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46 · Maschinenbauer · Werkzeugmacher · Edinburgh & Manchester

James Nasmyth

James Nasmyth verband die zeichnerische Schulung eines Künstlerhaushalts mit einer ungewöhnlich frühen Begeisterung für Werkzeugmaschinen. Seine Bridgewater Foundry wurde zu einer Werkstatt für die Schwerindustrie – und sein Name ist bis heute mit dem Dampfhammer verbunden, obwohl dessen Prioritätsgeschichte komplizierter ist als die berühmte Erfinderlegende.

Geboren
19. August 1808 · Edinburgh
Gestorben
7. Mai 1890 · London
Handwerk
Mechaniker, Werkzeugmaschinenbauer, Gießereibesitzer
Berühmt für
Dampfhammer, Werkzeugmaschinen und industrielle Schmiedetechnik
James Nasmyth in einer Kalotypie um 1844
James Nasmyth um 1844, fotografiert von David Octavius Hill und Robert Adamson. Historische Kalotypie, gemeinfrei.

Nasmyths Werkstattgeschichte zeigt, wie eng Zeichnen, Beobachten und Metallbearbeitung zusammengehören. Der spätere Maschinenbauer lernte schon als Kind, Formen genau zu erfassen. Als junger Mann baute er kleine Dampfmaschinen, um sich Unterricht leisten zu können. Später übertrug er dieselbe Genauigkeit auf tonnenschwere Schmiedestücke.

Kindheit & Herkunft

James Hall Nasmyth wurde am 19. August 1808 in Edinburgh geboren. Sein Vater Alexander Nasmyth war ein angesehener Landschafts- und Porträtmaler, der sich zugleich für Mechanik und technische Fragen interessierte. James wuchs deshalb in einem Haushalt auf, in dem Zeichnen keine Nebensache, sondern eine grundlegende Fähigkeit war. Der Vater brachte ihm das genaue Beobachten und Zeichnen bei – eine Fertigkeit, die James sein ganzes Leben für technische Skizzen und Konstruktionsideen nutzte.

Als Junge verbrachte er viel Zeit in der Eisengießerei eines Freundes der Familie. Dort lernte er Werkzeuge nicht aus einem Lehrbuch kennen, sondern an Metall, Maschinen und arbeitenden Handwerkern. Er baute kleine Modelle und Dampfmaschinen und verkaufte einige davon, um damit den Besuch von Lehrveranstaltungen an der Universität Edinburgh zu finanzieren.

Mit neunzehn Jahren erhielt er von der Scottish Society of Arts den Auftrag, einen Dampfwagen zu bauen. Das Fahrzeug wurde 1827 und 1828 auf Straßen um Edinburgh betrieben. Noch bevor Nasmyth einen etablierten Arbeitsplatz in einer großen Maschinenfabrik hatte, konnte er also bereits eine Idee zeichnen, fertigen und praktisch erproben.

Von Maudslays Werkstatt zur Bridgewater Foundry

1829 ging Nasmyth nach London und wurde Assistent Henry Maudslays, eines der wichtigsten Werkzeugmaschinenbauer der Zeit. In Maudslays Werkstatt lernte er eine neue Dimension industrieller Genauigkeit kennen: Drehmaschinen, Hobelmaschinen, Gewinde und Führungen mussten so gefertigt werden, dass die Maschine selbst zum präzisen Werkzeug für weitere Maschinen wurde.

Nach Maudslays Tod 1831 arbeitete Nasmyth kurz bei dessen Partner Joshua Field und kehrte anschließend nach Schottland zurück. Er baute einen Bestand an Maschinen und Werkzeugen auf und eröffnete 1834 in Manchester eine eigene kleine Werkstatt. Das Geschäft wuchs rasch. 1836 pachtete er Land in Patricroft am Bridgewater Canal und errichtete die Bridgewater Foundry. Gemeinsam mit Holbrook Gaskell entwickelte er dort ein Unternehmen, das Werkzeugmaschinen, Dampfmaschinen, Lokomotivtechnik und schwere Metallbearbeitung lieferte.

