Materialien & Werkstoffe · Holz

Holz – Werkstoff zwischen Wald, Werkbank und Baukunst

Holz im historischen Handwerk: Herkunft, Eigenschaften, Verarbeitung, Werkzeuge und Berufe. Mit historischen Abbildungen und Fachquellen.

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Schreiner richtet Holz an seiner Werkbank zu
Schreiner richtet Holz an seiner Werkbank zu. Werkbank und Spannmöglichkeiten unterstützen die genaue Bearbeitung. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Ein Dachstuhl, ein Fass, ein Wagenrad und eine geschnitzte Heiligenfigur sehen grundverschieden aus. Dennoch beginnen sie mit derselben Aufgabe: Ein Handwerker muss aus gewachsenem Holz ein verlässliches Werkstück machen. Dabei genügt es nicht, einen Stamm auf die gewünschte Größe zu bringen. Faserverlauf, Feuchte, Äste, Belastung und die spätere Umgebung entscheiden darüber, ob eine Verbindung hält, ein Gefäß dicht bleibt oder eine dünne Instrumentendecke gut schwingt. Holzgeschichte ist deshalb auch die Geschichte des genauen Beobachtens.

In der europäischen Handwerksgeschichte war Holz zugleich Baustoff, Brennstoff, Verpackung und Grundlage der Werkstatteinrichtung. Selbst Gewerbe, deren Produkte aus Metall, Leder oder Glas bestanden, benötigten hölzerne Griffe, Gestelle, Formen und Transportbehälter. Seine Verfügbarkeit machte Holz alltäglich; geeignete Qualitäten konnten dennoch knapp und teuer sein. Ein gerader langer Balken, ein astfreies Brett und ein natürlich gekrümmtes Bauteil waren keine austauschbaren Waren.

Was einen gewachsenen Werkstoff auszeichnet

Holz entsteht im Stamm, in Ästen und Wurzeln verholzender Pflanzen. Seine Zellen bilden ein gerichtetes Gefüge. Deshalb verhält sich ein Brett längs zur Faser anders als quer dazu. Wer ein Stück spaltet, nutzt diese Richtung; wer einen Zapfen quer belastet, muss sie konstruktiv berücksichtigen. Die Unterschiede sind mit der Hand erfahrbar, auch ohne moderne Werkstoffprüfung. Sie erklären, weshalb traditionelle Handwerker Holzstücke bereits vor dem ersten Schnitt prüften und für bestimmte Aufgaben zurücklegten.

Zwischen Rinde und älterem inneren Holz liegt der jüngere Splint. Bei manchen Baumarten unterscheidet sich das Kernholz deutlich in Farbe und Eigenschaften, bei anderen weniger. Helles Splintholz und dunkler Kern sind daher keine allgemeine Qualitätsrangfolge. Ebenso wenig bedeutet ein enges Jahrringbild bei jeder Baumart automatisch höhere Festigkeit. Wachstum, Holzart, Faserabweichungen und Nutzung müssen zusammen beurteilt werden. Ein Möbelbrett wird nach anderen Maßstäben ausgewählt als ein Axtstiel oder eine Fassdaube.

Schreiner richtet Holz an seiner Werkbank zu
Schreiner richtet Holz an seiner Werkbank zu. Werkbank und Spannmöglichkeiten unterstützen die genaue Bearbeitung. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Holz nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. Dabei kann es quellen, schwinden, sich verwerfen oder reißen. Diese Veränderungen fallen in den verschiedenen anatomischen Richtungen unterschiedlich aus. Alte Rahmenfüllungen, beweglich eingesetzte Bretter und sorgfältig orientierte Dauben zeigen, wie Konstruktionen auf dieses Verhalten reagieren. Die historische Lösung bestand häufig darin, Bewegung zu ermöglichen und zugleich die tragenden Verbindungen zu sichern.

