzarbeit konnten verloren gehen, und die Wiederherstellung verzögerte weitere Aufträge.
An den Pressen entstanden Quetsch- und Einzugsstellen. Je stärker die Mechanisierung, desto weniger ließ sich jede Bewegung einzeln durch einen Handgriff kontrollieren. Gleichzeitig blieben bei vielen Maschinen Menschen für das Anlegen und Abnehmen der Bogen erforderlich. Eine höhere Geschwindigkeit erhöhte daher nicht automatisch die Sicherheit. Historische Fotografien zeigen Arbeitsplätze in ihrem jeweiligen Zeitstand; fehlende Schutzvorrichtungen dürfen beim heutigen Betrachten nicht mit harmlosen Bedingungen verwechselt werden.
Schriftmetall, Staub, Reinigungsmittel und beim Gießen erhitztes Material gehörten zu den belastenden Seiten des Gewerbes. Dazu kamen Geräusche, Wärme und Termindruck. Die Tätigkeit des Korrekturlesens machte Fehler sichtbar, konnte sie aber nur dann vor der Auflage verhindern, wenn genügend Zeit für die Überprüfung blieb. Arbeitsbedingungen und Druckqualität hingen deshalb zusammen. Das historische Verfahren lässt sich sachlich würdigen, ohne die Belastungen zu romantisieren oder alte Werkstattgewohnheiten als Vorbild für heutige Arbeit auszugeben.
Wandel: Zeilensatz, Schnellpresse und neue Druckformen
Die Mechanisierung griff an mehreren Stellen an. Schnellere Pressen vervielfältigten vorbereitete Formen rascher, lösten aber zunächst nicht den Zeitbedarf des Setzens. Zeilensetzmaschinen veränderten diesen Teil des Ablaufs. Die Linotype verband das Auswählen von Matrizen über eine Tastatur mit dem Guss ganzer Zeilen. Das Museum für Druckkunst Leipzig datiert Mergenthalers Entwicklung auf 1886 und zeigt außerdem andere Satzsysteme. Bei der Monotype wurden einzelne Zeichen gegossen; sie eignete sich dadurch für andere Korrektur- und Satzaufgaben.
Die Aufnahme der Seattle Daily Times von 1900 zeigt mehrere Linotype-Arbeitsplätze. Sie dokumentiert eine größere Zeitungsproduktion, nicht das automatische Ende kleiner Handsetzereien. Akzidenzen, besondere Schriften und Ergänzungen konnten weiterhin von Hand gesetzt werden. Gleichzeitig benötigte der Rotationsdruck geeignete gekrümmte Druckformen. Aus dem Bild eines einzigen Druckers an einer Presse wurde eine zunehmend arbeitsteilige Organisation mit verschiedenen technischen Spezialgebieten.
Später lösten Fotosatz und digitale Verfahren viele Aufgaben des Bleisatzes ab. Die Schrift musste nun nicht mehr für jede Seite aus Metall zusammengesetzt werden. Damit verschwanden bestimmte Handgriffe, während Fragen nach Lesbarkeit, sorgfältiger Korrektur und passender Materialwahl blieben. In erhaltenen Druckwerkstätten kann man diese Veränderungen besonders gut vergleichen. Ein Winkelhaken erklärt den Aufbau einer Zeile, ein Setzmaschinenraum die Beschleunigung des Satzes und eine Presse den Übergang auf Papier. Das Lexikon historischer Werkzeuge ergänzt diesen Blick auf die Arbeitsmittel.

Quellen und weiterführende Literatur
- A. A. Stewart: Typesetting, 1919. Zeitgenössisches Lehrheft über Handsatz, Zeilenausschluss, Korrektur, Seitenaufbau und Ablegen; amerikanischer Ausbildungskontext.
- A. A. Stewart: Type Cases and Composing-Room Furniture. Historisches Lehrheft zur Einrichtung und Organisation von Setzereien.
- Edmund G. Gress: The Art & Practice of Typography, 2. Auflage, 1917. Zeitgenössische Vergleichsquelle zu Schrift, Gestaltung, Papier und Druckermarken.
- Museum für Druckkunst Leipzig: Satztechniken. Handsatz, Linotype, Monotype und Fotosatz im technischen Zusammenhang.
- Deutsches Technikmuseum Berlin: Drucktechnik. Sammlung von Druckpressen und Erläuterung der verschiedenen Druckverfahren.
- Museum Plantin-Moretus: Haus und Druckerei. Geschichte des erhaltenen Antwerpener Standorts.
- Museum Plantin-Moretus: Women’s business / Businesswomen. Familienarbeit und die Rolle von Frauen in der Druckerei anhand der Museumsarchive.
Der beschriebene Arbeitstag ist eine Rekonstruktion. Die Fotos der Seattle Daily Times stammen aus einer Veröffentlichung von 1900 und zeigen einen amerikanischen Zeitungsbetrieb. Die Bilder von Lettern und Setzkasten sind moderne Objektaufnahmen. Buchillustrationen und Druckproben sind datiert und dienen dem technischen Vergleich. Es wurden keine künstlich erzeugten historischen Fotos verwendet.