Kunstunterricht mit Zeichen und Wappen

Zunftzeichen im Kunstunterricht: Erst lesen, dann selbst gestalten

Ein Beruf soll mit wenigen Formen erkennbar werden. Welche würdest du wählen? Diese Gestaltungsfrage kann einen spannenden Übergang zwischen Kunst und Geschichte eröffnen. Bevor die Klasse eigene Zeichen entwirft, lohnt allerdings ein genauer Blick auf die Vorlagen: Was sehen wir tatsächlich, was wissen wir über ihre Herkunft und was vermuten wir nur?

Zum Titelbild: KI-generierte Kunstlehrerin als Griesgram-Motiv von Atelier Achberger. Sie ist ein Symbolbild für das Unterrichtsthema und keine historische Vorlage für die Zeichenanalyse.

Zwei Lernaufgaben bewusst trennen

In der ersten Phase untersuchen die Lernenden vorhandene Zeichen. In der zweiten entwickeln sie eigene Entwürfe. Die historische Analyse fragt nach einem belegbaren Zusammenhang. Die kreative Aufgabe erlaubt Erfindung. Diese Trennung sollte auch auf den fertigen Arbeiten erkennbar sein.

Als Einstieg können Lehrkräfte das Arbeitsblatt zu Zunftzeichen und ihrer Bedeutung sowie das Zunftzeichen-Lexikon sichten. Für die Analyse werden nur Beispiele ausgewählt, deren Herkunft für die konkrete Aufgabe ausreichend geklärt ist.

Beobachten ohne vorschnelle Lösung

Die Klasse beschreibt zunächst Formen, Anordnung, Beschriftungen und erkennbare Gegenstände. Erst danach werden Vermutungen zur Bedeutung gesammelt. Die Lehrkraft stellt anschließend die vorhandenen Quellenangaben oder eine geprüfte Erläuterung bereit.

Besonders interessant ist der Vergleich: Welche Gestaltungselemente waren aussagekräftig? Welche führten zu sehr unterschiedlichen Vermutungen? Dabei geht es nicht um einen Wettbewerb im Erraten, sondern um die Frage, wie Bilder Informationen verdichten können.

Der Gestaltungsauftrag

Die Schülerinnen und Schüler wählen einen Beruf und entwerfen ein eigenes, heutiges Zeichen dafür. Es soll aus wenigen klar erkennbaren Elementen bestehen und auch verkleinert noch lesbar sein. Der Entwurf wird ausdrücklich als eigene Gestaltung gekennzeichnet, nicht als angeblich überliefertes Zunftwappen.

Vor dem Ausarbeiten entstehen drei kleine Skizzen. Zu jeder notieren die Lernenden, welches Element welche Idee ausdrückt. Danach wählen sie einen Entwurf und begründen die Entscheidung. Auch ein zunächst attraktives Symbol darf verworfen werden, wenn seine Aussage nicht zum Beruf passt.

Eine Galerie mit begründetem Feedback

Die fertigen Arbeiten werden zusammen mit der jeweiligen Berufsbezeichnung und einer kurzen Erklärung gezeigt. Mitschülerinnen und Mitschüler geben Rückmeldung anhand weniger Kriterien: Ist die Hauptidee verständlich? Sind die Formen unterscheidbar? Unterstützt die Anordnung die Aussage?

Geschmack und Verständlichkeit sind dabei nicht dasselbe. Ein Entwurf kann persönlich gefallen und trotzdem eine andere Tätigkeit nahelegen. Genau diese Beobachtung macht das Gespräch über Gestaltung produktiv.

Bewerten, ohne nur Zeichenbegabung zu belohnen

Für die Bewertung könnten Recherche, nachvollziehbare Symbolwahl, Skizzenentwicklung und Erklärung stärker zählen als eine besonders dekorative Ausführung. Sprachliche Unterstützung lässt sich durch Satzanfänge anbieten. Lernende mit wenig Zeichensicherheit können zunächst mit einfachen geometrischen Formen arbeiten.

Der Umfang kann von einer kurzen Doppelstunde bis zu einem kleinen Projekt reichen. Der hier beschriebene Ablauf ist ein Unterrichtsvorschlag, keine behauptete Erprobungsstudie. Sein Kern ist einfach: Wer ein Zeichen gestaltet, soll erklären können, warum es so aussieht – und worin sich die eigene Erfindung von einer historischen Quelle unterscheidet.

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