Das Erfolgsprinzip war nicht bloß größere Kraft. Nasmyth baute Maschinen, deren Bewegungen kontrollierbarer und reproduzierbarer wurden. Hobeln, Bohren, Formen und Schmieden sollten weniger von der momentanen Körperkraft eines einzelnen Arbeiters abhängen und stärker durch die Geometrie der Maschine bestimmt werden.

Der Dampfhammer – Leistung und Prioritätsstreit

1839 entstand Nasmyths berühmteste Konstruktion. Für das Dampfschiff Great Britain war eine gewaltige Schaufelradwelle vorgesehen, die mit den vorhandenen Schmiedehämmern kaum herzustellen war. Nasmyth zeichnete am 24. November 1839 einen Hammer, bei dem ein schwerer Hammerblock direkt an der Kolbenstange eines Dampfzylinders hing. Dampf hob den Hammer; durch kontrolliertes Ablassen fiel die Masse auf das glühende Werkstück.

Die Stärke des Prinzips lag in der Verbindung von enormer Kraft und erstaunlicher Feinfühligkeit. Ein Bediener konnte schwere Schmiedestücke formen und den Hammer zugleich so sanft steuern, dass Nasmyth später gern Demonstrationen mit einem Ei oder Glas vorführte.

Historisch wichtig ist jedoch eine Einschränkung: Die Science Museum Group weist ausdrücklich darauf hin, dass Nasmyth nicht einfach als zweifelsfreier alleiniger Erfinder gelten kann. François Bourdon vom französischen Werk Le Creusot entwickelte ebenfalls einen Dampfhammer und setzte einen solchen früher praktisch in Betrieb. 1843 kam es zu einem heftigen Prioritätsstreit. Nasmyth hatte seine Konstruktion 1839 gezeichnet und 1842 in Großbritannien patentieren lassen; Bourdon und Le Creusot gehören aber zwingend zur Entstehungsgeschichte.

Nasmyths Unternehmen machte den Dampfhammer anschließend international bekannt und erfolgreich. Ab 1843 wurde die Produktion zu einem wichtigen Geschäftszweig. Solche Hämmer veränderten den Schiffbau, Lokomotivbau, Maschinenbau und die Herstellung großer Schmiedeteile.

Persönlicher Lebenslauf

  • Geburt in Edinburgh als Sohn des Malers Alexander Nasmyth und Barbara Foulis.
  • Zeichenunterricht beim Vater und intensive Beschäftigung mit Mechanik in einer befreundeten Eisengießerei.
  • Begegnung mit Anne Hartop, Tochter eines Ingenieurs beziehungsweise Eisenwerksleiters.
  • Heirat mit Anne Hartop in Wentworth. Das Paar bleibt bis zu Nasmyths Tod zusammen; Kinder sind nicht überliefert.
  • Rückzug aus dem aktiven Maschinenbau mit nur 48 Jahren.
  • Umzug nach Hammerfield bei Penshurst in Kent; intensive Beschäftigung mit Astronomie, Teleskopen, Zeichnung und Fotografie.
  • Tod am 7. Mai in London; Beisetzung in Edinburgh.

Beruflicher Lebenslauf

  • Bau und Erprobung eines Dampfwagenmodells beziehungsweise Dampfstraßenfahrzeugs im Auftrag der Scottish Society of Arts.
  • Eintritt in Henry Maudslays Londoner Werkstatt als Assistent.
  • Nach Maudslays Tod kurze Tätigkeit bei Joshua Field; Rückkehr nach Schottland.
  • Eröffnung einer eigenen Maschinenwerkstatt in Dale Street, Manchester.
  • Aufbau der Bridgewater Foundry in Patricroft; Partnerschaft mit Holbrook Gaskell.
  • Entwurf des Dampfhammers für die geplante Schaufelradwelle der Great Britain.
  • Britisches Patent auf Nasmyths Dampfhammerkonstruktion.
  • Dampfhammer und Werkzeugmaschinen machen das Unternehmen international erfolgreich.
  • Rückzug aus dem Unternehmen; Wechsel zur Astronomie und wissenschaftlichen Beobachtung.

Dampfhammer, Werkstatt & kontrollierte Kraft

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Quellen & Weiterführendes

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