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Messing: Goldgelber Werkstoff für Leuchter, Beschläge und Instrumente

Messing im historischen Handwerk: Herkunft, Eigenschaften, Verarbeitung, Werkzeuge und Berufe. Mit historischen Abbildungen und Fachquellen.

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Beckenschläger im Ständebuch von 1568
Beckenschläger im Ständebuch von 1568. Die Darstellung zeigt das Formen eines Metallgefäßes; die genaue Legierung ist im Holzschnitt nicht bestimmbar. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Messing brachte goldgelben Glanz in Werkstätten, Kirchen und Wohnräume, ohne ein Edelmetall zu sein. Aus ihm entstanden Leuchter, Gefäße, Beschläge, Messinstrumente und Teile von Musikinstrumenten. Seine Geschichte verbindet Bergbau und Hüttenwesen mit Gießerei, Blechbearbeitung und Feinmechanik. Gerade diese Vielseitigkeit erklärt, weshalb sich der Werkstoff nicht einem einzigen historischen Beruf zuordnen lässt.

Ein einfacher Kerzenhalter und ein aufwendig graviertes Astrolabium können beide aus Messing bestehen. An den fertigen Gegenständen sind jedoch unterschiedliche Fähigkeiten zu erkennen. Der Kerzenhalter muss standfest sein und seine Teile sicher verbinden. Beim astronomischen Instrument müssen zusätzlich Skalen, bewegliche Elemente und Beschriftungen zusammenpassen. Die Eigenschaften des Metalls eröffnen Möglichkeiten; erst die jeweilige handwerkliche Arbeit macht daraus ein brauchbares Produkt.

Kupfer und Zink bilden einen neuen Werkstoff

Messing bezeichnet Kupfer-Zink-Legierungen. Das Mischungsverhältnis beeinflusst Farbe, Festigkeit und Bearbeitbarkeit. Dazu können weitere Bestandteile kommen. Die moderne Werkstofftechnik unterscheidet deshalb zahlreiche Messingsorten, anstatt von einem überall identischen Material auszugehen. Der Kupferverband ordnet Messing innerhalb der Kupferlegierungen ein; sein Werkstoffverzeichnis zeigt die heute wesentlich genauere Unterscheidung einzelner Zusammensetzungen.

Ein historischer Name ist dagegen häufig weniger präzise. Gelbguss kann auf gegossenes Messing verweisen, Gelbkupfer auf seinen kupferhaltigen Charakter und die gelbe Farbe. Bei Museumsobjekten werden manchmal ältere Bezeichnungen fortgeführt. Für die Materialbestimmung sind eine ausdrückliche Beschreibung oder eine technische Untersuchung hilfreicher als die bloße Farbe. Vergoldetes Kupfer, blankes Messing und vergoldete Bronze können auf Fotografien ähnlich wirken.

Auch die Begriffe Gusslegierung und Knetlegierung verdienen Beachtung. Sie beschreiben die Eignung für unterschiedliche Herstellungswege. Ein Werkstoff für starke plastische Verformung muss andere Anforderungen erfüllen als eine Mischung, aus der ein kompliziertes Teil gegossen werden soll. Ein historischer Handwerker kannte diese Zusammenhänge aus Erfahrung, auch wenn ihm die heutige Erklärung des Metallgefüges fehlte.

Messing herstellen, bevor reines Zink verfügbar war

Die Geschichte des Messings zeigt, dass die Herstellung einer Legierung älter sein kann als die verbreitete Verfügbarkeit ihrer Bestandteile in reiner Metallform. Historisch ließ sich zinkhaltiges Material zusammen mit Kupfer und kohlenstoffhaltigem Brenn- beziehungsweise Reduktionsmaterial verarbeiten. Der Begriff Galmei bezeichnet dabei historische zinkhaltige Erzrohstoffe, die in ihrer mineralischen Zusammensetzung unterschiedlich sein konnten.

Beim Zementationsverfahren wird unter geeigneten Bedingungen Zink aus dem Erz freigesetzt und vom Kupfer aufgenommen. Dieser Vorgang verlangt die richtige Umgebung im Tiegel und eine kontrollierte Temperaturführung. Die vereinfachte Vorstellung, man habe von Anfang an lediglich zwei abgewogene reine Metalle zusammengeschüttet, beschreibt diesen älteren Weg nicht. Ebenso ist das vollständige Schmelzen des Kupfers keine notwendige Voraussetzung jedes erfolgreichen Zementationsversuchs. Dies erläutert der Archäometallurge Bastian Asmus anhand experimenteller Messingherstellung.

