← Alle berühmten Handwerker & MeisterZunftbild · Werkstattbiografien
WerkstattbiografiePersönlicher & beruflicher LebenslaufBilder & WerkeMit Quellen

Berühmter Handwerker · Westmorland & London · 1779–1844

Joseph Clement

Werkzeugmacher, Mechaniker und technischer Zeichner. Clement wurde berühmt, weil er Maschinen nicht nur bauen, sondern auf ungewöhnlich hohe Genauigkeit bringen konnte. Seine Werkstatt steht zwischen klassischem Handwerk und moderner Präzisionsfertigung – von Drehbank, Spannfutter und Planmaschine bis zu Charles Babbages Difference Engine.

1817eigene Präzisionswerkstatt in South London
1818Goldmedaille der Society of Arts für seinen Ellipsographen
1825„Great Planer“ für große und sehr genaue Maschinenarbeiten
1832erhaltener Teil der Difference Engine No. 1 aus Clements Fertigung
Technische Gravur von Joseph Clements Drehmaschine mit konstanter Schnittgeschwindigkeit
Werk statt Porträt: Eine authentische Porträtaufnahme Clements ist hier nicht nötig, um seine Leistung zu zeigen. Die technische Gravur dokumentiert seine Drehmaschine mit konstanter Schnittgeschwindigkeit. Wellcome Collection; Gravur nach Joseph Clement. CC BY 4.0.

Joseph Clement kam nicht aus einer Ingenieurakademie. Sein Vater war Handweber und baute zu Hause eine eigene Drehbank; Joseph arbeitete zunächst ebenfalls am Webstuhl. Als mechanische Webstühle diese Arbeit verdrängten, wechselte er durch mehrere praktische Gewerbe: Dachdecken, Schieferarbeiten und Metallarbeit beim Dorfschmied. Gerade diese ungewöhnliche Laufbahn erklärt, warum seine spätere Präzision nicht nur aus Zeichnungen, sondern aus unmittelbarer Werkstatterfahrung entstand.

Seine Bedeutung liegt weniger in einer einzigen spektakulären Erfindung als in einer Reihe von Verbesserungen, mit denen Maschinen genauer, steifer und wiederholbarer arbeiten konnten. Bei Clement treffen Zeichnen, Messen, Drehen, Gewindeschneiden, Spannen und Planen aufeinander. Diese Verbindung machte ihn zu einem gefragten Werkzeugmacher – und schließlich zum Fertigungspartner Charles Babbages.

Vom Webstuhl zur Präzisionswerkstatt

Ein Lebensweg, der aus vielen Handwerken entstand

Geboren in Westmorland

Joseph Clement wurde am 13. Juni 1779 in Great Asby in der damaligen Grafschaft Westmorland geboren. Sein Familienname erscheint in frühen Zusammenhängen auch als „Clemmet“; wann sich die Schreibweise änderte, ist nicht sicher.

Handweber und mechanischer Tüftler

Er arbeitete zunächst mit seinem Vater an Handwebstühlen. Parallel lernte er Mechanik praktisch kennen: Der Vater besaß eine selbst gebaute Drehbank, Joseph entwickelte später eine eigene. Nach der Verdrängung der Handweberei durch mechanische Webstühle suchte er neue Arbeit.

Dachhandwerk, Schmiede und eigene Instrumente

Clement arbeitete als Thatcher und Slater und vertiefte sein Metallwissen beim Dorfschmied. In dieser Zeit fertigte er unter anderem Flöten, Pfeifen, Northumberland-Dudelsäcke, ein Mikroskop für seinen Vater, ein Teleskop und einen Satz Gewindeschneidwerkzeuge.

Webmaschinen, Zeichnen und Konstruktion

Über Kirkby Stephen und Carlisle gelangte Clement nach Glasgow und später Aberdeen. Er arbeitete an mechanischen Webstühlen und nahm Zeichenunterricht bei Peter Nicholson. Damit verband sich seine praktische Mechanik zunehmend mit technischer Darstellung.