Acht Holzarten und ihre handwerklichen Stärken

Eiche: Tragwerk, Fass und dauerhafte Bauteile

Eichenholz lässt sich gut spalten und besitzt ein widerstandsfähiges Kernholz. Es wurde unter anderem für tragende Konstruktionen, Türen, Möbel und Fässer ausgewählt. Dabei ist die natürliche Dauerhaftigkeit des Kerns von der geringeren Widerstandsfähigkeit des Splints zu unterscheiden. Auch Eiche hält nicht unter allen Bedingungen unbegrenzt. Feuchtenester, ungünstige Anschlüsse und mangelnde Belüftung bleiben problematisch. Für die Böttcherei sind neben der Holzart insbesondere Schnitt beziehungsweise Spaltung, Dichtheit, Trocknung und spätere Flüssigkeit entscheidend. Nutzung der Eiche

Buche: Hartes Holz für beanspruchte Gebrauchsgegenstände

Buche liefert ein hartes, gleichmäßig aufgebautes Holz, das sich für zahlreiche Geräte, Möbelteile und Werkzeuge eignet. Seine Neigung zu Feuchtebewegungen und die geringe natürliche Dauerhaftigkeit im Freien begrenzen jedoch ungeschützte Anwendungen. Mit dem industriellen Bugholzverfahren wurde gedämpftes Buchenholz zu einem wichtigen Möbelwerkstoff. Die bekannten gebogenen Stuhlteile stehen für eine neue Verbindung von Materialkenntnis, wiederholbarer Formgebung und Serienfertigung. Damit verschwand die handwerkliche Auswahl nicht: Fehler im Faserverlauf können gerade beim Biegen zum Bruch führen.

Zimmermann bei der Bearbeitung eines Balkens
Zimmermann bei der Bearbeitung eines Balkens. Große Bauteile erfordern andere Arbeitsplätze als Möbelteile. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Fichte: Geringes Gewicht und brauchbare Festigkeit

Fichte lässt sich vergleichsweise leicht bearbeiten und bietet ein günstiges Verhältnis von Festigkeit zu Gewicht. Sie ist deshalb ein bedeutendes Bau- und Werkholz. Lange, gerade Stämme begünstigen Balken und Bretter; ausgesuchte Qualitäten eignen sich außerdem für Instrumentendecken. Diese Verwendung lässt sich nicht auf beliebiges Fichtenholz übertragen. Gerade Wuchsrichtung, Gleichmäßigkeit und Fehlerfreiheit sind dabei wesentlich. Für ungeschützte Außenbauteile reicht die natürliche Widerstandsfähigkeit allein nicht aus. LWF: Das Holz der Fichte

Tanne: Harzarmes Nadelholz für besondere Aufgaben

Tannenholz ähnelt der Fichte in vielen Anwendungen, enthält jedoch keine normalen Harzkanäle wie Fichten- oder Kiefernholz. Das kann bei bestimmten Innenausbauten und Behältern vorteilhaft sein. Traditionelle Nutzungen hängen stark davon ab, welche Tannenbestände regional verfügbar waren. Eine historische Materialangabe wie „Tannenbrett“ ist zudem kritisch zu lesen: Ältere Handelsbezeichnungen können mehrere helle Nadelhölzer zusammenfassen. Ohne Untersuchung des Objekts lässt sich die botanische Art daher nicht immer sicher bestimmen.

Kiefer: Sichtbarer Kern und vielseitige Verwendung

Kiefer besitzt gewöhnlich einen hellen Splint und einen rötlich nachdunkelnden Kern. Das Holz wurde für Baukonstruktionen, Türen, Möbel und zahlreiche Gebrauchsgegenstände eingesetzt. Harz beeinflusst sowohl den Geruch als auch die Bearbeitung und Oberflächenbehandlung. Die LWF beschreibt seine guten mechanischen Eigenschaften und seine vielseitige Nutzung. Auch hier gilt die Unterscheidung zwischen Kern und Splint: Ein Werkstück besteht nicht zwangsläufig vollständig aus dem widerstandsfähigeren Kernbereich. LWF: Das Holz der Kiefer

Linde: Feine Formen statt großer Traglasten

Lindenholz ist weich, relativ gleichmäßig und gut schnitzbar. Diese Eigenschaften machen es für Bildhauerei, Modelle und fein ausgearbeitete Formen interessant. Die Oberfläche erlaubt differenzierte Schnitte, ohne dass ein ausgeprägter Wechsel harter und weicher Zonen die Gestaltung ebenso stark stört wie bei manchen anderen Hölzern. Daraus folgt jedoch keine besondere Eignung für frei bewitterte oder stark beanspruchte Konstruktionen. Materialwahl bedeutet immer auch, eine Schwäche durch den passenden Einsatzbereich zu vermeiden. LWF: Das Holz der Winterlinde