Zink ist bei hohen Temperaturen flüchtig. Deshalb waren Gefäß, Abdeckung, Ausgangsstoffe und Arbeitsdauer für das Ergebnis wichtig. Die Werkstatt musste nicht nur einen heißen Ofen betreiben, sondern die Bedingungen innerhalb des Tiegels beherrschen. Sobald metallisches Zink in geeigneter Qualität verfügbar war, eröffnete das direkte Legieren einen anderen Herstellungsweg. Beide Verfahren gehören zur Messinggeschichte, dürfen aber zeitlich und regional nicht gleichgesetzt werden.

Frühe Nutzung und mittelalterliche Spezialisierung

Zinkhaltige Kupferlegierungen sind aus der Antike bekannt. Bei frühen Funden ist jedoch zu unterscheiden, ob der Zinkgehalt bewusst eingestellt wurde oder aus den verwendeten Erzen herrührt. Eine chemische Analyse und eine eindeutige schriftliche Rezeptur beantworten unterschiedliche Fragen. Für den Beginn einer Technik ist daher ein vorsichtiges Urteil sinnvoller als ein einziges scheinbar präzises Erfindungsjahr.

Im Mittelalter wurden kupferreiche Legierungen zu einem wichtigen Bereich städtischer Metallgewerbe. Das Maasgebiet ist mit der Herstellung von Gefäßen und kirchlichen Gegenständen verbunden. Die Bezeichnung Dinanderie erinnert an Dinant und umfasst eine handwerkliche Tradition, deren Begriffe je nach Zeit und Darstellung unterschiedlich weit gebraucht werden. Sie ist keine moderne Werkstoffnummer mit einer überall festgelegten Zusammensetzung.

Ein Leuchter, ein Gießgefäß und ein großes Lesepult stellten verschiedene Aufgaben an Formbau und Montage. Einzelne Bestandteile konnten gegossen, andere aus Blech geformt oder später mechanisch bearbeitet werden. Die fertige Oberfläche verdeckt oftmals, wie viele Arbeitsschritte und Verbindungen darunterliegen. Gerade bei reich verzierten Objekten ist deshalb zwischen Entwurf, Rohform und abschließender Zurichtung zu unterscheiden.

Warum Handwerker Messing verwendeten

Der goldähnliche Farbton war für sichtbare Gegenstände attraktiv. Gleichzeitig ließ sich geeignetes Messing gießen, biegen, ziehen, gravieren und polieren. Diese Kombination machte es für zahlreiche Produkte interessant. Dabei war die gewünschte Bearbeitung immer mit der genauen Sorte und ihrem Zustand abzustimmen. Aus der guten Formbarkeit einer Messingqualität folgt nicht, dass jede andere Mischung denselben Arbeitsgang schadlos verträgt.

Für Beschläge zählt die Verbindung aus Gestalt und Funktion. Ein Griff muss Kräfte übertragen, ein Scharnier wiederholt beweglich bleiben und ein Schlossbeschlag eine Öffnung sauber einfassen. Für Instrumententeile kommen Maßhaltigkeit und gut lesbare Oberflächen hinzu. Gravierte Linien oder Zahlen müssen deutlich erkennbar sein, ohne dass die Platte dadurch unbrauchbar geschwächt wird. Materialstärke und Gestaltung sind daher gemeinsam zu planen.

Eine polierte Oberfläche benötigt Pflege und verändert sich im Gebrauch. Anlaufen ist nicht gleichbedeutend mit dem vollständigen Verlust der Funktion. Umgekehrt kann eine stark beanspruchte, glänzend gehaltene Fläche historische Spuren verlieren. Der Zustand eines erhaltenen Objekts kann Herstellung, Gebrauch, Reinigung und spätere Restaurierung zugleich widerspiegeln. Für eine historische Deutung genügt der heutige Glanz allein nicht.

Welche Handwerker arbeiteten mit diesem Material?

Gürtler und verwandte Metallhandwerke fertigten Beschläge und andere Gegenstände aus Buntmetallen. Erzgießer und Rotschmiede gehören zum historischen Umfeld des Gusses kupferreicher Legierungen. Ihre örtlichen Zuständigkeiten waren nicht überall identisch. Berufsnamen müssen zusammen mit regionalen Regelungen und tatsächlich überlieferten Produkten gelesen werden.

