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Kupfer: Kessel, Bleche und die Kunst des Treibens

Kupfer im historischen Handwerk: Herkunft, Eigenschaften, Verarbeitung, Werkzeuge und Berufe. Mit historischen Abbildungen und Fachquellen.

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Kupferschmied beim Formen eines Gefäßes
Kupferschmied beim Formen eines Gefäßes. Die Darstellung veranschaulicht die Arbeit an einem gewölbten Metallkörper. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Kupfer verbindet frühe Metallbearbeitung mit moderner Elektrotechnik. Sein rötlicher Glanz ist auffällig; für das historische Handwerk waren jedoch vor allem seine Formbarkeit, Wärmeleitung und Wiederverwendbarkeit entscheidend. Aus Kupfer entstanden kleine Schalen und große Braukessel, Dachbekleidungen und fein verzierte Arbeiten. Derselbe Ausgangsstoff konnte außerdem zusammen mit anderen Metallen zu Bronze oder Messing werden. Wer Kupfer verstehen möchte, muss deshalb zwischen dem weitgehend unlegierten Metall und seinen zahlreichen Legierungen unterscheiden.

Ein Kupfergefäß zeigt eine andere Arbeitslogik als ein geschmiedetes Eisenwerkzeug. Seine Gestalt entsteht häufig aus einem Blech, das in vielen kleinen Schritten gestreckt, gestaucht, gewölbt und geglättet wird. Der Handwerker benötigt Geduld und ein Gefühl dafür, wie viel Verformung das Material noch verträgt. Nicht der kräftigste Schlag ist entscheidend, sondern die richtige Folge von Schlägen, Zwischenbehandlungen und Prüfungen.

Ein rotes Metall mit besonderen Eigenschaften

Kupfer ist ein chemisches Element. In weichem Zustand lässt es sich stark verformen, ohne sofort zu brechen. Fachleute nennen diese Fähigkeit Duktilität. Beim Hämmern oder Ziehen wird es allerdings härter: Die Bearbeitung verändert sein inneres Gefüge. Durch geeignetes Glühen kann die Formbarkeit wiederhergestellt werden. Diese Wechselwirkung erklärt, weshalb Feuerstelle und Amboss auch in einer Werkstatt zusammengehörten, die einen großen Teil ihrer Arbeit am kalten Blech ausführte.

Kupferschmied beim Formen eines Gefäßes
Kupferschmied beim Formen eines Gefäßes. Die Darstellung veranschaulicht die Arbeit an einem gewölbten Metallkörper. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Für Kessel war die gute Wärmeleitung nützlich: Wärme verteilt sich durch die Gefäßwand. Für Schneiden war weiches Kupfer dagegen weniger geeignet als entsprechend behandelter Stahl. Auch ein schwerer Werkstoff ist nicht automatisch besonders hart. Dichte, Härte, Zähigkeit und Wärmeleitung beschreiben verschiedene Eigenschaften, die bei der Auswahl getrennt betrachtet werden müssen. Die moderne Werkstoffkunde erläutert solche Unterschiede im Material-Archiv.

An der Luft verändert sich die Oberfläche. Frisches Kupfer kann zunächst dunkler werden; längerfristig entstehen je nach Umgebung verschiedene Korrosionsprodukte. Nicht jede grüne Schicht ist derselbe Stoff, und nicht jede Patina bedeutet einen unmittelbar fortschreitenden Schaden. Historische Dächer, Bodenfunde und blank gehaltenes Küchengeschirr sehen deshalb sehr unterschiedlich aus. Die Farbe allein erlaubt weder eine genaue Altersbestimmung noch eine sichere Beurteilung der Erhaltung.

Vom gediegenen Metall zur Erzverhüttung

Kupfer kommt gelegentlich gediegen vor, also bereits als Metall. Solche Stücke konnten Menschen bearbeiten, bevor sie Erze verhütten konnten. Die Entwicklung zur gezielten Metallgewinnung war deshalb kein einzelner Erfindungsmoment. Sie verband Erfahrungen mit Steinen, Feuer, mineralischen Farben und dem Verhalten verschiedener Rohstoffe. Die zeitliche Abfolge unterscheidet sich zwischen Regionen; eine für die gesamte Welt einheitliche Kupferzeit gab es nicht.