Drechsler an einer Drehbank
Drechsler an einer Drehbank. Das rotierende Holz wird mit einem geführten Schneidwerkzeug geformt. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Esche: Elastizität für Stiele und Fahrzeugteile

Eschenholz verbindet Festigkeit mit Zähigkeit und Elastizität. Es eignet sich deshalb für Werkzeugstiele, Geräte und bestimmte Teile des Wagenbaus. Die Universität Göttingen erläutert die Bedeutung dieser Eigenschaften und weist zugleich auf die Witterungsanfälligkeit hin. Ein guter Hammerstiel verlangt außerdem einen geeigneten Faserverlauf: Schräg herauslaufende Fasern können die Bruchgefahr erhöhen. Die passende Holzart ersetzt also weder sorgfältige Auswahl noch gute Formgebung. Universität Göttingen: Holz und Verwendung der Esche

Nussbaum: Farbe, Zeichnung und anspruchsvolle Ausstattung

Nussbaum wurde wegen seiner Farbe, Maserung und guten Bearbeitbarkeit für gehobene Möbel, Schnitzarbeiten und Ausstattung geschätzt. Große fehlerarme Stücke waren nicht überall leicht verfügbar. Furniere erlaubten es, dekoratives Holz sparsamer einzusetzen und auf einen anderen Träger aufzubringen. Das machte die Herstellung allerdings technisch anspruchsvoller: Träger, Leimung, Fugen und Feuchteverhalten mussten aufeinander abgestimmt sein. Ein schönes Erscheinungsbild allein sagt daher wenig über die handwerkliche Qualität eines historischen Möbelstücks aus.

Lange vor den Zünften: Die frühen Holzhandwerker

Holzbearbeitung ist wesentlich älter als Metallwerkzeuge und städtische Berufsorganisationen. Archäologische Holzfunde sind allerdings selten, weil das organische Material unter vielen Bodenbedingungen zerfällt. Erhaltene Stücke verdanken sich besonderen Lagerungsverhältnissen. Die Fundlücke darf nicht mit geringer historischer Bedeutung verwechselt werden. Häufig überdauern nur Steinwerkzeuge, Metallbeschläge oder Verfärbungen, obwohl das ursprüngliche Gerät überwiegend aus Holz bestand.

Die Jagdwaffen von Schöningen zeigen eine sehr frühe, gezielte Auswahl und Bearbeitung von Holz. Ihre Datierung wurde in der Forschung mehrfach diskutiert; eine 2025 vorgestellte Untersuchung ordnet sie ungefähr 200.000 Jahren vor heute zu. Gerade dieses Beispiel macht deutlich, warum ein Lexikon Forschungsstände benennen und keine scheinbar ewigen Rekordzahlen verbreiten sollte. Für die Handwerksgeschichte ist vor allem die differenzierte Materialbearbeitung bedeutsam. LEIZA: Neue Datierung der Schöninger Speere

Böttcher beim Fassbau
Böttcher beim Fassbau. Dauben und Reifen bilden gemeinsam einen belastbaren Behälter. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Vom Wald zur Werkstatt

Die Rohstoffgewinnung begann mit der Auswahl geeigneter Bäume. Gewünschte Länge, Durchmesser, Geradheit und natürliche Krümmung konnten dabei ebenso wichtig sein wie die Holzart. Nach dem Fällen folgten Entasten und Transport. In manchen Regionen erleichterten Flüsse die Beförderung großer Mengen. Flößerei verband waldreiche Gebiete mit Städten und Gewerbezentren; örtliche Wege, Zölle, Wasserstände und Nutzungsrechte beeinflussten die Versorgung.