Beckenschläger im Ständebuch von 1568
Beckenschläger im Ständebuch von 1568. Die Darstellung zeigt das Formen eines Metallgefäßes; die genaue Legierung ist im Holzschnitt nicht bestimmbar. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Uhrmacher und wissenschaftliche Instrumentenmacher benötigten genau bearbeitete Metallteile. Messingplatten und kleinere Bauteile konnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Der Blasinstrumentenbau erschließt einen weiteren Zusammenhang von Blechformung, Rohr, Verbindung und Klang. Ein Instrument entsteht allerdings aus dem Zusammenspiel vieler Bauteile und nicht aus einer einzigen Materialeigenschaft.

Außerdem waren Zulieferer beteiligt. Drahtzieher stellten längliches Halbzeug her; Händler beschafften Metall oder vermittelten Absatz. Werkzeugmacher ermöglichten präzise Arbeit durch geeignete Schneiden, Bohrer und Messmittel. Die historische Versorgungskette reichte also weit über die Werkbank des letzten Herstellers hinaus. Gerade an kleinen, aufwendig gefertigten Gegenständen kann sich eine große Arbeitsteilung verbergen.

Vom Rohstoff zum fertigen Werkstück

  1. Rohstoffe beschaffen: Kupfer und ein geeigneter zinkhaltiger Rohstoff gelangen zur Metallherstellung. In späteren Verfahren kann metallisches Zink eingesetzt werden.
  2. Messing erzeugen: Zementation oder direktes Legieren führt zur kupferreichen Legierung. Das Ergebnis wird für den vorgesehenen Gebrauch beurteilt.
  3. Ausgangsform wählen: Für einen Guss wird eine Form benötigt; für Blech- und Drahtarbeit muss passendes Halbzeug bereitstehen. Die Wege verzweigen sich bereits an dieser Stelle.
  4. Grundgestalt herstellen: Gießen, Walzen, Hämmern, Ziehen oder Biegen bringen das Material in eine weiterbearbeitbare Form. Bei Umformarbeiten können geeignete Zwischenbehandlungen erforderlich sein.
  5. Teile ausarbeiten: Bohren, Feilen, Drehen, Gravieren oder andere Arbeitsgänge erzeugen Passungen und Einzelheiten. Späne und Abschnitte werden getrennt gesammelt.
  6. Verbinden und montieren: Mehrteilige Gegenstände erhalten ihre endgültige Funktion durch passende mechanische Verbindungen oder geeignete Lötungen.
  7. Oberfläche und Gebrauch prüfen: Politur und weitere Oberflächenarbeit folgen dem Zweck des Gegenstands. Stand, Beweglichkeit, Lesbarkeit oder Klang werden entsprechend der Produktart beurteilt.

Die Folge ist ein Überblick über verschiedene Möglichkeiten. Ein gegossenes Adlerpult folgt einer anderen Werkstattorganisation als ein aus Blech hergestelltes Rohrinstrument. Für das Verständnis eines einzelnen Gegenstands muss der allgemeine Ablauf deshalb anhand seiner Form und materiellen Befunde konkretisiert werden.

Werkstattwissen zwischen Hammer und Feile

In der Blechbearbeitung muss der Handwerker berücksichtigen, dass Umformen das Material verändert. Ein Rand, der zu stark beansprucht wird, kann reißen. Ein ungleichmäßig bearbeitetes Blech kann sich verziehen. Das Zwischenglühen geeigneter Werkstoffe schafft weitere Formbarkeit, behebt aber nicht jede bereits entstandene Fehlstelle. Erfahrung zeigt sich darin, rechtzeitig zwischen Weiterarbeiten, Zwischenbehandlung und Korrektur zu entscheiden.

Drahtzieher bei der Umformung von Metall
Drahtzieher bei der Umformung von Metall. Das Verfahren gehört auch zur Herstellung geeigneter Messinghalbzeuge; die Abbildung selbst bestimmt keine Metallsorte. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Für rotationssymmetrische Teile kommen drehende Arbeitsweisen in Betracht. Bei präzisen Flächen und Passungen sind Feilen, Schaben und Bohren wichtige Tätigkeiten. Zangen halten Teile, ohne sie ungewollt zu beschädigen; Schraubstöcke und geeignete Unterlagen sichern die Lage während der Bearbeitung. Das Werkzeuglexikon bietet dazu die übergreifende Verbindung zwischen Werkzeugen und Berufen.