London: Bramah und Maudslay

Nach einem kurzen Abschnitt bei Alexander Galloway wurde Clement Chefzeichner und Werkstattleiter bei Joseph Bramah. Nach Bramahs Tod wechselte er zu Maudslay, Sons and Field und arbeitete dort als Chefzeichner, unter anderem im Umfeld früher Schiffsmaschinen.

Eigene Werkstatt

In Prospect Place, Newington Butts, eröffnete Clement seine eigene kleine Werkstatt. Sie blieb bewusst auf Präzisionswerkzeuge, Zeicheninstrumente und Einzelaufträge mit besonders hohen Genauigkeitsanforderungen ausgerichtet.

Goldmedaille für den Ellipsographen

Clement präsentierte seinen Ellipsographen der Society of Arts und erhielt dafür die Goldmedaille. Das Instrument konnte nicht nur Ellipsen, sondern auch weitere geometrische Formen für technische Zeichnungen erzeugen.

Arbeit für Charles Babbage

Babbage beauftragte Clement mit der Fertigung der Difference Engine. Dafür waren sehr genaue Werkzeugmaschinen und eine große Zahl präziser Bauteile nötig. Die Zusammenarbeit endete nach Auseinandersetzungen über Kosten und Eigentum an den eigens gebauten Werkzeugmaschinen, bevor die vollständige Maschine fertiggestellt war.

Tod in Southwark

Joseph Clement starb am 28. Februar 1844 in Southwark. Sein letzter eigener Werkstattauftrag soll eine Orgel für den persönlichen Gebrauch gewesen sein.

Präzision ohne Erfinderlegende

Was Clement tatsächlich veränderte

Clement war nicht der alleinige Erfinder der Planmaschine. Das Science Museum ordnet ihn ausdrücklich in eine parallele Entwicklung mehrerer Ingenieure ein und nennt Matthew Murray als wichtigen Vorläufer. Clements Stärke war, vorhandene Prinzipien konstruktiv weiterzutreiben: Seine große Planmaschine von 1825 konnte sehr große Werkstücke bearbeiten und schnitt ungewöhnlicherweise auf Hin- und Rückhub.

Auch bei Schraubengewinden beginnt die Geschichte nicht bei Clement. 1828 fertigte er Gewindebohrer und Schneideisen nach Standards, die zuvor bei Henry Maudslay entwickelt worden waren. Joseph Whitworth führte diese Richtung später in ein noch systematischeres Normungskonzept weiter.

Objekte und Leistungen mit Belegstufe

Maschinen, Instrumente und Fertigungsarbeit

Clement · direkt

Ellipsograph, 1818

Clement präsentierte seine Konstruktion 1818 und erhielt die Goldmedaille der Society of Arts. Ein erhaltenes Exemplar trägt die Rollenverteilung sogar in der Gravur: „Joseph Clement Invenit, Holtzapffel and Deyerlein, London, Fecerunt“ – Clement entwarf, Holtzapffel und Deyerlein fertigten mit.

Clement · direkt

Drehbank für Babbage, 1823–1824

Das Science Museum katalogisiert eine für Charles Babbage bestellte Drehbank mit Joseph Clement als Hersteller. Besonders gut dokumentiert ist der von Clement gefertigte Compound Slide-Rest mit Leitspindel und Werkzeughalter.

Clement · direkt

„Great Planer“, 1825

Clements große Planmaschine konnte Werkstücke bis zu etwa sechs Quadratfuß aufnehmen und neben Flächen auch zylindrische, spiralförmige und konische Arbeiten ausführen. Ihr Werkzeug schnitt sowohl beim Vor- als auch beim Rücklauf.

Clement · direkt

Spann- und Drehbankverbesserungen

Zu Clements dokumentierten Verbesserungen gehörten ein doppelt antreibendes Zentrierfutter gegen das Durchbiegen langer Stäbe sowie eine selbsttätige Geschwindigkeitsregelung für große Durchmesser.