Aus Rundholz entstanden durch Spalten, Behauen oder Sägen unterschiedliche Halbzeuge. Spalten folgt dem Faserverlauf und kann sehr widerstandsfähige Teile liefern. Sägen erlaubt eine andere Ausnutzung des Stamms und regelmäßigere Brettformate, verlangt aber geeignete Sägen, Arbeitskraft oder eine Sägemühle. Welche Methode wirtschaftlich sinnvoll war, hing deshalb auch von der technischen Ausstattung ab. Handwerkliche Materialgeschichte lässt sich nicht allein anhand des fertigen Produkts erklären.

Die Trocknung musste zur geplanten Verarbeitung passen. Nicht jedes historische Holz wurde jahrelang gelagert, und nicht jedes Werkstück entstand aus völlig trockenem Material. Manche Arbeitsschritte lassen sich an frischem Holz leichter ausführen; andere erfordern eine möglichst ausgeglichene Feuchte. Luftige Lagerung, Abstand zwischen Brettern und Schutz vor Niederschlag vermindern Schäden. Zu schnelles Austrocknen kann Risse fördern, während ungünstig feuchte Lagerung Pilze begünstigt.

Wagner beim Bau eines Rades
Wagner beim Bau eines Rades. Nabe, Speichen und Felge verlangen unterschiedliche Formen und Belastbarkeit. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Vom Rohstoff zum fertigen Werkstück

  1. Baum auswählen: Holzart, Wuchsform, Dimension und erkennbare Fehler werden mit der vorgesehenen Aufgabe verglichen.
  2. Fällen und transportieren: Der Stamm wird vorbereitet und zur Bearbeitung gebracht; geeignete Transportwege bestimmen Aufwand und Kosten.
  3. Halbzeug herstellen: Spalten, Behauen oder Sägen erzeugen Balken, Bretter, Dauben beziehungsweise kleinere Rohlinge.
  4. Feuchte anpassen: Das Material wird passend zur späteren Arbeit gelagert oder zunächst in frischem Zustand vorbearbeitet.
  5. Anreißen und formen: Maße, Faserverlauf und Verbindungen werden festgelegt; anschließend wird gesägt, gehobelt, gebohrt, geschnitzt oder gedrechselt.
  6. Verbinden und fertigstellen: Zapfen, Dübel, Leim, Beschläge oder Reifen fügen die Teile zusammen. Eine geeignete Oberfläche und die Funktionsprüfung schließen die Arbeit ab.

Welche Handwerker arbeiteten mit diesem Material?

Tischler und Schreiner fertigten Möbel und Innenausbauten. Die beiden Bezeichnungen benennen regional häufig dasselbe Handwerk und rechtfertigen daher keine künstlich getrennten Berufsprofile. Zimmerleute konzentrierten sich auf größere Holzkonstruktionen. Drechsler formten rotierende Werkstücke; Wagner und Stellmacher verbanden Holzarten mit unterschiedlichen Aufgaben im Fahrzeugbau.

Böttcher und Küfer bauten Gefäße aus Dauben, Böden und Reifen. Holzbildhauer arbeiteten an Figuren, Ornamenten und Reliefs. Instrumentenbauer mussten neben Form und Haltbarkeit auch das Schwingungsverhalten berücksichtigen. Diese Grenzen waren nicht überall identisch. Städtische Ordnungen, örtliche Nachfrage und Konkurrenz beeinflussten, welche Produkte ein Meister anbieten durfte. Der Werkstoff verbindet die Berufe, macht ihre historischen Rechte aber nicht automatisch gleich.

Werkzeuge, Werkbank und Formenwissen

Axt und Beil gehören zu den Werkzeugen des groben Zurichtens. Sägen trennen entlang geplanter Linien, Hobel glätten und bringen Flächen auf Maß. Stemmeisen schaffen unter anderem Zapfenlöcher und Aussparungen; Bohrer bereiten Löcher für Dübel, Achsen oder Beschläge vor. Winkel, Richtscheit und Streichmaß dienen dem Übertragen von Geometrie. Das Werkzeug allein erklärt jedoch noch keine gute Arbeit. Entscheidend ist, in welcher Reihenfolge Bezugskanten hergestellt und Maße von ihnen abgenommen werden.