In einer Erzlagerstätte liegt Kupfer meist chemisch gebunden vor. Bergleute mussten brauchbares Erz von taubem Gestein unterscheiden und es gewinnen. Zerkleinern und Sortieren erhöhten den nutzbaren Anteil. Die anschließenden metallurgischen Verfahren richteten sich nach der Erzart. Ein oxidisches Erz verhält sich anders als ein schwefelhaltiges Erz, dessen Aufbereitung und Verhüttung weitere Schritte verlangen kann. Eine einfache Zeichnung mit Erz und Schmelztiegel bildet diese Unterschiede nur sehr verkürzt ab.

Für vorindustrielle Hütten waren Brennstoff, Luftzufuhr, Ofenbau und Erfahrung ebenso wichtig wie die Lagerstätte. Die Hüttenarbeit erforderte andere Kenntnisse als das spätere Treiben einer Schale. Bergmann, Köhler, Fuhrmann, Hüttenarbeiter und Kupferschmied bildeten eine arbeitsteilige Versorgungskette. Eine städtische Werkstatt musste daher keineswegs in der Nähe eines Bergwerks liegen, solange sie Metall über Handelswege beziehen konnte.

Mittelalterliche Versorgung und regionale Schwerpunkte

Ein besonders anschaulicher Zusammenhang zwischen Rohstoff und Region lässt sich im Mansfelder Land verfolgen. Das Mansfeld-Museum in Hettstedt verbindet Stadtgeschichte mit Kupferbergbau, Verhüttung und Metallverarbeitung. Dabei ist zwischen archäologisch nachgewiesenen Tätigkeiten, späterer Überlieferung und regionalen Gründungserzählungen zu unterscheiden. Ein prägnantes Gründungsjahr allein beschreibt die Entstehung einer Bergbaulandschaft nicht vollständig.

Kaufleute im Ständebuch
Kaufleute im Ständebuch. Metallbetriebe waren auf Beschaffung und Absatz angewiesen; das Bild zeigt Handel allgemein und keinen nachgewiesenen Kupferhandel. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Weiterverarbeitende Zentren lagen auch an Verkehrswegen und Absatzmärkten. Der Handel bewegte nicht nur fertige Gefäße, sondern Barren, Bleche und Altmetall. Größe, Reinheit und Bearbeitungszustand solcher Lieferungen beeinflussten die Arbeit in der Werkstatt. Ein bereits ausgeschlagenes Blech ersparte viele Arbeitsschritte gegenüber einem massiven Ausgangsstück. Gleichmäßiges Material erleichterte zudem die Kalkulation, weil weniger unerwartete Fehlstellen auftraten.

Regional verschiedene Berufsbezeichnungen dürfen nicht unbesehen gleichgesetzt werden. Ein Kupferschmied, Beckenschläger oder Kessler konnte ähnliche Produkte herstellen, doch örtliche Gewerbeordnungen und betriebliche Spezialisierungen setzten unterschiedliche Grenzen. Besonders irreführend kann die historische Bezeichnung Kupfermeister sein: In bestimmten Regionen gehört sie zur Geschichte des Messings. Für die Bestimmung des tatsächlich verarbeiteten Metalls sind daher zusätzliche Belege erforderlich.

Welche Handwerker arbeiteten mit diesem Material?

Im Mittelpunkt steht der Kupferschmied. Er fertigte oder reparierte Behälter, Gefäße und geformte Blechteile. Zum verwandten Berufsfeld gehören Klempner, deren Arbeit mit Blech auch Dach- und Bauaufgaben umfasst, sowie der spätere Behälter- und Apparatebauer. Die Berufsgrenzen veränderten sich mit Produkten, Maschinen und regionalen Regelungen.