Die Werkstatt eines Instrumentenmachers konnte sich deutlich von einer Gießerei unterscheiden. Kleine Teile, Zeichnungen und Prüfmöglichkeiten verlangten einen anderen Arbeitsplatz als Ofen, Formstoffe und schwere Gussstücke. Trotzdem konnten beide Betriebe am selben fertigen Werk beteiligt sein. Ein besonders feines Produkt ist daher kein Beweis dafür, dass sämtliche Vorarbeiten in einem kleinen, sauberen Raum stattfanden.

Stolberg: Kupferstadt mit Messinggeschichte

In Stolberg erinnert die Bezeichnung Kupferstadt an eine Geschichte, in der Messing eine zentrale Rolle spielte. Der Zinkhütter Hof erschließt die Welt der Kupfermeister und ihrer Anlagen. Die Begriffe Kupferhof und Kupfermeister lassen sich hier nur vor dem Hintergrund der örtlichen Entwicklung richtig verstehen. Sie bezeichnen nicht automatisch eine Werkstatt, die ausschließlich unlegiertes Kupfer verarbeitete.

Kaufleute im Ständebuch
Kaufleute im Ständebuch. Das Bild ergänzt den Zusammenhang von Rohstoffbeschaffung und Absatz, dokumentiert aber keine bestimmte Messinglieferung. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Ein solcher Produktionsstandort benötigte mehr als Erzvorkommen. Wasser, Energie, Verkehrswege, Arbeitskräfte und Absatzmöglichkeiten beeinflussten seine Entwicklung. Lagerung und Vorbereitung der Rohstoffe gehörten ebenso zum Betrieb wie die sichtbare Weiterverarbeitung. Größere Anlagen verbanden wirtschaftliche Organisation und technische Einrichtungen; die Geschichte eines Materialzentrums ist deshalb zugleich Unternehmens-, Arbeits- und Landschaftsgeschichte.

Die regionale Betrachtung verhindert vorschnelle Verallgemeinerungen. Ein erfolgreicher Betrieb konnte von Bedingungen profitieren, die an einem anderen Ort fehlten. Umgekehrt mussten Handwerker in einer Stadt ohne eigene Metallherstellung nicht auf Messing verzichten. Händler und Zulieferer verbanden die Produktionszentren mit entfernten Werkstätten. Für das fertige Produkt konnten deshalb Rohstoffherkunft, Halbzeugherstellung und Endfertigung an verschiedenen Orten liegen.

Erhaltene Werkstücke aus Messing

Dornleuchter aus dem 17. Jahrhundert

Der kleine Dornleuchter im Metropolitan Museum wird als flämisch oder italienisch eingeordnet. Das Museum nennt Messing als Werkstoff und datiert ihn in das 17. Jahrhundert. Seine Form macht eine einfache Aufgabe anschaulich: Die Kerze wird auf einem Dorn befestigt, der Fuß gibt Halt. Die Ortsangabe bleibt eine Alternative; eine eindeutige Zuschreibung an eine bestimmte Stadt wäre durch diesen Datensatz nicht gedeckt.

Messing-Dornleuchter mit rundem Fuß und breiter Tropfschale
Dornleuchter aus Messing, 17. Jahrhundert, flämisch oder italienisch. Der breite Fuß trägt die schlanke Stütze mit Tropfschale und Kerzendorn. Hersteller nicht benannt. The Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. 41.160.734. Bequest of W. Gedney Beatty, 1941. Foto: The Met, Open Access / CC0. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Adlerpult aus Maastricht

Das um 1500 entstandene Lesepult wird Jehan Aert van Tricht zugeschrieben und mit Maastricht verbunden. Der Adler trägt mit seinen ausgebreiteten Flügeln die Buchauflage. Das Museum bestimmt das Material als Messing. Hier begegnet die Legierung als großformatiges, figürlich gestaltetes Ausstattungsstück. Die Fotografie zeigt den erhaltenen Gegenstand; die Zuschreibung und Datierung folgen dem Museumsbefund, nicht einer eigenen Bestimmung anhand des Bildes.

Messing-Lesepult mit Adler, durchbrochenem Unterbau und seitlichen Leuchtern
Lesepult in Adlergestalt, um 1500, Maastricht. Messing; Jehan Aert van Tricht zugeschrieben. Ein großformatiges Beispiel figürlicher Ausstattung. Jehan Aert van Tricht zugeschrieben. The Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. 68.8. The Cloisters Collection, 1968. Foto: The Met, Open Access / CC0. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Astrolabium mit gravierten Skalen

Das Astrolabium von Muhammad Zaman al-Munajjim al-Asturlabi ist auf 1654–55 datiert und wird Mashhad im Iran zugeschrieben. Das Museum nennt Messing und Stahl sowie Guss, Hämmern, Durchbrechen und Gravur als Techniken. Das Objekt veranschaulicht, wie Metallbearbeitung und mathematisches Wissen zusammenkommen. Es erweitert den europäischen Schwerpunkt des Artikels um ein ausdrücklich gekennzeichnetes Vergleichsstück aus einer anderen Instrumententradition.