Die Werkbank hält das Holz so, dass beide Hände für Werkzeugführung oder Kontrolle frei bleiben. Ein Zimmerplatz benötigt dagegen Fläche zum Auslegen großer Bauteile. In der Drechslerei verändert der Antrieb die Arbeitsweise: Das Werkstück bewegt sich, während das Schneidwerkzeug geführt wird. Fassbau verlangt wiederum eigene Formen, Spannmittel und Erfahrung mit gekrümmten Flächen. Einen Überblick bietet das Werkzeuglexikon.

Lautenmacher in seiner Werkstatt
Lautenmacher in seiner Werkstatt. Im Instrumentenbau werden Holzform und Schwingungsverhalten aufeinander abgestimmt. Jost Amman (Holzschnitt), im Ständebuch mit Texten von Hans Sachs, Frankfurt am Main 1568. Digitalisat: digitalis.uni-koeln.de, bereitgestellt bei Wikimedia Commons. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Holzbildhauerei zwischen Konstruktion und Oberfläche

Mittelalterliche Holzfiguren wurden häufig aus einem größeren Block herausgearbeitet und durch separat angesetzte Teile ergänzt. Aushöhlungen auf der Rückseite konnten Spannungen und Rissbildung vermindern. Die vom Metropolitan Museum erläuterten Arbeitsgänge reichen vom groben Zurichten über Bohrer und Hohleisen bis zur sorgfältigen Oberflächenbearbeitung. Viele Figuren erhielten anschließend eine farbige Fassung. Das heute sichtbare Holz muss deshalb nicht dem ursprünglichen Erscheinungsbild entsprechen. The Met: Materialien und Techniken spätmittelalterlicher deutscher Skulptur

Handel, Wert und die Stadt

Holzverbrauch verband Stadt und Umland. Bauvorhaben benötigten große Mengen; Gewerbe verlangten zusätzlich Brennholz, Holzkohle, Verpackungen und Geräte. Zugleich beanspruchten Landwirtschaft und Haushalte den Wald. Konflikte um Nutzungsrechte und Versorgung sind deshalb ein wesentlicher Teil der Wirtschaftsgeschichte. Ein geringwertiger Rest für die eine Werkstatt konnte für eine andere noch nützlich sein, etwa als kleiner Rohling oder Brennmaterial. Solche Mehrfachnutzungen waren jedoch von Arbeit und Transport abhängig.

Auch der Wert eines fertigen Produkts lässt sich nicht aus dem Materialpreis allein ableiten. Ein schlichter Balken und eine fein geschnitzte Figur können aus ähnlich großen Holzstücken hervorgehen, enthalten aber sehr unterschiedliche Arbeitsleistungen. Trocknungsrisiko, Ausschuss, Lagerzeit und Beschaffung besonderer Qualitäten erhöhen die Kosten zusätzlich. Materialkenntnis hatte damit einen unmittelbar wirtschaftlichen Wert: Sie half, Fehler vor der aufwendigen Weiterbearbeitung zu erkennen.

Industrialisierung und heutige Verarbeitung

Mechanische Sägen, Hobelmaschinen und Fräsen veränderten die Geschwindigkeit und Wiederholbarkeit der Bearbeitung. In Werkstätten übertrugen zunächst häufig zentrale Antriebe ihre Kraft auf mehrere Maschinen. Später erleichterten einzelne Elektromotoren eine flexiblere Aufstellung. Maschinen ermöglichten große Serien, verlangten jedoch passende Vorrichtungen, Schutzmaßnahmen und eine neue Arbeitsteilung. Industriell gefertigte Teile konnten anschließend weiterhin handwerklich angepasst und montiert werden.

Furnier, Sperrholz und weitere Holzwerkstoffe erweiterten die Möglichkeiten über das gewachsene Brett hinaus. Heute ergänzen computergesteuerte Maschinen traditionelle Verfahren. Für Restaurierung und Denkmalpflege bleibt das Verständnis alter Verbindungen wesentlich: Ein starres modernes Ersatzteil kann sich anders verhalten als die historische Konstruktion. Wer alte Arbeiten beurteilt, muss deshalb Originalsubstanz, spätere Reparaturen und heutige Ergänzungen auseinanderhalten.