Andere Handwerke benötigten Kupfer als Ausgangsstoff oder Bestandteil einer Legierung. Glockengießer verarbeiteten kupferreiche Bronze, Gürtler verschiedene Buntmetalle, Goldschmiede unter anderem Kupfer als Legierungszusatz. Diese Verbindung bedeutet nicht, dass ihre Erzeugnisse aus reinem Kupfer bestanden. Gerade hier hilft die Materialkunde, ähnliche Farben und ähnliche Berufsbezeichnungen auseinanderzuhalten.

Zu den wichtigen Auftraggebern zählten außerdem Bierbrauer. An ihrer Ausstattung wird deutlich, dass eine Kupferschmiede häufig Teil eines größeren wirtschaftlichen Netzes war: Sie lieferte Geräte für andere Gewerbe, wartete sie und passte sie bei veränderten Anforderungen an. Auch Bauherren, Haushalte und kirchliche Einrichtungen konnten Kunden sein. Handwerksgeschichte umfasst deshalb Herstellung und Gebrauch gleichermaßen.

Werkbank, Feuerstelle und geformte Ambosse

Für die Bearbeitung von Hohlkörpern genügte nicht ein einziger ebener Amboss. Unterschiedliche Unterlagen und Einsätze ermöglichten es, enge Radien, gewölbte Flächen oder schwer zugängliche Gefäßpartien zu erreichen. Die Form des Hammers musste zur Unterlage und zum gewünschten Ergebnis passen. Ein Werkzeug zum kräftigen Vorformen hinterließ andere Spuren als ein glatt polierter Hammer zum Schlichten der Oberfläche.

Beckenschläger in seiner Werkstatt
Beckenschläger in seiner Werkstatt. Geformte Unterlagen unterstützen die Bearbeitung von Schalen und Becken. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Hinzu kamen Blechscheren, Zirkel, Anreißwerkzeuge, Feilen und Zangen. Lötarbeiten erforderten weitere Geräte und einen geeigneten Wärmeplatz. Das vorhandene Werkzeuglexikon erschließt den größeren Zusammenhang von Hammer, Amboss und Zange. Ein scheinbar einfaches Werkzeug wurde durch seine genaue Form und den sicheren Umgang damit zu einem spezialisierten Arbeitsmittel.

Die Werkstatt musste das Drehen und Halten sperriger Werkstücke ermöglichen. Bei einem großen Kessel konnte die Körperhaltung ebenso wichtig sein wie die Kraft des Schlages. Fertige Teile, Rohmaterial, Brennstoff und Reparaturaufträge beanspruchten Platz. Die historische Darstellung einer aufgeräumten Werkstatt ist deshalb als ausgewählte Bildkomposition zu lesen; sie zeigt nicht zwangsläufig den gesamten Betrieb mit allen Nebenräumen.

Vom Rohstoff zum fertigen Werkstück

  1. Erz gewinnen und aufbereiten: Geeignetes Gestein wird abgebaut, zerkleinert und nach seinem nutzbaren Anteil sortiert. Die weiteren Hüttenverfahren hängen von der Erzart ab.
  2. Metall bereitstellen: Verhüttung und Reinigung liefern Kupfer. Barren oder andere Vorformen gelangen an die weiterverarbeitenden Betriebe.
  3. Blech herstellen und auswählen: Ausschlagen oder später Walzen erzeugt flächiges Halbzeug. Stärke und Qualität müssen zum geplanten Gefäß passen.
  4. Zuschnitt anreißen: Der Handwerker berücksichtigt nicht nur die sichtbare Endform, sondern auch Verformung, Randgestaltung und mögliche Verbindungen.
  5. Schrittweise formen: Auf geeigneten Unterlagen entsteht durch Treiben und Aufziehen der Hohlkörper. Zwischenglühen erhält die weitere Bearbeitbarkeit.
  6. Teile verbinden: Je nach Konstruktion werden Ränder gefalzt, Teile vernietet oder geeignete Lötverbindungen hergestellt. Griffe benötigen ausreichend tragfähige Befestigungen.
  7. Oberfläche zurichten und prüfen: Glätten, Säubern und gegebenenfalls eine Beschichtung schließen die Herstellung ab. Maßhaltigkeit, Stand und Dichtheit richten sich nach dem vorgesehenen Gebrauch.