Rundes Astrolabium mit durchbrochenen Elementen und fein gravierten Skalen
Astrolabium von Muhammad Zaman al-Munajjim al-Asturlabi, 1654–55, Mashhad im Iran zugeschrieben. Messing und Stahl mit durchbrochenen und gravierten Elementen. Muhammad Zaman al-Munajjim al-Asturlabi. The Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. 63.166a–j. Harris Brisbane Dick Fund, 1963. Foto: The Met, Open Access / CC0. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Maschinen, Serien und die Arbeit am Einzelstück

Mit der Industrialisierung veränderten Walzwerke, Zieheinrichtungen und Werkzeugmaschinen die Bereitstellung und Bearbeitung des Materials. Gleichmäßiges Halbzeug erleichterte wiederholbare Fertigung. Präzisere Messmöglichkeiten machten Unterschiede sichtbar, die vorher stärker über Erfahrung und praktische Erprobung beurteilt wurden. Die Herstellung einzelner Teile konnte dadurch zuverlässiger in eine größere arbeitsteilige Produktion eingeordnet werden.

Eine Serie beseitigt allerdings nicht sämtliche Anforderungen an das Einzelstück. Verbindungen müssen passen, bewegliche Teile funktionieren und Oberflächen ihrem Zweck entsprechen. Gerade bei Instrumenten, Reparaturen und künstlerisch gestalteten Gegenständen bleibt die Beurteilung durch qualifizierte Menschen wichtig. Der Wandel betrifft deshalb nicht nur die Zahl der Hammerschläge, sondern auch Planung, Kontrolle und die Verteilung von Tätigkeiten.

Heute werden Messingwerkstoffe gezielt nach Anwendung ausgewählt. Die Datenblätter des Kupferverbands dokumentieren unterschiedliche Sorten. Solche modernen Bezeichnungen dürfen einem historischen Objekt nicht nachträglich allein aufgrund seiner Farbe zugewiesen werden. Bei der Erhaltung alter Arbeiten müssen Material, Funktion und vorhandene Bearbeitungsspuren gemeinsam berücksichtigt werden. Ein moderner Ersatz kann äußerlich passen und dennoch technisch anders reagieren.

Mehr über Messinghandwerke entdecken

Die Ausbildung zum Metallbildner, die Uhrmacherausbildung und der Blasinstrumentenbau zeigen verschiedene heutige Wege in verwandte Arbeitsfelder. Historisch führen die Verbindungen zu Gürtlern, Instrumentenmachern und zur Meisterstück-Tradition.

Zum Werkstoffvergleich eignen sich die Artikel über Kupfer und Bronze. Der Unterschied zwischen Grundmetall, Legierung und Oberflächenüberzug erklärt dabei viele scheinbare Widersprüche historischer Objektbeschreibungen.

Die drei erhaltenen Messingarbeiten lassen sich auch nach ihrer Nutzung vergleichen. Ein Leuchter muss sicher stehen, ein Lesepult eine Vorlage tragen und ein Astrolabium bewegliche Teile mit lesbaren Skalen verbinden. Materialkenntnis wird dadurch als praktische Entscheidung sichtbar: Derselbe Werkstoff wird für unterschiedliche Formen, Oberflächen und Genauigkeitsanforderungen eingesetzt.

Quellen & weiterführende Literatur

Kupferverband: Kupfer-Legierungen und Werkstoff-Datenblätter – heutige Einordnung und Sortenunterscheidung. Bastian Asmus: Zementation – Messingherstellung nach dem Galmeiverfahren, 20. Januar 2014 – experimentelle Untersuchung des historischen Herstellungsprinzips. Zinkhütter Hof: Messing – regionaler Zusammenhang von Stolberg und Kupfermeistern.

Die drei gezeigten Museumsobjekte sind einzeln mit ihren Sammlungseinträgen verknüpft. Dort sind Material, Datierung, Zuschreibung und Inventarnummer nachprüfbar. Die Ständebuch-Holzschnitte von 1568 zeigen ergänzend verwandte Arbeits- und Handelssituationen. Wo die genaue Legierung nicht erkennbar ist, wird dies in der Bildunterschrift ausdrücklich unterschieden.