Das Material lebt in Berufen und Bräuchen weiter

Holz bleibt im Bau, im Möbelhandwerk, bei Instrumenten und in der Gestaltung bedeutsam. Seine Erneuerbarkeit allein garantiert noch keine gute Umweltbilanz; Herkunft, Nutzungsdauer, Verarbeitung und Wiederverwendung gehören zur Betrachtung. Für historische Werkstücke ist eine lange Nutzungsbiografie oft besonders aufschlussreich. Reparierte Beschläge, versetzte Zapfenlöcher oder ergänzte Bretter erzählen von veränderten Bedürfnissen.

Das Richtfest verbindet den Holzbau mit einer weiterhin bekannten Handwerkstradition. Wer die praktische Gegenwart kennenlernen möchte, findet Vertiefungen zur Ausbildung im Tischlerhandwerk, zur Ausbildung als Zimmerer und zur Holzbildhauerei. So führt der Weg vom Baum über das historische Werkstück bis zur heutigen beruflichen Materialkenntnis.

Erhaltene Werkstücke aus Holz

Teekästchen aus Mahagoni

Dieses britische Teekästchen von etwa 1760 zeigt Holz als Werkstoff eines kleinen, sorgfältig gestalteten Behälters. Das Museum nennt Mahagoni und vergoldetes Messing. Die geschwungenen Seiten und geschnitzten Verzierungen machen anschaulich, wie eng Schreinerarbeit und Oberflächengestaltung zusammengehören. Die Metallteile ergänzen den Holzkörper. Das Stück erweitert den Blick über die zuvor beschriebenen mitteleuropäischen Holzarten hinaus; es ist kein Beispiel für Eichen- oder Nussbaumholz.

Geschnitztes Teekästchen aus Mahagoni mit vergoldeten Messingbeschlägen
Britisches Teekästchen, um 1760. Mahagoni und vergoldete Messingbeschläge; das geschnitzte Holz verbindet Behälterfunktion und Ornament. Hersteller nicht benannt. The Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. 64.101.1190. Gift of Irwin Untermyer, 1964. Foto: The Met, Open Access / CC0. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Kommode mit Korpus und Furnier

Die Pariser Kommode von Bernard II van Risenburgh entstand um 1765. An ihr lässt sich zwischen tragendem Holz und sichtbarer Oberfläche unterscheiden: Laut Museum besteht der Unterbau aus Eiche und Kiefer, während weitere Holzarten als Furniere und Einlegeelemente verwendet wurden. Hinzu kommen Marmor und vergoldete Bronze. Ein historisches Möbel ist somit oft ein Verbund verschiedener Materialien. Die Aufnahme zeigt das Gesamtstück; die Bestimmung der verborgenen Konstruktionshölzer folgt dem Museumsbefund.

Hohe schmale Kommode mit Holzfurnier und geschweiften Füßen
Schmale Kommode von Bernard II van Risenburgh, Paris, um 1765. Eiche und Kiefer im Korpus, dekorative Holzfurniere, Marmorplatte und vergoldete Bronzebeschläge. Bernard II van Risenburgh, um 1765. The Metropolitan Museum of Art, New York, Inv. 1974.356.209. The Lesley and Emma Sheafer Collection, Bequest of Emma A. Sheafer, 1973. Foto: The Met, Open Access / CC0. Originalquelle und Rechte: Public Domain.

Die historische Tischlerwerkstatt zeigt das zugehörige Arbeitsumfeld mit Einrichtung, Werkzeugen und Arbeitsabläufen. Der Werkzeugabschnitt der Werkstatt vertieft die dort verwendeten Geräte.

Quellen & weiterführende Literatur

Die verlinkten Fachbeiträge der LWF und der Universität Göttingen erläutern Holzmerkmale und Verwendung. Der Beitrag des LEIZA dokumentiert einen neueren archäologischen Forschungsstand; der Museumsbeitrag des Metropolitan Museum behandelt konkrete bildhauerische Techniken. Die Abbildungen aus Jost Ammans und Hans Sachs’ Ständebuch, Frankfurt am Main 1568, sind zeitgenössische Bildquellen der frühen Neuzeit. Sie zeigen ausgewählte Berufe in verdichteter Form und ersetzen weder Werkstattinventare noch regionale Zunftordnungen. Ihre Quellen- und Rechteangaben stehen jeweils unmittelbar beim Bild.