Diese Folge erläutert beispielhaft einen kupfernen Hohlkörper. Ein Dachblech, ein Draht oder ein gegossenes Teil entsteht auf anderen Wegen. Historische Handwerker entschieden zwischen mehreren Verfahren; sie arbeiteten nicht nach einem für alle Produkte gültigen Rezept.

Treiben, Aufziehen und Schlichten

Beim Treiben wird das Blech gezielt verformt. Dabei kann sich Material strecken und die Wandstärke verändern. Beim Aufziehen eines Gefäßes wird der Randbereich in aufeinander abgestimmten Arbeitsgängen zusammengeführt. Die sichtbare Höhe wächst nicht einfach dadurch, dass ein flacher Kreis nach oben gebogen wird: Materialverteilung und Umfang müssen zur entstehenden Form passen. Gleichmäßige Arbeit verhindert übermäßig dünne Stellen und unkontrollierte Falten.

Kupferschmied im schwedischen Haandverksbogen
Kupferschmied im schwedischen Haandverksbogen. Der Holzschnitt von 1753 zeigt Werkstatt und Erzeugnisse dieses Gewerbes. Eric Kiellberg, Holzschnitt im Haandverksbogen, Stockholm 1753, nach einem älteren deutschen Vorbild. Norsk Folkemuseum, Inventar NF.11507-002, via Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Das Schlichten beseitigt oder ordnet die gröberen Spuren der Vorarbeit. Feine, überlappende Schläge können eine gleichmäßige Oberfläche erzeugen. Andererseits blieben Hammerschläge bei manchen Arbeiten bewusst sichtbar. Sie sind ein Gestaltungsmittel und zugleich ein Hinweis auf den Herstellungsprozess. Ob eine Oberfläche ursprünglich blank, beschichtet oder anders gestaltet war, muss am jeweiligen Gegenstand untersucht werden.

Eine wichtige Eigenschaft ist die bereits erwähnte Kaltverfestigung. Setzt der Handwerker die Verformung trotz nachlassender Formbarkeit fort, können Risse entstehen. Glühen schafft neue Bearbeitungsmöglichkeiten, ersetzt aber keine durchdachte Formgebung. Die Verbindung von wiederholtem Erwärmen und kalter Umformung unterscheidet sich von der Härtung geeigneter Stähle. Wasser nach dem Glühen macht Kupfer nicht auf dieselbe Weise hart wie einen dafür geeigneten Stahl.

Verbindungen, Überzüge und Reparaturen

Große Werkstücke bestanden häufig aus mehreren Teilen. Eine Verbindung musste nicht nur zunächst halten, sondern auch mit Erwärmung, Bewegung und Belastung im Gebrauch zurechtkommen. Falze verbinden Blechkanten mechanisch; Niete halten überlappende Teile zusammen. Beim Löten verbindet ein zusätzliches Metall die vorbereiteten Flächen. Welche Verbindung geeignet war, hing von Konstruktion, verfügbarer Technik und Einsatzbereich ab.

Kannengießer bei der Arbeit mit Zinnwaren
Kannengießer bei der Arbeit mit Zinnwaren. Zinn war ein eigenständiger Werkstoff und zugleich ein möglicher Überzug für Kupfer; der Holzschnitt zeigt keine Verzinnung. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Beschichtungen konnten das Erscheinungsbild oder den Gebrauch verändern. Bei historischen Kupfergefäßen begegnet beispielsweise Verzinnung. Ein solcher Überzug macht aus dem Grundkörper kein massives Zinngefäß. Er ist eine zusätzliche Schicht mit eigener Herstellungs- und Reparaturgeschichte. Die technische Übersicht des Kupferverbands zum Beschichten zeigt, wie vielfältig die Verbindung von Grundmetall und Oberfläche sein kann.

