Papiermacherin beim Schöpfen eines gleichmäßigen Papierbogens

Warum Papier aus Wasser entsteht – und trotzdem nicht im Wasser zerfällt

Bei der traditionellen Papierherstellung schwimmen feine Fasern zunächst in sehr viel Wasser. Mit einem Sieb wird daraus ein dünner, nasser Faserfilm geschöpft. Dass dieser Film nach Pressen und Trocknen zu einem zusammenhängenden Papierbogen wird, gehört zu den faszinierendsten Prinzipien des Papiermacherhandwerks.

Warum braucht Papiermacher so viel Wasser?

Wasser verteilt die vorbereiteten Fasern in der Bütte und ermöglicht, dass sie sich auf dem Schöpfsieb möglichst gleichmäßig ablagern. Beim Herausheben läuft ein großer Teil des Wassers ab. Zurück bleibt ein nasses Geflecht aus Fasern, das zunächst noch sehr empfindlich ist.

Historisch wurden unter anderem aufbereitete textile Fasern aus Lumpen genutzt. Heute kommen je nach Herstellungsart unterschiedliche Faserrohstoffe zum Einsatz.

Wie wird aus losen Fasern ein fester Bogen?

Nach dem Schöpfen wird der feuchte Faserfilm vom Sieb abgenommen, gepresst und getrocknet. Dabei rücken die Fasern eng zusammen und bilden zahlreiche Kontaktstellen. Die natürliche Oberflächenchemie der Fasern trägt dazu bei, dass ein zusammenhängendes Blatt entsteht. Es braucht also nicht zwingend einen Klebstoff, der jede einzelne Faser miteinander verklebt.

Warum fällt trockenes Papier nicht sofort wieder auseinander?

Die Fasern liegen nicht ordentlich nebeneinander wie Stäbchen. Sie überlagern und vernetzen sich in vielen Richtungen. Pressen erhöht die Kontaktfläche, Trocknen stabilisiert das Gefüge. Je nach Papierart beeinflussen Faserlänge, Mahlung, Blattbildung und weitere Zusätze die Festigkeit und Oberfläche.

Aber Papier wird doch im Wasser wieder weich?

Genau. Papier ist deshalb nicht automatisch wasserfest. Gelangt wieder viel Wasser in das Fasergefüge, kann es aufquellen und deutlich an Festigkeit verlieren. Leimung und andere Behandlungen können steuern, wie schnell Flüssigkeit eindringt und wie sich die Oberfläche verhält. Das Grundmaterial bleibt jedoch hygroskopisch und reagiert auf Feuchtigkeit.

Was bedeutet „Gautschen“ bei der Papierherstellung?

Beim traditionellen Papiermachen bezeichnet Gautschen das Übertragen des frisch geschöpften nassen Bogens vom Sieb auf eine Unterlage, häufig Filz. Aus diesem handwerklichen Begriff entwickelte sich später auch der bekannte Brauch im Druckgewerbe – dort allerdings mit einer ganz anderen, symbolischen Bedeutung.

Vom Büttenpapier zur Papiermaschine

Moderne Papierproduktion läuft kontinuierlich und mit enormer Geschwindigkeit. Trotzdem bleibt das Grundprinzip erkennbar: Fasern werden in Wasser verteilt, zu einer Bahn geformt, entwässert, gepresst, getrocknet und anschließend auf die gewünschten Eigenschaften eingestellt.

Mehr über Bütte, Schöpfsieb, Pressen, Trocknen und den heutigen Beruf Papiertechnologe: Geschichte des Papiermacherhandwerks im Zunftlexikon.

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