Bremens Handwerksgeschichte ist ohne die Weser kaum zu verstehen. Die Stadt war Handelsplatz, Hafen und politisch eigenständiger Raum. Bäcker, Fleischer, Schmiede, Schuster, Schneider, Gerber, Tischler, Zimmerleute und andere Gewerbe versorgten zunächst Stadt und Umland. Der Handel schuf darüber hinaus Nachfrage nach Verpackung, Fässern, Seilen, Segeln, Wagen, Lagertechnik und Reparaturen. Damit war ein erheblicher Teil des Handwerks indirekt mit dem Warenverkehr verbunden.
Maritime Arbeit bestand aus weit mehr als dem eigentlichen Bau eines Schiffes. Schiffszimmerleute benötigten Holz, Eisenbeschläge, Teer und Tauwerk. Reepschläger stellten Seile in langen Bahnen her; Segelmacher verarbeiteten schwere Gewebe; Böttcher fertigten Fässer für Lebensmittel, Getränke und andere Handelswaren; Schmiede und später Maschinenbauer lieferten Beschläge, Ankerteile und technische Komponenten. In Hafen und Lagerhäusern kamen Kran-, Transport- und Reparaturarbeiten hinzu.
Vegesack wurde zu einem besonders wichtigen Ort des Schiffbaus und der Weserschifffahrt. Im 19. Jahrhundert gewannen größere Werften und industrielle Produktionsformen an Gewicht. Bremerhaven, 1827 gegründet, erweiterte die bremische Hafenwirtschaft an der Wesermündung und entwickelte einen eigenen Kosmos aus Hafen-, Werft-, Fischerei-, Lebensmittel- und Reparaturgewerben. Diese neuen Hafenstädte und Werften waren keine Fortsetzung mittelalterlicher Zünfte, sondern Teil einer modernen Verkehrs- und Industrieökonomie.
Auch das Lebensmittelhandwerk gehört zur bremischen Geschichte. Brauer, Bäcker, Schlachter, Fischverarbeiter und später Kaffee- und Nahrungsmittelbetriebe profitierten von Handel und importierten Rohstoffen. Der Hafen machte Bremen zu einem Ort, an dem lokale Verarbeitung und globale Warenströme zusammenkamen. Handwerker arbeiteten deshalb mit Materialien, die aus dem Umland stammten, ebenso wie mit Gütern aus Übersee.
Heute reicht das Handwerk im Land Bremen von Bau, Elektro, Sanitär, Metall, Fahrzeug und Kälte bis zu Lebensmittel, Holz, Gestaltung und maritimen Dienstleistungen. Der historische Zusammenhang liegt nicht in einer unveränderten Organisation, sondern in der Fähigkeit, komplexe Arbeitsabläufe unter wechselnden technischen Bedingungen zu beherrschen. Das Landesprofil trennt deshalb Hansestadt, Werft, Industriehafen und heutige Handwerkskammer klar voneinander und zeigt zugleich ihre Verbindungen.