Reparaturen waren wirtschaftlich bedeutsam. Ein undichtes Gefäß musste nicht vollständig ersetzt werden, wenn sich eine Naht ausbessern oder eine schadhafte Stelle reparieren ließ. Umgekehrt durfte der Materialwert nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein unbrauchbares Werkstück erhebliche Arbeitszeit gebunden hatte. Altmetall blieb deshalb wertvoll, ohne jeden handwerklichen Fehler wirtschaftlich folgenlos zu machen.

Maschinen verändern das Gewerbe

Mechanische Hämmer und Walzwerke veränderten vor allem die Herstellung von Halbzeug. Gleichmäßige Bleche eröffneten neue Möglichkeiten der weiteren Verarbeitung. Später erlaubten Pressen und andere Umformmaschinen größere Stückzahlen sowie wiederholbare Formen. Die Darstellung des Kupferverbands zum Umformen erläutert das moderne Spektrum von Blechen, Bändern, Rohren, Stangen und Drähten.

Der Übergang zur Industrie bedeutete jedoch nicht überall das sofortige Ende der Handarbeit. Bei Einzelstücken, komplizierten Übergängen und Reparaturen blieben manuelle Fähigkeiten gefragt. Manche Betriebe spezialisierten sich auf Apparate, andere auf Bauarbeiten oder gestalterische Aufgaben. Ein Film des Landschaftsverbands Rheinland dokumentiert noch 1978 charakteristische Arbeitstechniken einer Kupferschmiedewerkstatt. Er ist ein wertvoller Beleg für überlieferte Verfahren, aber kein unverändertes Fenster ins Mittelalter.

Mit der Elektrotechnik gewann eine weitere Eigenschaft große wirtschaftliche Bedeutung: Kupfer leitet elektrischen Strom sehr gut. Historische Kessel und moderne Leitungen gehören daher zur Geschichte desselben Elements, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Der Wandel lässt sich nicht als bloßer Austausch von Handwerk durch Maschinen beschreiben. Neue Anwendungen veränderten auch die Anforderungen an Reinheit, Prüfung, Halbzeuge und berufliche Qualifikation.

Draht und Blech: zwei Wege aus demselben Metall

Ein Draht entsteht durch eine andere Umformung als eine Schale. Beim Ziehen wird ein längliches Ausgangsstück durch eine Öffnung geführt, die seinen Querschnitt verkleinert. Mehrere Durchgänge können erforderlich sein. Die dabei wachsende Länge ist mit der Abnahme des Querschnitts verbunden; das Metall wird nicht einfach ohne weitere Veränderung dünner. Zwischenbehandlungen und die Beschaffenheit des Ausgangsmaterials beeinflussen, ob der Draht gleichmäßig bleibt.

Drahtzieher an seiner Vorrichtung
Drahtzieher an seiner Vorrichtung. Die Darstellung erklärt das verwandte Umformverfahren; die genaue Metallsorte ist im Holzschnitt nicht bestimmbar. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Das Walzen eines Blechs nutzt dagegen den Druck zwischen Walzen. Die erreichbare Gleichmäßigkeit erleichtert das spätere Anreißen, Schneiden und Fügen. Ein Kupferschmied konnte dadurch mehr Zeit auf die eigentliche Produktform verwenden. Halbzeugherstellung und Endfertigung sind also unterschiedliche Produktionsstufen, auch wenn sie gelegentlich innerhalb desselben Betriebs zusammenkamen.

Die beiden Beispiele erklären zugleich die Bedeutung spezialisierter Zulieferer. Ein Betrieb, der besonders gute Gefäße herstellte, musste nicht auch besonders wirtschaftlich Draht produzieren können. Arbeitsteilung war daher keine Erfindung moderner Großfabriken, sondern nahm mit neuen Maschinen andere Formen und Größenordnungen an.

Kupfer heute lesen und verstehen

An einem historischen Gegenstand lohnt der Blick auf Blechstärke, Nähte, Rand, Griffe und Oberfläche. Diese Merkmale verraten oft mehr über seine Herstellung als die rote Metallfarbe allein. Eine gleichmäßige Wandung kann auf sorgfältige Handarbeit oder auf maschinell erzeugtes Halbzeug zurückgehen. Sichtbare Spuren müssen deshalb im Zusammenhang betrachtet werden. Ohne Untersuchung bleibt manche Zuschreibung bewusst offen.