Technische Linie

Gewindebohrer und Schneideisen, ab 1828

Clement fertigte solche Werkzeuge nach bereits bei Maudslay entwickelten Gewindestandards. Seine Arbeit gehört damit in eine Entwicklungslinie von Maudslay über Clement bis Whitworth – nicht in eine Erzählung vom alleinigen Erfinder der Gewindenormung.

Babbage + Clement

Difference Engine No. 1

Die mathematische und maschinelle Grundidee stammt von Charles Babbage; Clement übernahm die anspruchsvolle Fertigung und Montage. Der 1832 gezeigte erhaltene Abschnitt umfasst rund 2.000 Teile und etwa ein Siebtel der geplanten vollständigen Maschine.

Werkzeuge mit sauberer Belegtrennung

Was ist Joseph Clement persönlich zuzuordnen?

Direkt für Clement belegt

Die Biografie des Science Museum nennt seine selbst entwickelte Drehbank und einen von ihm gefertigten Satz Die Stocks aus der frühen Werkstattzeit. Später sind konkrete Clement-Maschinen, Spannmechanismen und der Compound Slide-Rest als Werkstücke beziehungsweise Konstruktionen greifbar.

Direkt als Werkstattarbeit belegt

Für Babbages Projekt musste Clement hochgenaue Werkzeugmaschinen bauen. Die erhaltene Babbage-Drehbank von 1823/24 zeigt Leitspindel, Werkzeugschlitten, Wechselräder und Spannvorrichtungen in einem konkret katalogisierten Maschinenzusammenhang.

Für das Handwerk fachlich belegt

Feilen, Bohrer, Reiß- und Messwerkzeuge, Schraubstöcke und Schneidwerkzeuge gehörten zur Werkzeugmacherpraxis der Zeit. Sie werden hier aber nicht als persönlicher Besitz Clements ausgegeben, wenn kein Einzelobjekt mit seiner Provenienz belegt ist.

Fehlende Spezialprofile

Für Clements Great Planer, Zentrierfutter und einige seiner speziellen Drehbank- und Gewindewerkzeuge fehlen derzeit noch passgenaue Einzelprofile. Deshalb verlinkt diese Seite nur auf bereits vorhandene, belastbare Themenseiten.

Arbeitsteilung bei einer berühmten Maschine

Difference Engine: Babbages Entwurf, Clements Präzisionsfertigung

Die Difference Engine ist ein Paradebeispiel dafür, warum Entwurf und Werkstattarbeit getrennt benannt werden müssen. Das Science Museum führt Charles Babbage als Maker der Difference Engine No. 1 und beschreibt den erhaltenen Abschnitt zugleich als von Joseph Clement gebaut und 1832 von Babbages Ingenieur Clement montiert.

Die Herausforderung lag nicht allein im mathematischen Prinzip. Tausende Bauteile mussten so genau hergestellt werden, dass Zahnräder, Wellen und Übertragsmechanismen zuverlässig zusammenarbeiteten. Clements Werkstatt musste dafür wiederum eigene hochpräzise Maschinen einsetzen. Rund 2.000 Teile des 1832 demonstrierten Abschnitts sind erhalten; die vollständige Maschine wäre wesentlich größer gewesen und wurde nie fertiggestellt.

Die spätere Trennung von Babbage und Clement gehört ebenfalls zur Geschichte: Kosten und die Frage, wem die eigens für den Auftrag hergestellten Werkzeugmaschinen gehörten, führten zum Konflikt. Aus einer großen technischen Zusammenarbeit wurde kein vollendetes Serienprojekt.

Acht unterschiedliche Bildquellen

Clements Maschinen und die Difference Engine

Die Bildstrecke zeigt technische Originalgravuren aus Clements Werkstattumfeld und drei unterschiedliche Fotografien der Difference Engine. Die Fotografien werden nicht als drei verschiedene Maschinen ausgegeben: Zwei zeigen den erhaltenen Science-Museum-Abschnitt, die dritte einen später von Henry Prevost Babbage montierten Abschnitt mit von Clement bearbeiteten Messingteilen.

Recherche & Gegenprüfung

Kernquellen für dieses Profil