Die heutigen Verbindungen des Gewerbes erschließen die Seiten zur Ausbildung im Behälter- und Apparatebau und zur Klempnerei. Für den historischen Vergleich führen die Geschichte des Kupferschmiedehandwerks, das Werkzeuglexikon und die Meisterstück-Tradition weiter. So verbindet der Werkstoff Rohstoffgeschichte, praktische Arbeit und berufliches Können.

Erhaltene Werkstücke aus Kupfer

Getriebene und vergoldete Kupferkanne

Die Kanne wird Iran beziehungsweise Chorasan zugeschrieben und vermutlich in das 18. Jahrhundert datiert. Das Museum bestimmt den Werkstoff als Kupfer, getrieben und vergoldet. An diesem Beispiel greifen mehrere Arbeitsbereiche ineinander: Gefäßform, ornamentale Bearbeitung und Oberflächenüberzug. Der goldene Eindruck bedeutet also nicht, dass der gesamte Körper aus Gold besteht. Das außereuropäische Vergleichsstück zeigt eine weitere handwerkliche Anwendung der im Artikel erläuterten Materialeigenschaften.

Vergoldete Kupferkanne mit getriebenen Ornamenten und geschwungenem Henkel
Kupferkanne, vermutlich 18. Jahrhundert, Iran beziehungsweise Chorasan zugeschrieben. Die getriebene und vergoldete Oberfläche zeigt, wie Formgebung und Metallüberzug zusammenwirken. Hersteller nicht benannt; Herkunft und Datierung nach Museumszuschreibung. The Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. 91.1.591. Edward C. Moore Collection, Bequest of Edward C. Moore, 1891. Foto: The Met, Open Access / CC0. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Kesseltrommel mit Kupferkörper

Die nepalesische Damaha aus dem 19. Jahrhundert besteht aus Kupfer und Tierhaut. Der geformte Metallkörper ist hier Teil eines Musikinstruments. Die gespannte Haut übernimmt eine andere Aufgabe als der Behälter darunter; beide Materialien gehören zur Funktion des fertigen Gegenstands. Damit erweitert das Objekt die vertraute Vorstellung von Kupfer als Küchen- oder Dachmaterial. Die Aufnahme dokumentiert das erhaltene Instrument, nicht den ursprünglichen Arbeitsablauf seiner Herstellung.

Nepalesische Kesseltrommel mit Kupferkörper und gespannter Tierhaut
Damaha aus Nepal, 19. Jahrhundert. Der Kupferkörper trägt eine gespannte Tierhaut; der Werkstoff wird hier im Instrumentenbau verwendet. Hersteller nicht benannt; Herkunft Salyan-Distrikt, Rapti-Zone, Nepal. The Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. 1986.352.2. Gift of Krishna Man Manandhar, 1986. Foto: The Met, Open Access / CC0. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Quellen & weiterführende Literatur

Material-Archiv: Kupfer – Werkstoffeinordnung. Kupferverband: Umformen und Beschichten – moderne technische Begriffe; keine Belege für die Datierung einzelner mittelalterlicher Verfahren.

Mansfeld-Museum: Dauerausstellung Kupferstadt Hettstedt – regionale Verbindung von Bergbau, Stadt und Metallverarbeitung. LVR: Filmdokumentationen, Der Kupferschmied, Mönchengladbach 1978 – dokumentierte Werkstattarbeit des 20. Jahrhunderts.

Die historischen Abbildungen stammen aus dem Ständebuch von 1568. Sie dokumentieren ausgewählte Berufe und Arbeitssituationen ihrer Entstehungszeit. Bei Darstellungen verwandter Gewerbe ist die genaue Legierung des gezeigten Gegenstands nicht aus dem Holzschnitt bestimmbar; die Bildunterschrift erläutert jeweils den Bezug.